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Wettbewerb im Pharmasektor : Hausärzte warnen vor weiteren Lieferengpässen von Arzneien

Ein Mitarbeiter im Zentrallager eines Pharma-Großhändlers Bild: Picture-Alliance

Vor zwei Jahren ist die Produktion des Medikaments Ibuprofen von BASF in Texas ausgefallen. Solche Unsicherheiten in der Versorgung mit Arzneimitteln haben viele Gründe. Hausärzte machen auf einen Missstand aufmerksam.

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          Die deutschen Hausärzte sind besorgt, dass die Lieferengpässe für Medikamente wegen des Coronavirus noch zunehmen könnten. „Möglicherweise verschärft sich das, wenn die Chinesen jetzt noch mehr Städte und Fabriken abriegeln“, warnte der Bundesvorsitzende des Hausärzteverbands, Ulrich Weigeldt, in Berlin. Der Preisdruck in der Pharmaindustrie habe zu einer besorgniserregenden Konzentration auf wenige Standorte und zur Einschränkung der Produktvielfalt geführt. Falle eines der Werke aus, gefährde das in Einzelfällen den Gesamtmarkt.

          Christian Geinitz

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin

          Weigeldt erinnerte an die Knappheit des Schmerzmittels Ibuprofen im Jahr 2018, nachdem die Produktion von BASF in Texas ausgefallen war. Schuld an den Engpässen seien auch übertriebene Rabatte für Arzneien, weil sich deren Herstellung oft nur noch an Billigstandorten wie Indien oder Bangladesch lohne. Hinzu komme, dass China einen Großteil der dort produzierten Präparate selbst brauche, weil die Mittelschicht größer sei als die Bevölkerung Europas.

          Um die Versorgungssicherheit in Deutschland zu erhöhen, müsste die Wirkstoffherstellung eigentlich zurückkehren, das sei aber unwahrscheinlich: „Wir waren mal die Apotheke der Welt, das ist vorbei.“ In seinem Gesetzentwurf zum „Fairen Kassenwettbewerb“ hatte Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) kürzlich eine strengere Überwachung und ein besseres Lagersystem von Arzneien angeregt. „Ob diese Vorratshaltung wirklich etwas bringt, muss sich noch erweisen“, sagte Weigeldt.

          Hart ins Gericht ging der Mediziner mit Spahns Plänen zur Einführung einer elektronischen Patientenakte (EPA) von 2021 an. Dazu waren kürzlich Details im Referentenentwurf zum Patientendaten-Schutzgesetz (PDSG) bekannt geworden. Zum einen sei es falsch, dass Patienten auf die Inhalte Einfluss nehmen und auswählen könnten, welcher Arzt welche Informationen erhalte, sagte Weigeldt. Zum anderen beeinträchtige die Bürokratie die Arbeitsabläufe in den Praxen: „Dann bleibt weniger Zeit für die Patienten.“

          Die EPA verursache „Datenfriedhöfe ungeahnten Ausmaßes“, lasse aber Sinnvolles nicht zu, etwa dass Kliniken und Hausärzte gegenseitig Einsicht in die Behandlung eines Patienten nähmen. „EPA ist für uns uninteressant, es ist eine vertane Chance.“ Zuvor hatte schon die Kassenärztliche Bundesvereinigung den im PDSG festgeschriebenen Patientenanspruch kritisiert, dass Ärzte die Akte befüllen müssen und dafür eine einmalige Vergütung von nur zehn Euro erhalten.

          Lob kam von Weigeldt für die Neufassung der Approbationsordnung. Es gebe genügend „gestandene Hausärzte“, um Medizinstudierende, wie vorgesehen, in ihrem Praktischen Jahr zu betreuen und die Ausbildung in der Allgemeinmedizin zu stärken. Spahns Entwurf zur Reform der Notfallversorgung nannte er „hinreichend unausgegoren“. So sei unklar, welche Rechtsform die geplanten Integrierten Notfallzentren erhielten, wie die Verträge mit den Ärzten und die Haftungsregeln ausgestaltet würden und wie die Versorgung auf dem Land sichergestellt werden könne.

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