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Infrastruktur und Corona : Großbritannien verstaatlicht seine Bahnen

Pendler in der Docklands Light Railway in London. Bild: AFP

In den kommenden Monaten übernimmt der der britische Steuerzahler alle Einnahmen und Kosten der privaten Eisenbahn-Gesellschaften. Mit dieser Notmaßnahme reagiert die Regierung auf die Corona-Krise im Land.

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          Inmitten der Corona-Krise hat die britische Regierung die privaten Eisenbahn-Gesellschaften im Land faktisch verstaatlicht. Für mindestens sechs Monate werden die bisherigen Franchise-Betriebsvereinbarungen suspendiert. Die Unternehmen können alle Einnahmen und Kosten in dieser Zeit dem Staat überschreiben und erhalten eine kleine Managementgebühr von 2 Prozent, um den Betrieb aufrechtzuerhalten. Dies teilte das Verkehrsministerium am Montag als Notmaßnahme mit. Damit landen de facto die derzeitigen Verluste beim Steuerzahler.

          Philip Plickert
          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Die Umsätze der Bahnen sind seit Ausbruch der Corona-Krise um 70 Prozent und mehr gesunken. Viele Züge sind weitgehend leer, seit die Angst vor Ansteckungen mit dem Virus gestiegen ist und die Regierung die Bürger aufgerufen hat, nicht unbedingt nötige Reisen und Fahrten abzusagen. Ausgenommen sind „Schlüssel-Arbeiter“ aus Branchen, deren Dienste während der Pandemie unerlässlich sind. „Keine anderen Passagiere sollten reisen“, schrieb das Verkehrsministerium. Alle Zeitkarten-Besitzer können eine Kostenerstattung für nicht genutzte Karten beantragen.

          Mit dem Corona-Einbruch näherte sich das halbe Dutzend private Eisenbahngesellschaften im Vereinigten Königreich dem Abgrund. Die Aktienkurse, etwa die der First Group oder von Go Ahead, sind in den vergangenen Wochen extrem eingebrochen: Die First-Group-Papiere büßten seit Mitte Februar um mehr als 75 Prozent ein. Am Montag erholten sie sich etwas um 4 Prozent, nachdem die Nachricht zur zeitweisen Verstaatlichung bekannt wurde. Die First Group betreibt die Great Western Railway, die South Western Railway, TransPennine Express und Avanti West Coast sowie Bus-Linien. Die Aktie von Go Ahead, die Govia Thameslink und die Southeastern Bahn betreiben, sprang nach einem Absturz um drei Viertel am Montag um 8 Prozent nach oben.

          Allerdings standen einige der Bahngesellschaften schon vor der Corona-Krise nicht gut da. Ende Januar hatte die Regierung den Frachise-Vertrag der Northern Rail wegen „inakzeptablem“ Service mit vielen Verspätungen und Zugausfällen beendet. Die Bahn wurde zum 1. März verstaatlicht. Das nordenglische Bahnnetz wurde seit 2016 von Arriva Rail North betrieben, einer Tochtergesellschaft der Deutschen Bahn. 2018 wurde eine Eisenbahnlinie an der Ostküste nach dem Kollaps des Betreibers verstaatlicht.

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