https://www.faz.net/-gqe-9xn5k

Pandemie-Programm : Der neue Schutzwall der EZB

Startet ein neues Krisenprogramm: Die EZB in Frankfurt. Bild: dpa

Die Währungshüter wollen Spekulationen auf eine Illiquidität von Staaten aus der Eurozone im Keim ersticken. Aber auch für sie gilt: Alleine die Geldpolitik wird diese Krise nicht lösen.

          1 Min.

          Rund um den Globus versuchen sich die Zentralbanken gegen die Transformation einer Wirtschaftskrise in eine Wirtschafts- und Finanzkrise zu stemmen. In der vergangenen Nacht war die Reihe an der EZB, die ein zur Bekämpfung der wirtschaftlichen Folgen der Pandemie gedachtes Anleihekaufprogramm über 750 Milliarden Euro ankündigte.

          In der vergangenen Woche schon hatte die EZB mit großzügigen Kreditprogrammen für die Kreditwirtschaft signalisiert, dass sie die Banken so weit wie möglich aus der Schusslinie nehmen möchte. Jetzt signalisiert sie mit Anleihekäufen, dass sie das ihre tun will, um Spekulationen des Marktes auf eine Illiquidität von Staaten aus der Eurozone im Keim zu ersticken.

          Die Reaktionen der Anleger kurz nach Handelseröffnung am Donnerstag zeigen, dass dieses Unterfangen zunächst einmal gelungen ist. Auch sollen die Unternehmen durch Anleihekäufe unterstützt werden. Die Bereitschaft der EZB, sich gegen die um sich greifende Unsicherheit zu wenden, ist verständlich.

          F.A.Z.-Newsletter für Deutschland

          Jeden Morgen ordnen unsere Redakteure die wichtigsten Themen des Tages ein. Relevant, aktuell und unterhaltsam.

          Bitte beachten Sie unsere Datenschutzhinweise.

          Aber auch der stattliche Umfang des neuen Programms kann nicht verdecken, dass Wertpapierkaufprogramme von Zentralbanken aus geldpolitischer Sicht zwar völlig legitime und gebräuchliche Instrumente darstellen, ihre Wirkung aber nach aller Erfahrung begrenzt ist. Schon in den vergangenen Jahren sind ihre Wirkungen von Anhängern wie Kritikern häufig überschätzt worden. Denn es ist nicht gesagt, dass die Schaffung von Liquidität durch Zentralbanken dort wirkt, wo sie zuvörderst gebraucht wird: in der Wirtschaft.

          Auch ließen sich – bisher nur theoretische – Finanzierungsprobleme eines größeren europäischen Landes nicht mit einem solchen Programm dauerhaft beseitigen. Dafür bedürfte es anderer und geeigneterer Instrumente, die auf der europäischen Ebene zudem seit Jahren bereit stehen. Daher sollte sich niemand wundern, wenn die Wirkung des neuen EZB-Programms nur vorübergehend wäre.

          Natürlich werfen Anleihekaufprogramme in einer Währungsunion mit Blick auf Anreiz- und Verteilungseffekte im Vergleich zu Anleihekäufen in einem Nationalstaat zusätzliche Frage auf, über die gerade in Deutschland in den vergangenen Jahren viel diskutiert worden ist. Für die notorischen Kritiker der EZB sollte immerhin die Erkenntnis bleiben: Ein zeitlich befristetes Anleihekaufprogramm der EZB verändert die Architektur der Eurozone weniger als die Einführung regelrechter Eurobonds, die man vermutlich nicht mehr los würde.

          Weitere Themen

          Impfstoff-Produktion für ganz Europa? Video-Seite öffnen

          „IDT Biologika“ in Dessau : Impfstoff-Produktion für ganz Europa?

          „IDT Biologika“ und „Dermapharm“ produzieren die Corona-Impfstoffe von Biontech und Astra-Zeneca. Beide Unternehmen liegen nur 50 Kilometer auseinander – und beide liegen in Sachsen-Anhalt. Entsteht hier die Impfstoff-Produktion für ganz Europa?

          Topmeldungen

          Eine App für mehr Freiheiten? So könnte der grenzüberschreitende Corona-Impfausweis künftig aussehen.

          Vier Fragen zur Immunität : Was steht drin im Corona-Impfpass?

          Immun gegen Corona, geht das überhaupt? Der europäische Impfpass ist von der Politik inzwischen fest avisiert, aber es sind einige Fragen offen. Was könnte in einem Immunitätszertifikat stehen, das digital überall abrufbar ist? Vier Fragen, vier Antworten.
          Britisch-Deutsches Pubtreffen: Dominic Raab (li.) und Heiko Maas im Juli 2020 in Kent

          Neue britische Außenpolitik : Auf dem kurzen Dienstweg

          Nach dem Brexit sucht Großbritannien die Nähe zu Deutschland und Frankreich in der Außen- und Sicherheitspolitik. Das gefällt nicht jedem in der EU.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.