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Düstere Vorhersage des IWF : Die größte Krise seit der Großen Depression

Düstere Vorhersage: der IWF sagt eine Rezession für die Weltwirtschaft voraus. Bild: dpa

Wie schlimm sind die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie? Die Fachleute des Währungsfonds schlagen Alarm – und rechnen vor, dass gerade zwei große Länder deutlich besser durchkommen als etwa Amerika.

          3 Min.

          Die Coronavirus-Pandemie lässt die Weltwirtschaft in die tiefste Krise seit der Großen Depression abstürzen. Sogar die Finanzkrise verblasst dahinter. Das ist die Quintessenz der neuen Prognose des Internationalen Währungsfonds (IWF) für die Weltkonjunktur.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          In dem zum Auftakt der diesmal virtuellen Frühjahrstagung  von Währungsfonds und Weltbank veröffentlichten Ausblick sagen die IWF-Fachleute voraus, dass die Weltwirtschaftsleistung dieses Jahr um drei Prozent schrumpfen wird – 170 Länder verzeichnen der Prognose zufolge in diesem Jahr einen Einbruch. Der Ausblick ist allerdings zwangsläufig mit großen Unsicherheiten behaftet, was die Schwere und Dauer der Pandemie betrifft und die Frage, wie erfolgreich die Gesundheitspolitik und Wirtschaftspolitik sein werden. Ein wichtiger Bestimmungsfaktor ist, wie schnell es gelingt, einen geeigneten Impfstoff zu finden und zu verteilen.

          Für Deutschland rechnet der Fonds mit einem Minus von 7 Prozent in diesem Jahr und einem Wirtschaftswachstum von 5,2 Prozent im kommenden. Das entspricht dem  generellen Muster für fast alle Länder: Einem dramatischen Einbruch in diesem Jahr folgt ein Aufschwung im kommenden Jahr. So sieht der IWF die gesamte europäische Währungsunion im Jahr 2020 mit 7,5 Prozent im Minus, dem ein  Comeback mit plus 4,5 Prozent im kommenden Jahr folgt. Die Vereinigten Staaten erleben einen Einbruch von 5,9 Prozent in diesem Jahr, um im nächsten um 4,7 Prozent zuzulegen.

          Die Ausnahmen bilden in dem Ausblick  China und Indien, deren Wachstumsraten leicht positiv zwischen ein und zwei Prozent bleiben, um in nächsten Jahr auf  9,2 Prozent (China) und 7,4 Prozent (Indien) zu klettern. Die ärmsten Länder bleiben ebenfalls knapp positiv, was allerdings angesichts des Bevölkerungswachstums und der ungleichen Verteilung der Wachstumsgewinne in diesen Ländern aber zu Einbußen bei weiten Teilen der Bevölkerung führt.

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          Die Zahlen basieren auf einem optimistischen Szenario. Ihm liegt die Vorstellung zu Grunde, dass die Pandemie selbst und die damit verbundenen Einschränkungen im zweiten  Quartal des Jahres ihren Höhepunkt haben und in der zweiten Jahreshälfte nachlassen. Zudem unterstellt das Szenario, dass die umfassenden Finanzspritzen durch Regierungen und Zentralbanken in der ganzen Welt ausgereicht haben, um weitflächige Firmenzusammenbrüche, Massenarbeitslosigkeit und Finanzkrisen zu verhindern. 

          Selbst unter diesem Szenario gleicht die prognostizierte Erholung im Jahr 2021 die Verluste des Vorjahres indes nur teilweise aus. Die Weltwirtschaftsleistung vermindert sich in diesem Szenario  2020 und 2021 um neun Billionen Dollar – rein rechnerisch ist das  mehr als die Wirtschaftsleistung von Deutschland und Japan zusammengenommen.

          Die Vereinigten Staaten müssen selbst im Positiv-Szenario 2021 mit einer Arbeitslosenquote von 9,1 Prozent rechnen, die Eurozone mit 8,9 Prozent. Deutschland käme vergleichsweise glimpflich davon mit einer  Arbeitslosenquote von 3,5 Prozent.

          Gita Gopinath, die Chefvolkswirtin des Währungsfonds, stellt allerdings heraus, dass deutlich schlechtere Entwicklungen möglich und sogar wahrscheinlich seien. Die Bekämpfung könnte deutlich länger dauern, ein Wiederaufleben ist möglich.

          Der Währungsfonds drängt die Weltgemeinschaft eindringlich zur Zusammenarbeit, um die Ausbreitung des Virus zu stoppen und Impfmittel und Medikamente gegen die Krankheit zu entwickeln. Solange erfolgreiche Therapien nicht universell verfügbar seien, sei kein Land sicher vor der Pandemie oder ihrem möglichen  Wiederaufleben. Der Fonds forderte dazu auf, die Handelshemmnisse speziell für Medizin-Güter aufzuheben und armen Ländern mit schwachen Gesundheitssystemen mit Ausrüstung, medizinischer Expertise und Geldgeschenken oder zinslosen Krediten zu helfen. Gerade Ärzte und medizinisches Personal müssten finanziell abgesichert werden.

          Entwicklungsländer und Schwellenländer sind der Analyse zufolge mehrfach getroffen. Investoren ziehen ihr Geld  ab, um es sicher anzulegen. Viele dieser Länder hängen zu dem von Rohstoff-Exporten einschließlich Rohöl ab, deren Preise deutlich nach unten gegangen sind. Diese Länder brauchten vermutlich zusätzliche finanzielle Hilfe von reichen Ländern und multilateralen Institutionen, um sich zu stellen, dass das Gesundheitswesen  für die Pandemie gewappnet ist.

          Der IWF verweist darauf, dass sich seine finanzielle Feuerkraft auf eine Billion Dollar beschränkt. Für Notfall-Finanzierungen stünden allein 100 Milliarden Dollar bereit. Zudem werden arme Länder von ihren Kreditverpflichtungen gegenüber dem Währungsfonds befreit. Weltbank und IWF haben Kreditgeber aufgefordert, armen Ländern die Zahlungen zu stunden.

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