https://www.faz.net/-gqe-9wm48

Coronavirus : Volkskongress wird verschoben

  • Aktualisiert am

Xi Jinping, Chinas Staats- und Parteichef, beim Volkskongress des vergangenen Jahres. Archiv. Bild: dpa

China verschiebt den Volkskongress, Volkswagen den Beginn seiner Produktion, auch die Automesse in Peking wird später als geplant stattfinden. Die Chinesische Volksbank versucht, die Wirtschaft mit billigem Geld zu unterstützen.

          2 Min.

          Vor dem Hintergrund des Coronavirus plant China, den diesjährigen Volkskongress zu verschieben. Der Führungskreis des Ständigen Ausschusses ist nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua vom Montag der Ansicht, es sei notwendig, die Einberufung auf einen „angemessenen Zeitpunkt“ zu verschieben. Eine endgültige Entscheidung soll demnach in der kommenden Woche getroffen werden.

          Unter den fast 3.000 Abgeordneten im Nationalen Volkskongress seien viele, die derzeit an vorderster Front gegen die Epidemie mit dem neuartigen Coronavirus Sars-CoV-2 kämpfen. Dies habe derzeit „oberste Priorität“. Das wichtigste politische Treffen des Jahres findet eigentlich jedes Jahr ab dem 5. März in der Großen Halle des Volkes statt.

          Die um sich greifende Corona-Virusinfektion in China trifft auch die Wirtschaft des Landes immer stärker. Die für Ende April geplante Automesse in Peking werde verschoben, teilte der Veranstalter am Montag mit. Die Messe ist für die deutschen Autohersteller ein wichtiger Termin, weil China für Volkswagen, BMW oder Daimler der größte Einzelmarkt der Welt ist.

          Nach einer Umfrage der amerikanischen Handelskammer ist fast jedes zweite Unternehmen in den Regionen Schanghai, Suzhou, Nanjing und im Jangtse-Delta von Beeinträchtigungen durch fehlendes Personal im eigenen Betrieb oder bei Lieferanten betroffen. Befragt wurden von der American Chamber of Commerce (AmCham) gut 100 amerikanische Unternehmen. Knapp die Hälfte gab an, Betriebsschließungen in China hätten sich auf ihre globalen Lieferketten ausgewirkt. Arbeitskräfte fehlten, weil sie nicht reisen dürften oder unter Quarantäne stünden, erklärte AmCham-Präsident Ker Gibbs. „Das wird schwerwiegende Folgen für die globalen Lieferketten haben.“

          Virus verzögert Volkswagen-Produktion

          So verschob Volkswagen den Produktionsstart seines chinesischen Gemeinschaftsunternehmens mit dem Partner SAIC auf den 24. Februar. Eigentlich sollte der Betrieb am Montag anlaufen. Es gebe Probleme in den Lieferketten und der Logistik sowie nur begrenzte Reisemöglichkeiten für Mitarbeiter der Produktion, teilte Volkswagen am Montag in Peking mit.

          Die anderen VW-Werke, die mit First Automotive Works (FAW) betrieben werden, hätten zum Teil die Produktion wieder aufgenommen oder dürften „in den kommenden Tagen“ alle wieder laufen. Die Produktionsfähigkeit in jedem Werk werde einzeln überprüft, was zu unterschiedlichen Startzeiten führe, heißt es in der Mitteilung. Ohne den Ausbruch der Lungenkrankheit hätte die Produktion nach den Ferien über das chinesische Neujahrsfest am 3. Februar wieder begonnen.

          In ganz China sind Städte seit Ende Januar abgeriegelt, während im ganzen Land Reiseverbote und Quarantäne-Anordnungen erlassen wurden, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen. Die Hauptstadt Peking kündigte am Freitag eine 14-tägige Selbstquarantäne für alle an, die in die Stadt zurückkehren. Wer sich weigert, wird bestraft. Die Provinzregierung von Jiangxi hob jedoch die Quarantänebestimmungen für Mitarbeiter auf, die an ihren Arbeitsplatz zurückkehren, mit Ausnahme derer, die aus Hubei – dem Epizentrum des Virusausbruchs – oder anderen schwer betroffenen Gebieten kommen.

          Die Chinesische Volksbank geht weiter gegen die wirtschaftlichen Folge der Coronavirus-Krise vor. Dazu gab sie am Montag neues Zentralbankgeld zu einem niedrigeren Zinssatz an die Banken aus. Wie die Notenbank in Peking mitteilte, wurden Kredite für 200 Milliarden Yuan (rund 26 Milliarden Euro) mit einer Laufzeit von einem Jahr an die Geldhäuser ausgereicht.

          Weitere Themen

          Ein Code, sie alle zu finden

          Überwachung in China : Ein Code, sie alle zu finden

          Peking nutzt die Krise, um mit Kameras, Apps und Künstlicher Intelligenz das Volk noch stärker auszuspionieren als bisher. Das hat damit anscheinend kein Problem.

          Topmeldungen

          Schüler einer vierten Klasse sitzen zu Beginn des Unterrichts in Dresden auf ihren Plätzen.

          Im neuen Schuljahr : Welcher Lernstoff ist verzichtbar?

          Auch nach den Sommerferien wird der Unterricht anders sein als gewohnt. Drei Szenarien sind denkbar. Die Friedrich Ebert Stiftung schlägt nun vor, Prüfungs- und Lehrinhalte zu reduzieren. Streit ist programmiert.
          Streit mit der Bild-Zeitung: Virologe Christian Drosten

          „Bild“ gegen Drosten : Wahrheit im Corona-Style

          Die Kampagne gegen den Virologen Drosten ist sachlich unbegründet, niveaulos und niederträchtig. Sie richtet sich gegen die Wissenschaft. Und damit ist weder der Gesellschaft noch der Politik gedient.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.