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Großbritannien : 330 Milliarden Pfund Hilfskredite

Britanniens Finanzminister Rishi Sunak Bild: AP

Der britische Finanzminister kündigt im Kampf gegen die Corona-Krise ein großes Liquiditätspaket an. Tausende Pubbesitzer sind verzweifelt, weil Gäste wegbleiben.

          2 Min.

          Der britische Finanzminister Rishi Sunak hat ein „beispielloses Paket“ von staatlich garantierten Hilfsdarlehen für Unternehmen in Höhe von 330 Milliarden Pfund (rund 370 Milliarden Euro) zur Abfederung der Coronavirus-Krise angekündigt. „Jedes Unternehmen, das Cash braucht, um seine Mieten, Löhne oder Lieferanten zu bezahlen, kann darauf zugreifen zu attraktiven Konditionen“, sagte Sunak am Dienstagabend in London. Die Summe entspricht 15 Prozent der britischen Wirtschaftsleistung. Falls mehr gebraucht werde, stelle er noch mehr zur Verfügung. Das Geld soll eine Liquiditätskrise der wegen der Pandemie gebeutelten Unternehmen verhindern. Außerdem sollen allen Hypothenschuldnern drei Monatsraten gestundet werden.

          Philip Plickert

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Der Unternehmerverband Institute of Directors (IoD) reagierte erfreut auf Sunaks Ankündigung. „Das Versprechen des Schatzkanzlers, zu tun 'whatever it takes', ist genau die Botschaft, die Unternehmensführer gebraucht haben“, sagte IoD-Direktor Jonathan Geldart. Es müsse schnell gehandelt werden, bevor zu viel Schaden entstehe. Unterstützung für den Arbeitsmarkt und die Beschäftigten sei jetzt essentiell inmitten dieser „historischen Erschütterung“ der Wirtschaft.

          Auch Großbritannien nähert sich dem „Lockdown“ – der Schließung von Teilen der Wirtschaft im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus. Premierminister Boris Johnson hat, nach Kritik an dem anfangs zögerlichen Vorgehen, eine Kehrtwende vollzogen. Er forderte die Menschen auf, „nicht essentielle Kontakte und alle nicht essentiellen Reisen zu stoppen“. Die Bürger sollten von zu Hause aus arbeiten und Pubs, Klubs und Theater meiden. Für Gaststätten und Hotels, die ohnehin schon drastische Umsatzeinbußen erleiden, ist die Situation prekär. Sie können theoretisch weiter öffnen, nur bleiben die Kunden weg. Die Branche berichtet von Umsatzeinbußen bis zu 70 Prozent.

          Der Verband UK Hospitality schlug Alarm für die ganze Branche, die drei Millionen Menschen in Restaurants, Kneipen, Hotels, Tourismus- und Freizeiteinrichtungen beschäftigt. „Das ist katastrophal für die Unternehmen und die Jobs“, sagte Verbandschefin Kate Nicholls. „Die Regierung hat effektiv die Gastgewerbebranche geschlossen, ohne irgendeine Unterstützung“, sagte sie vor Sunaks Hilfsintervention. Tausende Unternehmen müssten bald dichtmachen, Hunderttausende Arbeitsplätze gingen verloren. Die Liquiditätshilfen könnten den Unternehmen nun helfen.

          Zuvor hatte die Regierung ein Paket mit 12 Milliarden Pfund zusätzlichen Ausgaben zur Abfederung der Krise beschlossen. Darin enthalten sind Steuererleichterungen, Hilfskredite für kleine und mittlere Unternehmen und gesetzliches Krankengeld für Betroffene.

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