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Gesundheitsämter am Limit : Eine Seuche bekämpft man nicht mit dem Fax

Kontaktverfolgung im Gesundheitsamt Mitte. Dort arbeitet man inzwischen auch mit Sormas Bild: dpa

Die dürftige digitale Ausstattung der Gesundheitsämter blockiert die Bekämpfung der Corona-Pandemie. Jetzt soll sich das endlich ändern.

          4 Min.

          Am vergangenen Nikolaus-Sonntag sorgte Bayern für eine digitale Revolution, die zwischen Glühweinverbot und Ausgangsbeschränkungen ein wenig mehr Aufmerksamkeit verdient hätte. Denn in den Beschlüssen des Ministerrats zur Eindämmung der Corona-Pandemie findet sich in Punkt 9 zunächst eine eher hilflose Feststellung: „Der Ministerrat betont nochmals ausdrücklich die Pflicht der Gesundheitsämter jedes Landkreises oder kreisfreien Stadt, eine vollständige Nachverfolgung von Infektionsketten sicherzustellen“ – ganz so, als hätten die Mitarbeiter bisher ihre Zeit am künftig verbotenen Glühweinstand vertrödelt. Doch der ernüchternde Befund wird flankiert von einer klaren, geradezu revolutionären Anweisung: „Die Gesundheitsämter werden verpflichtet, umgehend bayernweit einheitlich das digitale Programm ,Sormas‘ zum Pandemiemanagement und zur Kontaktnachverfolgung zu verwenden.“

          Corinna Budras
          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Bislang, das muss man wissen, ist von Einheitlichkeit keine Spur, auch nicht neun Monate nach Ausbruch der Pandemie. Jedes Gesundheitsamt, und davon gibt es in Deutschland rund 400, arbeitet auf seine Weise. Für Bayern wurde immerhin ein eigenes Programm erstellt, andere Gesundheitsämter haben sich ihre digitale Infrastruktur in Eigenregie angeschafft. Insgesamt ist das System lückenhaft, weil es keinen Austausch zwischen den Gesundheitsämtern untereinander, aber auch mit anderen Behörden gibt und kaum ein Schritt in der mühseligen Verfolgung von Kontakten automatisiert erfolgt. Das führt zu Ineffizienzen, mitunter sogar zu doppelten Eingaben, auf die die Mitarbeiter dankend verzichten könnten.

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