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Medikament für Corona-Therapie : Amerika kauft offenbar Remdesivir-Bestände auf

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Das Bundesgesundheitsministerium erwartet derweil „noch in dieser Woche" die Zulassung des Medikaments Bild: EPA

Die amerikanische Regierung soll sich einen Vorrat an dem Corona lindernden Medikament gesichert haben. Das deutsche Bundesgesundheitsministerium erwartet diese Woche die EU-Zulassung des Wirkstoffs. Liefersorgen gebe es nicht.

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          Die amerikanische Regierung soll offenbar die Bestände von Remdesivir für die nächsten drei Monate aufgekauft haben. Das berichtete die britische Zeitung „The Guardian“. Erst vor wenigen Tagen hatte die Europäische Arzneimittel-Agentur EMA eine Zulassung für das Mittel mit dem Handelsnamen Veklury unter Auflagen auch in Europa empfohlen.

          Eine internationale Studie mit über 1000 Teilnehmern hatte Ende April gezeigt, dass Remdesivir bei Covid-19-Patienten die Zeit bis zu einer Genesung im Schnitt um vier Tage verkürzen kann – von 15 auf 11 Tage. Die Sterblichkeit ging in der Untersuchung geringfügig zurück, was statistisch jedoch nicht signifikant war.

          „Wir wollen, soweit es geht, sicherstellen, dass jeder amerikanische Patient, der Remdesivir benötigt, es auch bekommt", sagte der amerikanische Gesundheitsminister Alex Azar der britischen Tageszeitung. Die amerikanische Regierung soll demnach über 500.000 Dosen gekauft haben. Das entspricht der gesamten Produktion des amerikanischen Biotech-Unternehmens Gilead Sciences für Juli und rund 90 Prozent der Produktion für August und September.

          Das Bundesgesundheitsministerium erwartet „noch in dieser Woche" die Zulassung des Medikaments für die Behandlung von Covid-19-Patienten in der EU. „Mit der Zulassung ist die Verpflichtung verbunden, auch in angemessenem Umfang liefern zu können. Wir gehen davon aus, dass Gilead dieser Verpflichtung auch nachkommt", sagte ein Sprecher des Ministeriums am Mittwoch in Berlin.  „Der Bund hat sich frühzeitig Remdesivir für die Therapie von Corona-Patienten gesichert", fügte der Sprecher hinzu. „Momentan gibt es noch genug Reserven.“

          Behandlungskosten

          Am Montag hatte Gilead Sciences den Preis für den Wirkstoff Remdesivir für den amerikanischen Markt festgelegt. Eine fünftägige Behandlung mit Remdesivir werde bei Bestellung durch die Regierung 2340 Dollar (etwa 2000 Euro) pro Patient kosten, schrieb Gilead-Chef Daniel O’Day am Montag in einem offenen Brief. Dieser Nettobetrag sei auch für Deutschland geplant, sagte der Sprecher von Gilead Sciences in Deutschland, Martin Flörkemeier, am Dienstag. Derzeit sei Remdesivir als reines Krankenhausprodukt gedacht. Das System sehe keine unterschiedlichen Preise für gesetzliche und private Kassen vor.

          In Amerika ist der Preis für private Krankenversicherungen laut O’Day hingegen etwa um ein Drittel höher. Bei diesen Preisen hätten seiner Einschätzung nach alle Menschen Zugang zu dem Wirkstoff. Für bedürftigere Länder werde es generische Versionen des Medikaments mit geringerem Preis geben.

          Amerika hatte bereits Anfang Mai eine Ausnahmegenehmigung für den begrenzten Einsatz des Wirkstoffes in Krankenhäusern erteilt. Auch in Deutschland war das Mittel bislang schon innerhalb eines Arzneimittel-Härtefallprogrammes zugänglich und wird in klinischen Studien getestet. Remdesivir wurde ursprünglich zur Behandlung von Ebola entwickelt, zeigte aber eine zu geringe Wirkung. Es ist bislang in keinem Land der Welt uneingeschränkt als Medikament zugelassen. Bislang gibt es keine Impfung gegen das neuartige Coronavirus und auch keine zuverlässige zugelassene medikamentöse Therapie.

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