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Coronavirus : Australien zieht Mauern gegen China hoch

Straßenbild aus Sydney Bild: AFP

Die australische Regierung verschärft den Zugang für ausländische Investoren. Dort gibt es Berichte über den umfangreichen Transport von Masken und Desinfektionsmittel nach China. Auch in asiatischen Ländern wächst die Angst vor Peking.

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          Australien reagiert auf Chinas Versuch, von der Corona-Krise zu profitieren: Schatzkanzler Josh Frydenberg untersagte praktisch jegliche Übernahmen aus dem Ausland auf unbestimmte Zeit. Zuvor war aufgefallen, dass zwei chinesische Unternehmen in Australien in größerem Stil lebensrettende Hilfsgüter wie Masken und Schutzkleidung in Australien aufkauften und nach China verschifften. Zugleich schwillt die Debatte darüber an, in wie weit Peking strategische Vorteile aus der Krise schlagen könnte.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Frydenberg sagte, jeder Kauf eines Unternehmens müsse ab sofort vom Rat zur Überprüfung von Investitionen aus dem Ausland (FIRB) und damit letztlich von ihm selber genehmigt werden. Zuvor galten abgestufte Hürden je nach dem Gewicht der Branchen. Private Investoren durften sogar im „sensitiven Bereich“ für bis zu 275 Millionen Australische Dollar (152 Millionen Euro) einkaufen, bevor eine Prüfung einsetzte. „Diese Maßnahmen sind notwendig, um unser nationales Interesse zu schützen, weil der Ausbruch des Coronavirus enormen Druck auf die australische Wirtschaft und die australischen Firmen ausübt“, sagte Frydenberg. Er betonte zugleich, Australien werde aber grundsätzlich offen bleiben.

          82 Tonnen Material nach China gebracht

          Die Öffentlichkeit ist teilweise aufgebracht, seit die Käufe zweier chinesischer Immobilienentwickler in Australien ans Tageslicht kamen: Die Mitarbeiter von Greenland Australia und Risland Australia kauften mehr als 100 Tonnen Masken, Fieberthermometer, Handschuhe oder Desinfektionsspray und die von Indien mit einem Ausfuhrbann belegten Schmerztabletten Panadol in Australien auf und verschifften sie in die Volksrepublik. In australischen Geschäften sind die Produkte seit Wochen praktisch nicht zu kaufen. Risland Australia selber teilte mit, unter anderem 900.000 Paar medizinischer Handschuhe und 100.000 medizinische Overalls, insgesamt 82 Tonnen Material, mit einem gecharterten Frachtflugzeug von Sydney aus nach China geflogen zu haben. Die australische Gesellschaft reagiert überaus sensibel, weil Chinesen etwa auch in großem Stil seit Jahren Babymilch in Australien aufkaufen, um sie mit sehr hohen Margen in ihrem Heimatland weiterzuverkaufen.

          Die Sorge um Chinas Auftritt wächst in ganz Asien: In Sri Lanka, das Peking in eine Schuldenfalle getrieben hatte, gewährt China großzügig neue Kredite. In Indien gibt es in sozialen Medien einen Sturm gegen die „Verursacher des China-Virus“. Selbst in Singapur wird über eine neue „Sinophobie“ Festlandchina gegenüber diskutiert, obwohl 75 Prozent der Menschen im Stadtstaat chinesische Wurzeln haben. Ministerpräsident Lee Hsien Loong warnte in einem Fernsehinterview mit Blick auf Chinas Verdunklungstaktik während des Ausbruchs des Virus: „Ich bin sicher, dass es eine Menge Aspekte bei der chinesischen Antwort auf den Ausbruch gibt, auf die sie noch einmal schauen werden und dann erkennen, dass sie sie hätten besser hinbekommen können.“

          Der frühere australische Ministerpräsident Tony Abbott wurde noch direkter: „Das ist das wirkliche ,China-Virus': Nicht die Abkühlung, die aus dem Markt in Wuhan um die Welt zieht, sondern die Über-Abhängigkeit von nur einem Land. Nicht nur für Billig-Güter, sondern für einen großen Teil unserer Lieferketten. Hier lag unsere tiefste Selbstzufriedenheit: Wir haben unsere langfristige nationale Sicherheit für den kurzfristigen wirtschaftlichen Gewinn eingehandelt; Fundamentales für Unwichtiges gegeben.“

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