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Wirtschaft und Virusvariante : Ein harter Schlag für Südafrika

  • -Aktualisiert am

Drei Besucher eines Einkaufszentrums in Johannesburg Bild: AP

Für Südafrika ist es ein Balanceakt: Bei einem neuen harten Lockdown drohen Unruhen, eine Impfpflicht lässt sich aber nur schwer einführen. Doch mancher wundert sich über die Wucht der internationalen Reaktionen.

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          Aus ist der Traum eines südafrikanischen Sommermärchens. In Südafrika hatte sich die Tourismusbranche gerade auf die Hauptreisesaison vorbereitet. Reisebüros, Hotels, Fluggesellschaften hatten gehofft, die enormen Einbußen zumindest teilweise wettzumachen. Auch Touristen aus Europa hegten die Hoffnung auf einen entspannten Ur­laub bei niedrigen Infektionsraten. Jeden Tag kamen bis auf den letzten Platz besetzte Ferienflieger an.

          Doch jetzt hat die Virusvariante B.1.1.529 allen quasi über Nacht einen Strich durch die Rechnung gemacht. So schnell wie nie zuvor verhängten Großbritannien und Israel Reisestopps, binnen Stunden zog die Bundesregierung nach.

          Wundern über die Wucht der Reaktionen

          Südafrika steht wieder auf der Liste der Varianten­länder, auf der es bis Juli schon wegen der dort identifizierten Beta-Variante gestanden hatte. Alle Reiserückkehrer müssen sich 14 Tage in Quarantäne begeben, auch geimpfte. Faktisch handelt es sich um ein Einreiseverbot.

          Für die Wirtschaft des Landes ist dies womöglich ein härterer Schlag als die befürchteten Lockdown-Regeln im eigenen Land. Nicht nur der Tourismus kommt zum Erliegen, auch Investoren, Geschäftsleute, Fachkräfte werden eine Reise scheuen.

          Hinzu kommt die Unsicherheit, wie lange die Isolation dauert. „Einmal auf der Liste, im­mer auf der Liste“, hatten viele ge­stöhnt, als Südafrika noch als Virus­variantenland eingestuft wurde, ob­wohl die Beta-Variante kaum noch ei­ne Rolle gespielt hatte.

          Die südafrikanische Regierung muss einen Balanceakt hinbekommen. Ein harter Lockdown ist das Letzte, was der Wirtschaft nach der bis­herigen Pandemie, regelmäßigen Stromabschaltungen und einer politisch angefachten Plünderungswelle im Juli noch fehlt. Die Sorge vor neuen Unruhen schwelt.

          Eine Impfpflicht, wie jetzt von der Wirtschaft gefordert, wird sich auch nur schwer einfüh­ren lassen. Zu groß sind die Widerstände in der Regierungspartei und in der Be­völkerung. Nur etwas mehr als ein Drit­tel der Erwachsenen ist bisher ge­impft. Bei einer Sieben-Tage-Inzi­denz von derzeit 42 und sommerlichen Tem­peraturen wundert sich aber vor allem so mancher über die Wucht der Reaktionen aus den entwickelten Ländern.

          Claudia Bröll
          Freie Afrika-Korrespondentin mit Sitz in Kapstadt.

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