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Hochhäuser in Frankfurt : Corona-Stau am Banker-Aufzug

Bild: dpa

In den Frankfurter Bankentürmen beginnt die Rückkehr der Mitarbeiter aus dem Home Office. Ein Problem dabei sind die Aufzüge: Was tun, damit die unvermeidliche Fahrt im Lift nicht zur Corona-Party wird?

          3 Min.

          Das Problem ist gewissermaßen unübersehbar: In Frankfurts Zentrum drängen sich die Hochhäuser. Keine andere deutsche Stadt hat eine solch imposante Skyline zu bieten wie das Finanzzentrum am Main. Genau das aber könnte in Zeiten von Corona zum Problem werden, jetzt, da viele Banken sich allmählich auf den Rückweg aus dem Homeoffice zu einem normalen Büroalltag machen.

          Marcus Theurer

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Denn wer im Hochhaus arbeitet, der nutzt in der Regel tagein, tagaus den Aufzug, und Fahrstühle sind nun mal nicht für Pandemien gemacht. Wer sich in engen Räumen unwohl fühlt, für den ist der Lift auch schon ohne Virenalarm ein eher unangenehmer Ort. Doch in diesen Zeiten könnte die Fahrstuhlkabine für alle zum Problem werden, schließlich droht man dort den lieben Kollegen näher zu kommen, als es aus Gründen des Gesundheitsschutzes angezeigt wäre. Es braucht also ein Krisenmanagement für den Aufzug, um den viralen Sicherheitsabstand zum Nebenmann sicherzustellen.

          Man darf davon ausgehen, dass sich mit diesem Thema in den vergangenen Wochen in Frankfurt zahlreiche Personalmanager befasst haben. Schließlich gibt es in „Mainhattan“ gut drei Dutzend Gebäude mit mindestens 100 Meter Höhe. 17 der 20 höchsten Gebäude im Land stehen hier. In den Bürotürmen sind Heerscharen von Mitarbeitern untergebracht. In der Zentrale der Commerzbank am Kaiserplatz etwa gehen in normalen Zeiten 3000 Mitarbeiter ihrem Tagwerk nach. Der einst von Norman Foster entworfene Turm ist mit einer Höhe von gut 260 Metern der höchste unter den Frankfurter Wolkenkratzern, und ohne Lift wäre das Arbeitsleben, angesichts von insgesamt 50 Stockwerken, ziemlich beschwerlich.

          Die Konkurrenz hat es auch nicht leichter: In den beiden Türmen der DZ-Bank-Zentrale am westlichen Ende des Bankenviertels arbeiten – einschließlich eines niedrigeren Gebäudes in der Mitte – eigentlich 3300 Menschen. Der höhere Turm hat ebenfalls 50 Etagen. In den beiden Zwillingstürmen der Deutschen Bank an der Taunusanlage wiederum sind für gewöhnlich 2500 Banker auf 38 Stockwerken untergebracht. Die Reihe ließe sich fortsetzen.

          „Aufzugengpass ist zwangsläufig“ 

          Was also tun, damit die Fahrt im Lift nicht zur Corona-Party wird? „Aufzüge sind in Hochhäusern wegen Covid-19 zwangsläufig ein Engpassfaktor“, sagt ein Sprecher der Deutschen Bank. Deshalb ist in jeder der insgesamt 20 Aufzugskabinen in der Konzernzentrale von Deutschlands größtem Geldhaus neuerdings diagonal von Ecke zu Ecke ein Klebestreifen angebracht. Die Demarkationslinie teilt den begrenzten Luftraum im Lift in zwei Hälften. Wo normalerweise problemlos ein Dutzend Banker Platz haben, dürfen nun maximal zwei Personen einsteigen, damit die sich auf dem Weg an den Schreibtisch oder in die Kantine nicht ungesund nahe kommen.

          Am wenigsten dürfte die Konzernführung um Bankchef Christian Sewing von der Corona-Rationierung der Aufzugfahrten mitbekommen. Die Vorstandsriege der Deutschen Bank hat ganz standesgemäß nicht nur einen eigenen Eingang zum Gebäude, sondern auch separate Lifts. Um die Sicherheit der Spitzenmanager zu gewährleisten, wie es bei dem Institut heißt.

          Nur noch zwei Leute je Fahrt – so hält das angesichts der Covid-19-Bedrohung auch die DZ-Bank. Nur dass in der Zentrale des Spitzeninstituts der deutschen Genossenschaftsbanken der Klebestreifen am Boden der Lifts fehlt. „Wir gehen davon aus, dass die Leute vernünftig sind und auch so Abstand wahren“, sagt ein Sprecher. Im Commerzbank-Turm wiederum gibt es nach Angaben der Bank keine offizielle Begrenzung der Fahrgastzahl. Man lässt es vielmehr bei Hinweisschildern bewenden, die daran erinnern, auch im Lift auf den vorgeschriebenen Mindestabstand zu achten.

          Noch sind viele Banker im Home Office

          Ein Umstand freilich sorgt beim Frankfurter Aufzug-Engpass derzeit für Entlastung: Die Wiederbesiedlung der Bankentürme nach zwei Monaten Shutdown steht noch ganz am Anfang, und sie wird wohl geraume Zeit dauern. Das macht es erst einmal einfacher, mit den verknappten Liftkapazitäten zurechtzukommen. Sehr viele Beschäftigte arbeiten nach wie vor von daheim aus. Beispiel Goldman Sachs: Die rund 300 Frankfurter Mitarbeiter der amerikanischen Investmentbank um Deutschland-Chef Wolfgang Fink residieren seit dem vergangenen Herbst weit oben im neuen Marienturm, schräg gegenüber der Deutschen Bank – auf achteinhalb Etagen, einschließlich Dachterrasse.

          Doch ihre schicken Büros haben die allermeisten Goldmänner dieses Frühjahr praktisch nicht gesehen, und da geht es ihnen genauso wie ihren Kollegen in London, New York und anderswo. 98 Prozent aller Mitarbeiter rund um den Globus hätten während des Corona-Shutdowns von zu Hause gearbeitet, schrieb Goldman-Sachs-Chef David Solomon kürzlich in einem Mitarbeiter-Rundbrief. Jetzt werde eine „maßvolle Rückkehr ins Büro“ unter Wahrung strikter Abstandsregeln ins Auge gefasst, kündigte der Amerikaner an. Wie das in Frankfurt konkret aussehen wird, wollte ein Sprecherin auf Anfrage nicht sagen. Doch eilig hat man es nicht mit der Rückkehr zum Büroalltag in den oberen Stockwerken des Marienturms.

          Auch bei anderen Banken arbeitet die große Mehrheit noch im Homeoffice. In der Zentrale der DZ-Bank tun das bislang noch neun von zehn Mitarbeitern. Nächste Woche wollen die Genossenschaftsbanker die Corona-Schutzmaßnahmen lockern und auf freiwilliger Basis wieder mehr Mitarbeitern den Wiedereinzug in die Bürotürme ermöglichen. Aber mehr als ein Viertel der Belegschaft soll vorerst nicht zurückkehren. Es gebe ja keinen Zeitdruck, sagt ein Sprecher des Instituts, weil der Bankbetrieb auch so gut funktioniere. Und vor den Aufzügen bilden sich dann, trotz der Beschränkungen, hoffentlich auch keine Warteschlangen.

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