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Anfangsverdacht : PR-Kontrollorgan untersucht Heinsberg-Studie

Armin Laschet (CDU,r) , Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, und Hendrik Streeck (l), Direktor des Instituts für Virologie an der Uniklinik in Bonn, auf dem Weg zur Pressekonferenz Bild: dpa

Eine Agentur hat für die Heinsberg-Studie die Social-Media-Arbeit gemacht. Ob das transparent genug war, prüft jetzt ein Ethikrat. Die Agentur verteidigt sich – und sorgt damit für Verwunderung und Gelächter.

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          Die Aufregung ist groß: Die Social-Media-Agentur Storymachine, gegründet unter anderen vom ehemaligen Chefredakteur der „Bild“-Zeitung Kai Diekmann, verbreitet auf Twitter und Facebook unter dem Titel „Heinsberg-Protokoll“ eine Studie, die in der Gemeinde Gangelt im Kreis Heinsberg die Ausbreitung des Coronavirus untersucht. Im Raum steht der Vorwurf, diese diene mehr der Politik, konkret dem nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Armin Laschet (CDU), denn der Wissenschaft.

          Gustav Theile
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Auch der Deutsche Rat für Public Relations (DRPR), Selbstkontrollorgan der PR-Branche, hat einen Anfangsverdacht gegen die PR-Arbeit rund um die Heinsberg-Studie und deshalb am Donnerstag ein Prüfverfahren eröffnet. „Hier geht es um Transparenz“, sagt Lars Rademacher der F.A.Z. Er ist DRPR-Vorsitzender und Professor für PR an der Hochschule Darmstadt. Man überprüfe, ob der Absender kenntlich gemacht worden sei.

          Verteidigung sorgt für Gelächter

          „Es war möglicherweise nicht klar, wer finanziell dahinter steckt. Die machen das ja im Allgemeinen nicht aus altruistischem Antrieb“, sagt er zu dem Prüfvorgang, an dessen Ende eine Rüge für Storymachine stehen könnte, wie bei etwa jedem zweiten Prüfverfahren. Die Rügen sollten berufsethische Normen aufrecht erhalten, hätten jedoch keine juristischen Folgen, betont Rademacher.

          Kai Diekmann
          Kai Diekmann : Bild: dpa

          Storymachine verteidigt sich mit Verweis auf die Twitter- und Facebook-Konten. „Die Umsetzung des Heinsberg-Protokolls ist in keinster Weise zu beanstanden. Die Begleitung durch Storymachine wurde selbstverständlich im Impressum auf Facebook und entsprechenden Postings auf Twitter von Tag eins an dokumentiert“, erklärt Storymachine-Geschäftsführer und -Mitgründer und ehemaliger „Stern.de“-Chefredakteur Philipp Jessen auf F.A.Z.-Anfrage. Am 6. April, dem Tag, an dem die Konten online gingen, wurde dort tatsächlich der Satz veröffentlicht: „Die Dokumentation wird von der Storymachine GmbH durchgeführt.“

          Philipp Jessen
          Philipp Jessen : Bild: Picture-Alliance

          Jessen verweist zudem auf ein Gespräch mit dem Branchendienst „Meedia“, in dem er die Storymachine-Beteiligung öffentlich gemacht und auch auf Geldgeber hingewiesen habe. Insgesamt hätten zwei Unternehmen, die haben helfen wollen, 30.000 Euro beigetragen. Die Kosten für Storymachine seien deutlich höher gewesen.

          Gegenüber „PR Report“, einem Branchenmagazin, verteidigt Storymachine-Anwalt Christian Schertz seine Mandanten zudem mit dem Verweis, „dass es sich bei meiner Mandantschaft nicht um eine PR-Agentur handelt.“ Eine Position, auf die verschiedene PR-Fachleute mit Verwunderung und Gelächter reagieren. Rademacher verweist zudem darauf, dass sich Storymachine-Gründer Diekmann im August noch über eine Nominierung als PR-Agentur des Jahres gefreut habe.

          Kritisiert wurden die Studie und die PR-Arbeit vor allem, weil der Eindruck entstand, sie solle den nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Armin Laschet politisch stützen, der CDU-Vorsitzender werden will. Anlass dazu gibt einerseits, dass die ersten Ergebnisse am vergangenen Donnerstag, recht früh nach Studienbeginn, in einer Pressekonferenz präsentiert wurden und damit so, dass sie die Entscheidung über eine Lockerung der Corona-Maßnahmen am Mittwoch dieser Woche beeinflussen konnte.

          Michael Mronz
          Michael Mronz : Bild: dpa

          Anderseits ist Michael Mronz neben Jessen und Diekmann der dritte Gründer der Agentur. Der Witwer Guido Westerwelles ist Event-Unternehmer und wirbt mit Laschet dafür, die Olympischen Spiele 2032 in die Ruhrregion zu holen. Gleichzeitig ist er eigenen Angaben zufolge seit langem mit dem Studienleiter Hendrik Streeck, Direktor des Instituts für Virologie des Universitätsklinikums Bonn, privat bekannt. Streeck habe geklagt, das öffentliche Kommunizieren brauche zu viel Zeit. Daraufhin habe er ihm Hilfe angeboten.

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