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80.000 Arbeiter bis Ende Mai : Erntehelfer sollen doch einreisen dürfen

  • -Aktualisiert am

Landwirt Klaus Bauerle auf einem Spargelfeld. Im Hintergrund arbeiten Erntehelfer. Bild: dpa

Kehrtwende der Bundesregierung: Unter Auflagen dürfen doch Erntehelfer aus Osteuropa einreisen. Im April und im Mai sollen jeweils 40.000 Saisonarbeiter kommen. So sollen Ernteausfälle verhindert werden.

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          Gut eine Woche ist es her, dass Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) überraschend einen Einreisestopp für Saisonarbeitskräfte in der Landwirtschaft verhängte. Nun folgt, nach Protesten aus der Bauernschaft und von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU), die Kehrtwende: Die für die Feldarbeit und die anstehenden Ernten so wichtigen Arbeitskräfte vor allem aus Osteuropa dürfen nun doch kommen – unter strengen Auflagen.

          Julia Löhr
          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          In den Monaten April und Mai dürfen jeweils 40.000 Saisonarbeitskräfte nach Deutschland einreisen, verkündete Klöckner am Donnerstag in Berlin. Die Mitarbeiter sollen dabei ausschließlich mit dem Flugzeug nach Deutschland kommen, es werde keine „stundenlangen Busfahrten“ geben, so Klöckner. An den noch zu definierenden Flughäfen sollen die Menschen einem standardisierten Gesundheitscheck unterzogen und dann von den Landwirten zu den Höfen gebracht werden. Diese dürfen die Neuankömmlinge zwei Wochen lang nicht verlassen. Es handele sich um eine „faktische Quarantäne bei gleichzeitiger Arbeitsmöglichkeit“, so die Ministerin.

          Die Zeit für eine entsprechende Regelung drängte. In der Zeit zwischen April und Oktober arbeiten üblicherweise rund 300.000 Saisonarbeitskräfte aus dem Ausland auf Deutschlands Feldern. Sie erledigen jene Arbeiten, für die sich nur wenige Deutsche dauerhaft begeistern können: Setzlinge pflanzen, die Felder pflegen, Obst und Gemüse ernten. Als Erstes steht jetzt die Spargel- und die Erdbeerernte an. Die meisten Saisonarbeitskräfte kommen aus Osteuropa, es handelt sich vor allem um Polen, Rumänen und Bulgaren.

          Gestörte Lieferketten

          Zwar haben das Landwirtschaftsministerium und der Maschinenring, eine Vereinigung von Landwirten, die Plattform „Das Land hilft“ ins Leben gerufen. Dort können sich Freiwillige für die Feldarbeit melden. Mehr als 40.000 Menschen haben dies bislang schon getan. Allerdings hatte Bauernpräsident Joachim Rukwied immer wieder betont, allein mit Aushilfen ließe sich die Arbeit nicht stemmen, die eingearbeiteten Kräfte würden dringend benötigt. Oft kommen sie schon seit Jahren auf die Höfe; die Landwirte müssen sie anders als die Aushilfen nicht mehr anlernen.

          Rund 20.000 Saisonarbeiter waren nach Angaben von Klöckner schon vor dem Einreisestopp nach Deutschland gekommen. „Das reicht aber bei weitem nicht“, sagte sie. Bis Ende Mai würden 100.000 Saisonarbeiter in der Landwirtschaft benötigt. Zusätzlich zu den jeweils 40.000 Ausländern sollen im April und Mai auch je 10.000 Arbeitskräfte „aus dem großen Potential der verschiedenen Personengruppen im Inland (Arbeitslose, Studierende, Asylbewerber, Kurzarbeiter)“ gewonnen werden, heißt in der Vereinbarung der Ministerien.

          Die EU-Kommission hatte Anfang der Woche explizit offene Grenzen für Erntehelfer und Saisonarbeitskräfte in der Europäischen Union gefordert und sich damit gegen die Position von Seehofer gestellt. Da die Lieferketten für Lebensmittel innerhalb Europas gestört sind, kommt der Versorgung mit heimischen Lebensmitteln derzeit eine besondere Bedeutung zu.

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