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125 Millionen Arbeitslose : Pandemie vernichtet mehr Jobs als befürchtet

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Mitarbeiterinnen eines Werks in Tschechien tragen Atemschutzmasken zum Schutz vor dem Coronavirus. Bild: dpa

Die Corona-Krise wirkt sich laut den Vereinten Nationen noch verheerender auf die Arbeitsmärkte aus als bislang befürchtet. Im laufenden Jahr verursache die Krise global den Wegfall von rund 125 Millionen Vollzeit-Jobs.

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          Die Corona-Pandemie belastet die Arbeitsmärkte nach einer Analyse der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) weltweit stärker als bislang gedacht. Die Konjunkturerholung sei ungleich verteilt, und das liege an den ungleichen Impfraten und finanziellen Möglichkeiten der Regierungen, sagte ILO-Chef Guy Ryder am Mittwoch in Genf. „Wir hatten in diesem Jahr mit einer langsamen, aber anhaltenden Erholung gerechnet. Dieser relative Optimismus ist geschwunden“, sagte er.

          2021 werde die Zahl der Arbeitsstunden global 4,3 Prozent unter dem Vor-Pandemie-Niveau liegen, das entspreche 125 Millionen weniger Vollzeitstellen, so die ILO. Im Juni war sie noch von minus 3,5 Prozent oder 100 Millionen weniger Vollzeitstellen ausgegangen. Die starken Jobverluste seien vor allem in armen Ländern zu beobachten. Diese könnten ihre Bevölkerungen nicht in ausreichendem Maße gegen Covid-19 impfen, und sie verfügten nicht über die nötige finanzpolitische Kraft, um ihre Volkswirtschaften anzukurbeln.

          Schon vor der Pandemie waren nach ILO-Angaben fast eine halbe Milliarde Menschen weltweit arbeitslos oder ohne ausreichende Arbeit. Jedes Jahr drängen Millionen junge Leute neu auf den Arbeitsmarkt. Die Pandemie habe die Ungleichheit zwischen den Ländern und innerhalb der Länder noch verstärkt, sagte Ryder. Reichere Länder hätten die Wirtschaft mit Steueranreizen und anderen Mitteln besser auffangen können als ärmere. Innerhalb der Länder hätten kleinere Firmen und geringer qualifizierte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer am stärksten unter der Pandemie gelitten.

          Appell an Industriestaaten

          Ryder warnte davor, es zuzulassen, dass sich die Ungleichheit weiter verschärft. Die Regierungen müssten dies mit finanzieller und technischer Hilfe abwenden. Er appellierte an reiche Länder, dafür zu sorgen, dass in den ärmeren Ländern mehr geimpft werden kann.

          Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) moniert, dass reiche Länder Impfstoffe für Auffrischimpfungen horten, während in armen Ländern selbst Personal im Gesundheitsbereich mangels Impfstoff noch auf die erste Impfung wartet.

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