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Schutz vor Corona : Mehr Sonderzüge für Weihnachten

So sieht man das als Fahrgast derzeit gerne: leere Sitze im ICE Bild: dpa

Die Bahn rechnet in diesem Jahr mit 60 Prozent weniger Reisenden an Weihnachten als in normalen Jahren. Trotzdem sollen über die Feiertage zusätzliche Sonderzüge fahren.

          3 Min.

          Weihnachten ist eigentlich das halbe Land auf den Beinen, auf dem Weg „nach Hause“. Doch in diesem Jahr rechnet die Deutsche Bahn mit einem deutlich geringeren Ansturm der Fahrgäste. Um das Reisen in Corona-Zeiten so sicher wie möglich zu machen, wird sie aber die Zahl ihrer Sonderzüge trotzdem verdoppeln. „Auf allen Hauptachsen werden wir zwischen dem 18. und dem 27. Dezember rund 100 Sonderzüge einsetzen, um den Reisenden möglichst viel Platz zu bieten“, sagte der Personenverkehrsvorstand Berthold Huber am Mittwoch in einer Telefonkonferenz.

          Kerstin Schwenn

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          An jedem Tag sollen zehn Sonderzüge zusätzlich fahren; damit steigt die Zahl der Sitzplätze an den Feiertagen um 8000 täglich. Möglich wird die Ausweitung der Kapazitäten erst dadurch, dass die Bahn zum Fahrplanwechsel am 13. Dezember 15 neue ICE in Betrieb nimmt. Unabhängig von Corona baut die Bahn den Fahrplan noch einmal aus. So sind zwischen Berlin und Hamburg von Mitte Dezember an die Züge erstmals im Halbstundentakt unterwegs.

          Wer über Weihnachten wegfahren will, kann für einige Sonderzüge schon jetzt eine Fahrkarte kaufen. Die übrigen Züge werden gerade schrittweise in die Buchungssysteme eingearbeitet und sind voraussichtlich vom 8. Dezember an zu buchen. Die DB empfiehlt, die Auslastungsanzeige auf der Internetseite bahn.de und in der App DB Navigator für die Auswahl weniger beliebter Züge zu nutzen und eine Sitzplatzreservierung zu kaufen.

          „99 Prozent der Reisenden halten sich an die Maskenpflicht“

          Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla kündigte an, die Bahn werde mit der Bundespolizei die Kontrollen zur Einhaltung der Maskenpflicht verdoppeln. In etwa der Hälfte der ICE- und IC-Züge werde Sicherheitspersonal an Bord sein. Pofalla und Huber betonten: „99 Prozent der Reisenden halten sich an die Maskenpflicht.“

          In Anbetracht der aktuellen Buchungen rechnet die Bahn damit, dass in diesem Jahr über die Feiertage 60 Prozent weniger Reisende als 2019 unterwegs sein werden. Nach den jüngsten Bund-Länder-Vorgaben hat die Bahn die Reservierbarkeit von Sitzplätzen schon Ende vergangener Woche eingeschränkt. Seither können nur noch 60 Prozent der Sitze im Fernverkehr reserviert werden. Ist diese Quote erreicht, wird der Zug im Buchungssystem für weitere Reservierungen gesperrt. Zwar ist damit nicht garantiert, dass der Nebenplatz in jedem Fall frei bleibt, da Reisende weiterhin nicht reservieren müssen. Huber verwies aber darauf, dass die Fernzüge zurzeit im Schnitt nur zu einem Fünftel ausgelastet seien. Am (üblicherweise gut ausgebuchten) vergangenen Sonntag seien beispielsweise von 800 Fernzügen 795 Züge zu deutlich weniger als 50 Prozent besetzt gewesen. Dies gebe dem Zugpersonal Gelegenheit, Fahrgäste in andere Zugteile umzuleiten – und dem Fahrgast Gelegenheit, einen anderen Platz zu suchen, wenn ihm am reservierten Platz der Abstand unzureichend erscheine.

          „Wirtschaftlich ist die Lage für uns eine Herausforderung“, sagte Huber. „Aber der Gesundheitsschutz geht im Moment vor.“ Alle (zusätzlich) eingesetzten Züge leisteten einen „Kostendeckungsbeitrag“ über die anfallenden Kosten für die Nutzung der Infrastruktur hinaus. „Es ist angesichts der hohen Fixkosten ökonomisch sinnvoller, zusätzliche Züge zu fahren, als sie nicht zu fahren“, sagte Huber. Außerdem gehe es darum, für die Kunden verlässlich zu sein und sie auch für die Zukunft an die Bahn zu binden. Huber und Pofalla wandten sich abermals gegen die in Corona-Zeiten oft geforderte Reservierungspflicht. Dadurch würde dem System „Kapazität entzogen“, weil Reisende nicht mehr spontan in jeden Zug einsteigen könnten. Im Fernzug abgewiesen, würden sie dann auf die ohnehin oft gut gefüllten Regionalzüge ausweichen. „Damit würde das Problem nur verlagert, und die Ansteckungsgefahr würde sogar steigen“, sagte Huber. Er wandte sich auch gegen den Vorschlag, Zugtüren jeweils nur zum Ausstieg oder Einstieg zuzulassen. Damit sei es nicht mehr möglich, die Reisenden gleichmäßig mit Abstand über den Zug oder Bahnhof zu verteilen.

          Eine „Auslastungsanzeige“ ähnlich wie für Züge wird es nach Pofallas Worten auch für rund 100 Bahnhöfe geben. Damit die Kunden sich dort sicher bewegten, könnten sie sich vorher über die Besucherfrequenz erkundigen. Außerdem informierten 25.000 Ansagen in Bahnhöfen, 7500 Monitore und LED-Anzeigen der Fernverkehrsflotte, 6500 Plakate in Zügen ohne digitale Anzeigen und 230.000 Aufkleber in Bahnhöfen über sicheres Reisen, sagte Pofalla. Die Bahn prüft überdies neue Reinigungskonzepte wie UV-Licht zur Desinfektion an Rolltreppen oder Speziallack zum Schutz vor Viren und Bakterien auf Treppenhandläufen und Bedienungsknöpfen in Aufzügen.

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