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Akte Altenheim – Chronik eines kollektiven Kontrollverlusts

Von BRITTA BEEGER, JAN HAUSER, CHRISTIAN GEINITZ, DENISE RUISINGER, ILONA SELL
6. März 2021
Foto: dpa

Mindestens 29.000 Menschen sind in deutschen Alten- und Pflegeheimen an Corona gestorben. Dabei wollte die Politik vor allem die Schwächsten schützen. Warum hat das nicht geklappt?

Es ist kurz vor Weihnachten, als das Coronavirus es doch noch in das „Haus am grünen Weg“ schafft. Monatelang war die Einrichtung in Lollar, einem kleinen Ort in Mittelhessen, coronafrei geblieben. Am 21. Dezember zeigen Schnelltests jedoch bei sechs Bewohnern ein positives Ergebnis an, wie Einrichtungsleiterin Masorca Schmitt schildert. Sie werden in einem eigenen Wohnbereich isoliert, das Gesundheitsamt verhängt ein Besuchsverbot und ordnet eine Reihentestung an. Das Ergebnis: 98 von 160 Bewohnern werden positiv getestet, außerdem 43 Mitarbeiter. 36 Bewohner wird die Einrichtung in den Wochen danach an das Virus verlieren. 

Wie die todbringende Gefahr überhaupt ins Haus kam, ist unklar. Man habe alles getan, um das zu verhindern, sagt Schmitt. Es gab ein mit den Behörden abgestimmtes Besuchs- und Hygienekonzept, ausreichend Schutzkleidung und Mitarbeiter, Bewohner und Besucher wurden regelmäßig mit Schnelltests getestet. Dem Gesundheitsamt liegen nach Aussage des Kreises Gießen keine Erkenntnisse vor, dass das Schutzkonzept nicht umgesetzt wurde. Dem Heim sei aber immer bewusst gewesen, dass „trotz aller Hygiene- und Schutzmaßnahmen auch ein Stück Glück dazu gehört, um von dem Virus verschont zu bleiben“, sagt die Einrichtungsleiterin, zumal Bewohner, Angehörige und Mitarbeiter soziale Kontakte hätten. Die verstorbenen Bewohner wohnten zum Teil seit Jahren in dem Haus, sagt sie. Jeder Verlust sei schwer. 

<b>Einer von Zehntausenden:</b> Ein Bestatter schließt einen Sarg mit einem an Corona verstorbenen Menschen.
Einer von Zehntausenden: Ein Bestatter schließt einen Sarg mit einem an Corona verstorbenen Menschen. Foto: dpa
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