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Verzicht auf Strafvollzug : Corona leert die Gefängnisse

  • -Aktualisiert am

Zahlreiche Bundesländer schieben den Vollzug kleinerer Haftstrafen nach hinten und entlassen Häftlinge aus der Ersatzhaft. Bild: dpa

Etliche Straftäter entgehen im Moment dem Knast. Dahinter steht eine schlichte Kosten-Nutzen-Rechnung. Die Corona-Krise macht es möglich.

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          Das Coronavirus hat in wenigen Tagen geschafft, was sich die teuersten Strafverteidiger nicht auszumalen gewagt hätten: Überall öffnen sich die Gefängnisse und entlassen reihenweise Häftlinge oder lassen frisch Verurteilte gar nicht erst hinein. Zahlreiche Bundesländer schieben den Vollzug kleinerer Haftstrafen nach hinten und entlassen Häftlinge aus der Ersatzhaft. Hamburg und Berlin – in beiden Stadtstaaten leitet ein Grünen-Politiker die Justizverwaltung – gingen noch einen Schritt weiter und ordneten an, dass der Strafantritt von zu weniger als drei Jahren verurteilten Straftätern erst einmal verschoben wird.

          Am Mittwoch wurde bekannt, dass Nordrhein-Westfalen sogar bereits einsitzende Straftäter aus den Gefängnissen entlässt, sofern ihre Strafe nicht mehr als 18 Monate beträgt. Ausgenommen seien Sexualstraftäter und solche, die mit schlechtem Betragen aufgefallen seien. „Nur so können wir den erforderlichen Platz für die Bildung von Quarantänestationen in unseren Justizvollzugsanstalten schaffen“, sagt der Landesjustizminister.

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