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Coronakrise : Unternehmensberater wieder optimistischer

Jahrelang ging es für Berater nur bergauf. Nach dem großen Einbruch im März kehrt jetzt die Zuversicht zurück. Viele Beratungsunternehmen nutzen in dieser Krise erstmals Kurzarbeit.

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          Nach einem historischen Tiefpunkt im März bewerten Unternehmensberatungen ihre Geschäftsaussichten jetzt wieder deutlich besser. Zu diesem Ergebnis kommt die Geschäftsklima-Befragung des Bundesverbandes Deutscher Unternehmensberater (BDU). Im Gespräch mit der F.A.Z. spricht BDU-Präsident Ralf Strehlau schon von einer „Trendwende“, wenngleich Konjunkturforscher den Begriff nach einer Faustformel erst verwenden, wenn sich ein Konjunkturindex dreimal in Folge gegen den bisherigen Trend entwickelt hat. Zwar werde die aktuelle Geschäftslage noch ähnlich schwach eingeschätzt wie vor acht Wochen zu Beginn des Lockdowns, sagt Strehlau: „Im Blick nach vorne kehrt der Optimismus in unserer Branche aber wieder zurück“. Der brancheninterne Geschäftsklimaindex - der sich methodisch an den bekannten ifo-Konjunkturindex anlehnt - ist bei der Befragung in der vorletzten Mai-Woche von rund 70 auf knapp 76 Punkte gestiegen. Die Aussichten für die kommenden sechs Monate sogar von rund 66 auf knapp 78 Punkte.

          Tillmann Neuscheler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Noch vor wenigen Wochen hatte der Verband mitgeteilt, das Wachstum der Branche habe nach 10 Jahren Boom „ein abruptes Ende“ gefunden, nachdem der brancheninterne Konjunkturindex den schlechtesten Wert seit Beginn der Erhebung im Jahr 2006 erreicht hatte. Getroffen von der Pandemie sind weiterhin vor allem Berater im Personalwesen. Sie bewerten ihren Auftragsbestand noch immer mit großer Mehrheit als schlecht. Deutlich besser fällt mittlerweile das Geschäftsklima bei Sanierungsberatern aus. Zwar hatte sich auch in diesem Segment die Stimmung im März eingetrübt doch etwas verzögert mehren sich nun deutlich die Anzeichen, dass Sanierungsfachleute bald sehr gefragt sind: „Das Anschwellen der Insolvenzen kommt in zwei bis drei Monaten“, prophezeit Strehlau mit Blick auf die Gesamtwirtschaft. Auch IT-Berater und sogenannte „Outplacement-Berater“, die Unternehmen beim Auslagern von Arbeitsplätzen anheuern, um ihren Mitarbeitern zu helfen, eine neue Stelle zu finden, sind in der Pandemie gefragt.

          Zum Abfedern der Coronakrise, nutzen auch Unternehmenberatungen die Möglichkeit, Mitarbeiter in die Kurzarbeit zu schicken: „Diese Pandemie ist die erste Wirtschaftskrise, in der Beratungsunternehmen umfassend und flächendeckend Kurzarbeit einsetzen“, sagt Strehlau. Die Scheu vor einem Imageverlust spiele keine große Rolle mehr, sagt der Verbandspräsident, allerdings ohne Namen zu nennen. Zwar hätten schon in der Finanzkrise vor zehn Jahren einige Beratungsunternehmen Kurzarbeit genutzt, aber längst nicht in diesem Ausmaß. „Je größer die Unternehmensberatung ist, desto umfangreicher wird Kurzarbeit eingesetzt“, heißt es vom Verband. Knapp die Hälfte der großen Beratungsunternehmen mit einem Jahresumsatz über 10 Millionen Euro setzen in dieser Krise Kurzarbeit ein, sagt Strehlau, allerdings in sehr unterschiedlichem Ausmaß. In der Organisationberatung und der Beratung im Personalwesen arbeitet jedes zweite Unternehmen mit Kurzarbeit, Sanierungsberater und Strategieberater nutzen sie dagegen kaum.

          Die Beratungsbranche hat glorreiche Zeiten hinter sich. Der Gesamtumsatz der Unternehmensberater hat sich in Deutschland innerhalb einer Dekade nahezu verdoppelt - im vergangenen Jahr war er erstmals über 35 Milliarden Euro gestiegen. Ob die Branche am Ende dieses Krisenjahres noch ein positives Wachstum melden kann, ist derzeit ungewiss: „Wir sind in diesem Jahr zufrieden, wenn wir das Niveau halten“, sagt Strehlau: „Im Moment sieht es nach Nullwachstum aus“.

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