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Quartalszahlen : Corona-Krise trifft Deutsche Bank weniger hart als befürchtet

Die Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt Bild: Aders, Hannah

Deutschlands größtes Kreditinstitut bleibt im zweiten Quartal zumindest vor Steuern profitabel – trotz hoher Vorsorge für mögliche Kreditausfälle.

          4 Min.

          Die Deutsche Bank hat am Mittwoch mit einem Gewinn im zweiten Quartal überrascht. Obwohl Deutschlands größtes Kreditinstitut für drohende Kreditausfälle 761 Millionen Euro – mehr als die erforderliche Risikovorsorge im Gesamtjahr 2019 – an Kosten zurück stellen musste, erzielte es einen Quartalsgewinn von 158 Millionen Euro vor und 61 Millionen Euro nach Steuern. Analysten hatten von der Deutschen Bank einen Quartalsnettoverlust von 109 Millionen Euro erwartet und die Rückstellungen für mögliche Kreditausfälle mit 821 Millionen Euro vermutet. Nach Abzug von Zinszahlungen für Nachranganleihen steht allerdings für die Aktionäre der Deutschen Bank ein Quartalsverlust von 77 Millionen Euro, wie das Kreditinstitut am Mittwochmorgen mitteilte.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Wie bei den amerikanischen Wettbewerbern boomte auch bei der Deutschen Bank im zweiten Quartal das Kapitalmarktgeschäft. Das Investmentbanking lieferte, besonders beflügelt von einem starken Emissions- und Beratungsgeschäft mit neuen Anleihen, im zweiten Quartal 2020 einen Gewinnbeitrag von 956 Millionen Euro vor Steuern, mehr als viermal so viel wie im zweiten Quartal 2019.

          Dahinter verblassen die anderen Geschäftsfelder: Im Geschäft mit Unternehmen (Unternehmerbank) erreichte die Deutsche Bank nach einem Verlust im Vorjahresquartal diesmal einen Quartalsgewinn von 77 Millionen Euro, die Vermögensverwaltung (vor allem die Fondsgesellschaft DWS) lieferte 114 Millionen Euro Gewinn, 27 Prozent mehr als im Vorjahresquartal. Die größte Schwachstelle bleibt das Geschäft mit Privatkunden und kleinen Firmen, das wegen Umbaukosten und höherer Kreditrisikovorsorge wie im Vorjahresquartal einen Verlust lieferte, diesmal 241 Millionen Euro. 

          Kreditausfälle erwartet

          Der Vorstandsvorsitzende Christian Sewing zeigte sich sehr zufrieden. „Wir haben in einem schwierigen Umfeld unsere Erträge gesteigert und unsere Kosten weiter gesenkt und sind auf einem guten Weg, unsere Ziele zu erreichen. Wir konnten die höhere Risikovorsorge mehr als ausgleichen und profitabel bleiben.“ Zwar legten die Erträge im Konzern nur um 1 Prozent zu, in den seit Juli 2019 zur Kernbank definierten Geschäftsfeldern kletterten die Erlöse im Niedrigzinsumfeld überraschend um 6 Prozent auf 6,4 Milliarden Euro. Dies lag allerdings vor allem an der Investmentbank, in der die Erträge um satte 46 Prozent zulegten.

          Dagegen stagnierten die Erlöse in der Unternehmerbank, im Privatkundengeschäft sanken sie trotz der Einführung von Negativzinsen für Neukunden sogar um 2 Prozent. In der Vermögensverwaltung, in der das verwaltete Kundenvermögen um 45 Milliarden auf  745 Milliarden Euro stieg, gingen die Erträge sogar um 8 Prozent zurück. Die Deutsche Bank begründete dies damit, dass auf einige Infrastrukturfonds nur jedes zweite Jahr Gebühren erhoben würden.

          Im Zentrum stehen allerdings derzeit die wegen der Corona-Krise zu erwartenden Kreditausfälle. Die höhere Risikovorsorge im zweiten Quartal liege an dem schlechteren volkswirtschaftlichen Ausblick und einigen Einzelfällen, hieß es am Mittwochmorgen von der Deutschen Bank. Nach dem ersten Quartal hatte Finanzvorstand James von Moltlke prognostiziert, die Deutsche Bank werde im ersten Halbjahr 2020 mehr für faule Kredite zurücklegen müssen als im zweiten.

          Dahinter steht die Annahme, dass sich die Wirtschaft dann wieder von dem Lockdown im Frühjahr erholen werde und es zu nicht zum zweiten Mal zu Corona-bedingten Schließungen und einer Insolvenzwelle kommen werde. Dann, so die Prognose, werde die Deutsche Bank im Gesamtjahr 2020 nicht mehr als 2 Milliarden Euro, höchstens 45 Basispunkte auf ihr gesamtes Kreditvolumen, für faule Kredite zurück stellen müssen. Diese Prognose für die Risikovorsorge von 35 bis 45 Basispunkten für das Gesamtjahr 2020 bekräftigte die Deutsche Bank am Mittwoch.  

          Vor einem Jahr hatte die Deutsche Bank einen Halbjahresnettoverlust von 2,9 Milliarden Euro und einen Quartalsverlust von 3,1 Milliarden Euro ausgewiesen. Der Grund dafür ließ sich damals leicht erklären. Wenige Wochen, nachdem die Deutsche Bank am 7. Juli 2019 einen Sanierungsplan mit dem Abbau von 18.000 Stellen – 4000 Vollzeitstellen sind inzwischen weggefallen – und der Einstellung des globalen Aktienhandels beschlossen hatte, buchte sie auch schon Kosten für die Sanierung – und zwar satte 3,4 Milliarden Euro, etwa für vom amerikanischen Finanzamt nicht mehr akzeptierte Verlustvorträge oder für Abfindungen an Investmentbanker.

          Derartige Sanierungskosten belasteten die Quartals- und Halbjahresbilanz 2020 kaum noch. Dafür schlug eben nun die Corona-Krise ins Kontor. Das Ziel der Sanierung, bis zum Jahr 2022 eine Eigenkapitalrendite von 8 Prozent zu erreichen, ist wegen des hohen Risikovorsorgebedarfs in weiter Ferne. Für das Gesamtjahr erwarteten Analysten von der Deutschen Bank bislang einen Verlust, es wäre der sechste Jahresverlust nacheinander.

          Amerikanische Banken hart getroffen

          Die amerikanischen Konkurrenten trifft es gemessen am Risikovorsorgebedarf allerdings noch  härter. JP Morgan stellte im zweiten Quartal 2020 fast 9 Milliarden Dollar für faule Kredite zurück, die Citigroup vervierfachte ihre Risikovorsorge auf fast 8 Milliarden Dollar und die Bank of America sorgte mit 4 Milliarden Dollar vor. Diese amerikanischen Wettbewerber leiden darunter, dass in Amerika viele Millionen Konsumenten arbeitslos geworden sind und ihre Immobilien- und Kreditkartenschulden nicht mehr bedienen können, während hierzulande mit Kurzarbeitergeld und Kreditstundungen von Seiten der Politik gegen die Rezession angekämpft wird. Insofern profitiert die Deutsche Bank von einem im internationalen Vergleich stabileren Heimatmarkt.

          Gleichwohl erzielten alle amerikanischen Großbanken mit Ausnahme von Wells Fargo dank boomender Kapitalmarktgeschäfte auch im zweiten Quartal im Gegensatz zur Deutschen Bank Milliardengewinne. Auch der Vergleich mit der Schweizer UBS fällt für die Deutsche Bank nicht schmeichelhaft aus. Die UBS bewegt mit einer Bilanzsumme von 1064 Millionen Dollar ähnlich viel Geschäftsvolumen wie die Deutsche Bank, hat mit 13,3 Prozent harter Kernkapitalquote genau die gleiche Kapitalausstattung, aber mit 41.300 Mitarbeitern nur rund die Hälfte der Belegschaft der Deutschen Bank. Die UBS stellte im zweiten Quartal mit 272 Millionen Dollar mehr als zwanzig Mal so viel für faule Kredite zurück wie vor einem Jahr, im ersten Halbjahr 2020 waren es 540 Millionen Dollar. Gleichwohl blieb der UBS ein Gewinn von 1,2 Milliarden Dollar im zweiten Quartal und von 2,8 Milliarden Dollar im ersten Halbjahr.

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