https://www.faz.net/-gqe-a1tdk

Quartalszahlen : Corona-Krise trifft Deutsche Bank weniger hart als befürchtet

Dahinter steht die Annahme, dass sich die Wirtschaft dann wieder von dem Lockdown im Frühjahr erholen werde und es zu nicht zum zweiten Mal zu Corona-bedingten Schließungen und einer Insolvenzwelle kommen werde. Dann, so die Prognose, werde die Deutsche Bank im Gesamtjahr 2020 nicht mehr als 2 Milliarden Euro, höchstens 45 Basispunkte auf ihr gesamtes Kreditvolumen, für faule Kredite zurück stellen müssen. Diese Prognose für die Risikovorsorge von 35 bis 45 Basispunkten für das Gesamtjahr 2020 bekräftigte die Deutsche Bank am Mittwoch.  

Vor einem Jahr hatte die Deutsche Bank einen Halbjahresnettoverlust von 2,9 Milliarden Euro und einen Quartalsverlust von 3,1 Milliarden Euro ausgewiesen. Der Grund dafür ließ sich damals leicht erklären. Wenige Wochen, nachdem die Deutsche Bank am 7. Juli 2019 einen Sanierungsplan mit dem Abbau von 18.000 Stellen – 4000 Vollzeitstellen sind inzwischen weggefallen – und der Einstellung des globalen Aktienhandels beschlossen hatte, buchte sie auch schon Kosten für die Sanierung – und zwar satte 3,4 Milliarden Euro, etwa für vom amerikanischen Finanzamt nicht mehr akzeptierte Verlustvorträge oder für Abfindungen an Investmentbanker.

Derartige Sanierungskosten belasteten die Quartals- und Halbjahresbilanz 2020 kaum noch. Dafür schlug eben nun die Corona-Krise ins Kontor. Das Ziel der Sanierung, bis zum Jahr 2022 eine Eigenkapitalrendite von 8 Prozent zu erreichen, ist wegen des hohen Risikovorsorgebedarfs in weiter Ferne. Für das Gesamtjahr erwarteten Analysten von der Deutschen Bank bislang einen Verlust, es wäre der sechste Jahresverlust nacheinander.

Amerikanische Banken hart getroffen

Die amerikanischen Konkurrenten trifft es gemessen am Risikovorsorgebedarf allerdings noch  härter. JP Morgan stellte im zweiten Quartal 2020 fast 9 Milliarden Dollar für faule Kredite zurück, die Citigroup vervierfachte ihre Risikovorsorge auf fast 8 Milliarden Dollar und die Bank of America sorgte mit 4 Milliarden Dollar vor. Diese amerikanischen Wettbewerber leiden darunter, dass in Amerika viele Millionen Konsumenten arbeitslos geworden sind und ihre Immobilien- und Kreditkartenschulden nicht mehr bedienen können, während hierzulande mit Kurzarbeitergeld und Kreditstundungen von Seiten der Politik gegen die Rezession angekämpft wird. Insofern profitiert die Deutsche Bank von einem im internationalen Vergleich stabileren Heimatmarkt.

Gleichwohl erzielten alle amerikanischen Großbanken mit Ausnahme von Wells Fargo dank boomender Kapitalmarktgeschäfte auch im zweiten Quartal im Gegensatz zur Deutschen Bank Milliardengewinne. Auch der Vergleich mit der Schweizer UBS fällt für die Deutsche Bank nicht schmeichelhaft aus. Die UBS bewegt mit einer Bilanzsumme von 1064 Millionen Dollar ähnlich viel Geschäftsvolumen wie die Deutsche Bank, hat mit 13,3 Prozent harter Kernkapitalquote genau die gleiche Kapitalausstattung, aber mit 41.300 Mitarbeitern nur rund die Hälfte der Belegschaft der Deutschen Bank. Die UBS stellte im zweiten Quartal mit 272 Millionen Dollar mehr als zwanzig Mal so viel für faule Kredite zurück wie vor einem Jahr, im ersten Halbjahr 2020 waren es 540 Millionen Dollar. Gleichwohl blieb der UBS ein Gewinn von 1,2 Milliarden Dollar im zweiten Quartal und von 2,8 Milliarden Dollar im ersten Halbjahr.

Weitere Themen

„Massive" staatliche Hilfen für betroffene Branchen Video-Seite öffnen

Finanzminister Scholz : „Massive" staatliche Hilfen für betroffene Branchen

Finanzminister Olaf Scholz und Wirtschaftsminister Peter Altmaier haben die beschlossene Verschärfung der Corona-Maßnahmen als notwendig verteidigt. Sie betonten außerdem die massive staatliche Unterstützung für die von Schließungen betroffenen Branchen.

Spotify wächst weiter stark

Aktie gibt dennoch nach : Spotify wächst weiter stark

Deutlich mehr als 300 Millionen aktive Nutzer zählt der Musikstreaming-Marktführer mittlerweile. Auch die Abonnenten-Zahl legte im abgelaufenen Quartal stark zu. Selbst das Werbegeschäft hat sich erholt. Doch um einen Podcast gibt es Streit.

Topmeldungen

Warnschild in Ludwigsburg

Debatte im Bundestag : Wer der Feind ist

Kritik ist berechtigt und nötig. Eine „Corona-Diktatur“ ist Deutschland aber nicht. Auch die Opposition sollte in diesen Zeiten nicht überreagieren.
Der Umsatz mit den iPhones verfehlt die Erwartungen. Tim Cook ist trotzdem optimistisch.

Amazon, Apple & Co. : Den Tech-Konzernen geht es glänzend

Amazon schafft einen weiteren Rekordgewinn, und Facebook beschleunigt sein Wachstum. Apple muss auf das nächste Quartal vertrösten – hat aber guten Grund zum Optimismus.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.