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Welle der Solidarität : Mehr als 500.000 freiwillige Corona-Helfer in Großbritannien

Nur wenige Autos fahren in diesen Tagen über die Tower Bridge in London. Bild: dpa

Im Vereinigten Königreich gibt es eine beispiellose Hilfsbereitschaft. Doch das Gesundheitssystem bereitet Ärzten Sorgen – manche mussten sich ihre Schutzanzüge im Baumarkt selbst kaufen. Und die Arbeitslosigkeit steigt rasant.

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          In einer Welle der Hilfsbereitschaft haben sich mehr als eine halbe Million Bürger in Großbritannien als Helfer für das Gesundheitssystem im Kampf mit der Coronavirus-Epidemie gemeldet, während gleichzeitig die Arbeitslosigkeit um fast eine halbe Million gestiegen ist. Einer Blitzumfrage von YouGov zufolge sollen sogar schon 5 Prozent der Bevölkerung aufgrund der Corona-Krise ihre Arbeitsplätze verloren haben. Beides zeigt, wie die Krise das Land erschüttert.

          Philip Plickert
          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Beeindruckend für die Briten ist die private Hilfsbereitschaft. Knapp zwei Tage nach einem Aufruf der Regierung haben sich bis Donnerstagfrüh mehr als 560.000 Freiwillige beim staatlichen Gesundheitsdienst NHS als Helfer angemeldet. Der National Health Service schrieb, er brauche eine „Armee von Freiwilligen“, um die 1,5 Millionen am meisten vom Coronavirus gefährdeten Menschen, vor allem Senioren, zu unterstützen.

          Die Helfer sollen die Ärzte, Pflegekräfte, Krankenwagenfahrer und anderes Personal des NHS entlasten. Ihre Aufgaben umfassen einfache Einkäufe und Lieferdienste für Menschen, die wegen Corona in Quarantäne leben, sowie Krankentransporte und Kurierfahrten für Medikamente und medizinische Geräte. Andere sollen einfach per Telefongespräch erkrankten oder isolierten Mitbürgern seelischen Beistand leisten.

          Rasend schnell steigende Arbeitslosigkeit

          Premierminister Boris Johnson dankte allen Freiwilligen. Das Massenblatt „Sun“ pries die „Armee der Freundlichkeit“ auf ihrer Titelseite. Zudem haben sich 12.000 pensionierte Ärzte und Krankenschwestern zurück zum Dienst gemeldet. Der NHS gilt nach langer Sparpolitik als unterfinanziert. Finanzminister Rishi Sunak hat 5 Milliarden Pfund Extra-Mittel zur Verfügung gestellt.

          Unterdessen steigt der Druck auf die Regierung, die Zahl der Test auf Corona-Erkrankungen rasch zu erhöhen. Derzeit werden nur 5000 Tests am Tag durchgeführt. Johnson hat angekündigt, die Zahl auf 25.000 und schließlich auf 250.000 zu steigern – doch dies werde erst Ende April erreicht. Ärzte und Pfleger in den Krankenhäusern klagen über einen Mangel an Tests sowie Schutzkleidung.

          Manche mussten sich ihre Schutzanzüge aus dem Baumarkt selbst beschaffen. Immerhin geht die Produktion der für Corona-Schwerkranke lebensnotwendigen Beatmungsgeräte nun in großer Zahl voran. Der Staubsaugerhersteller Dyson erhielt einen Auftrag für 10.000 Geräte, die er in aller Eile selbst entwickelt hat. Auch ein Konsortium unter Führung des Luftfahrtkonzerns Airbus erwartet einen Großauftrag.

          Wie schwer die Wirtschaftskrise infolge der Corona-Epidemie und der Schließung der meisten Geschäfte sein wird, ist noch nicht klar. Ökonomen erwarten einen tieferen Einbruch als vor elf Jahren nach der Finanzkrise. Erste Statistiken zeigen eine rasend schnell steigende Arbeitslosigkeit. Vor Ausbruch der Corona-Krise waren nur gut 1,3 Millionen Menschen arbeitslos, weniger als 4 Prozent.

          Das Arbeitsministerium teilte nun mit, dass innerhalb von neun Tagen seit Mitte März 477.000 Menschen neu Sozialleistungen (Universal Credit Welfare) beantragt haben, die meisten wegen Job-Verlusts. In einer normalen Woche gibt es 55.000 Neuanträge.

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