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Corona-Krise : Himmelfahrtskommando für Ärzte in Pakistan

  • -Aktualisiert am

Ärzte protestieren in der pakistanischen Stadt Quetta gegen fehlende Schutzausrüstung im Kampf gegen das Coronavirus. Bild: Reuters

Der Streit zwischen Regierung, Generälen und Glaubensführern im Kampf gegen das Coronavirus führt zu einer immer tieferen Krise im Land. Nun soll der Internationale Währungsfonds wieder helfen – zum 23. Mal.

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          In Pakistan gehen die Ärzte auf die Straße, um gegen die unhaltbaren Zustände im Kampf gegen Corona zu protestieren. Zugleich braucht die Regierung einmal mehr frisches Geld und bat den Internationalen Währungsfonds (IWF) zum 23. Mal – ein Weltrekord – um Unterstützung. Es geht um eine Notfallzahlung von 1,4 Milliarden Dollar zur Bekämpfung der Corona-Krise.

          In vielen staatlichen Krankenhäusern müssen Ärzte praktisch ohne Schutz arbeiten, was einem Himmelfahrtskommando gleichkommt. Und zwar für beide Seiten, Ärzte und Patienten. Viele Mediziner haben sich schon an Corona-Kranken infiziert und tragen nun die Seuche weiter auf nichtinfizierte Patienten. Deshalb sind Ärzte in Quetta, einer Stadt in der am stärksten betroffenen Region Balochistan, nun auf die Straße gegangen. Doch statt staatliche Hilfe zu bekommen, wurde der friedliche Protest von der Polizei unter Einsatz von Stöcken und Gewehrkolben aufgelöst, Ärzte wurden festgenommen, geschlagen und gedemütigt.

          Knapp 4500 Fälle wurden aus dem Land gemeldet, aber die Testraten sind niedrig und Virologen vermuten, dass die Dunkelziffer weitaus höher liegt. Denn zwei Drittel der pakistanischen Bevölkerung leben in ländlichen Gemeinden ohne Zugang zu Krankenhäusern, die für den Umgang mit Coronavirus-Patienten ausgerüstet sind, oder manchmal auch zu medizinischen Einrichtungen überhaupt. Misswirtschaft und Unterfinanzierung grassieren. Seit die Gesundheitsfürsorge 2010 den Provinzregierungen übertragen wurden, herrschen sehr unterschiedliche Standards. „Die Regierung hat mindestens das Dreifache der angeforderten Mengen an Schutzausrüstung geliefert, aber aufgrund unangemessener Verwendung und Verteilungslücken haben sie nicht die richtigen Leute erreicht", sagte Zafar Mirza, Sonderbeauftragter des Premierministers Imran Khan für Gesundheitsfragen. In Balochistan gibt es nur 19 Beatmungsgeräte – für mehr als 12 Millionen Menschen.

          Pakistanische Wirtschaft in schwerem Fahrwasser

          Allein seit 1980 hat Pakistan die internationale Gemeinschaft über den IWF schon 15 Mal um Überlebenshilfe gebeten. Das Land ist zudem bei China, Saudi-Arabien und den Vereinigten Emiraten hoch verschuldet. Im Juli 2019 versprach der Währungsfonds einmal mehr 6 Milliarden Dollar, nachdem seine Emissäre geprüft hatten, dass Pakistan das Geld nicht für die Rückzahlung von Zinsen an Peking nutzen werde. Dem Fonds hilft, dass sein früherer Spitzenbeamter, der Pakistaner Reza Baqir, inzwischen Gouverneur der dortigen Notenbank geworden ist.

          Noch Mitte Februar hatte der Fonds seinem Ex-Mitarbeiter ein gutes Zeugnis ausgestellt: „Die Dollar-Reserven wachsen deutlich schneller als erwartet. Die wirtschaftliche Erholung setzt sich fort“, hieß es in Islamabad. Spätestens das Virus aber werde die Teuerungsrate nun wieder auf 13 Prozent hochschießen lassen, die Wachstumsrate werde sich auf allenfalls 2,5 Prozent halbieren, warnen die Ökonomen. Schon jetzt wächst Pakistan so langsam, wie zuletzt vor zehn Jahren.

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