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Nach der Beitragskürzung : Japan und Australien unterstützen Trumps WHO-Kritik

Australiens Ministerpräsident Scott Morrison hat frühzeitig scharfe Konsequenzen aus dem möglichen Verlauf der Infektionskurven gezogen. Bild: dpa

Canberra und Tokio wehren sich gegen mangelnde Härte gegenüber Peking. Die Gesundheitsorganisation kritisieren sie als China-hörig. Dafür verweisen sie unter anderem auf ein öffentliches Interview mit einem WHO-Spitzenmanager.

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          Australien, der enge Verbündete Amerikas im Pazifik, unterstützt die Kritik an der Weltgesundheitsorganisation, will aber seine Zahlungen nicht einstellen. Amerikas Präsident Donald Trump will die amerikanischen Beiträge für die WHO einfrieren, weil diese ihren „grundlegenden Aufgaben“ nicht nachgekommen sei. „Wir wollen nicht das Kind mit dem Bade ausschütten“, sagte hingegen Australiens Ministerpräsident Scott Morrison am Mittwoch.

          Christoph Hein
          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Allerdings kritisieren auch die Australier die Organisation seit Wochen erheblich – vor allem, weil sie zu China-hörig sei: „Es ist unglaublich, wirklich sehr außergewöhnlich, dass die WHO es für richtig hält, die offenen Lebensmittelmärkte (wet-markets) in China wieder öffnen zu lassen – sie waren die Quelle des Ausbruchs, der Menschen rund um die Erde tötet“, sagte Schatzkanzler Josh Frydenberg am Mittwochmorgen. Die WHO hat ihre ursprüngliche Empfehlung inzwischen wieder kassiert. „Ich hätte gedacht, dass es die oberste Priorität der WHO wäre, Menschenleben zu schützen.“

          Büros, geführt wie „Fürstentümer“

          Morrison sagte, er „sympathisiere“ mit Trumps Kritik, und habe sich auch selbst schon zu Wort gemeldet. „Hätten wir auf den Rat der WHO gehört, hätten wir dasselbe Schicksal wie viele andere Länder erlitten, denke ich“, sagte er mit Blick auf die relativ geringe Infektionszahl in Australien und das Durchgreifen der Regierung. Schon vor zwei Wochen hatte sich die hoch angesehene, frühere australische Außenministerin Julie Bishop die WHO vorgeknöpft: Ihre Büros rund um die Welt würden wie „Fürstentümer“ geführt.

          „Ich glaube nicht, dass die WHO eine klares Mandat entwickelt hat, ob sie nun vor einer Art Standard-Operation steht, oder gesundheitliche Nothilfe an der Front leistet“, kritisierte Bishop die WHO-Strategie gegen Corona. „Ich denke, die Corona-Pandemie beleuchtet noch einmal deutlich, dass die Beitragszahlungen an die WHO freiwillig sind und von Staaten stammen, die derzeit enorme wirtschaftliche Bürden verspüren“, sagte sie mehrere Tage, bevor Trump nun seinen Beitrag strich.

          Japan und Indien haben die Organisation seit dem Corona-Ausbruch in China schon länger offen als Peking-hörig kritisiert: Der Stellvertretende japanische Ministerpräsident Taro Aso schlug unlängst auf Twitter vor, die Organisation von „WHO“ in „CHO“ umzubenennen, weil sie eher eine „China Gesundheitsorganisation“ sei. „Hätte die WHO nicht in der frühen Phase der Welt gegenüber darauf bestanden, dass China keine Epidemie der Lungenentzündungen habe, hätte jeder sich wappnen können“, sagte Aso.

          Die Kritik hatte einen vorläufigen Höhepunkt erreicht, nachdem eine Journalistin von Radio Television Hong Kong via Video-Schaltung den WHO-Spitzenmanager Bruce Aylward, der zuvor die China-Mission geleitet hatte, nach dem positiven Beispiel Taiwan fragte. Aylward ignorierte die Frage, dann wurde die Leitung unterbrochen. Dies wirkte, als wolle der WHO-Repräsentant alles, nur nicht Peking mit der schlichten Taiwan-Frage provozieren, weil er sich vor dem langen Arm der Kommunisten fürchte. Die WHO war 1948 im Rahmen der Vereinten Nationen gegründet worden und zählt 194 Mitgliedsstaaten. Amerika ist ihr größtes Geberland, Japan die Nummer drei. Während Amerika mehr als 400 Millionen Dollar zahlt, kommt China mit nur 44 Millionen Dollar weg.

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