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Bald Impfstoff im Überfluss? : Deutschland ist Nutznießer der impfmüden USA

Lange Schlange in Neukölln: Erstmals hat Deutschland bei der absoluten Zahl der Erstgeimpften Großbritannien überholt. Bild: dpa

Weil die Impfkampagne in Amerika lahmt, bekommt Deutschland fast doppelt so viel Moderna-Vakzin wie geplant – und versichert jedem Willigen die Erstinjektion bis Ende Juli. Doch die Fälle, bei denen Impfkandidaten nicht auftauchen, nehmen zu.

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          Deutschland profitiert davon, dass die Corona-Impfkampa­gne in den Vereinigten Staaten stockt. So hatte Präsident Joe Biden angekündigt, dass bis zum Nationalfeiertag am 4. Juli 70 Prozent seiner Landsleute mindestens eine Injektion gegen Covid-19 erhalten sollten. Doch danach sieht es im Moment nicht aus, da die Impfbereitschaft stark gefallen ist.

          Christian Geinitz
          Wirtschaftskorrespondent in Berlin

          Statt durchschnittlich drei Millionen tägliche Spritzen wie noch im April werden in den USA derzeit nur 1,2 Millionen gesetzt. In Staaten wie Vermont oder Massachusetts, in denen Biden gewählt wurde, werden die 70 Prozent zwar erreicht. In Mississippi, Louisiana oder Wyoming, die mehrheitlich für Donald Trump votierten, beträgt die Quote aber nicht einmal 40 Prozent.

          „Die Größenordnung gab es noch nie“

          Weil der Impfstoff nur begrenzt haltbar ist, muss er verabreicht werden. Das führt dazu, dass Amerika neuerdings Vakzine ausführt, nachdem es lange Exportbeschränkungen gegeben hatte. Deutschland ist dabei ein großer Profiteur frischer Lieferungen mit dem amerikanischen Moderna-Impfstoff. Die EU hat sich davon zweimal 80 Millionen Dosen gesichert.

          Der erste Vertrag wurde gemäß Einwohnerzahl an die Mitgliedstaaten verteilt, am zweiten aber nahmen nur einige Länder teil, die sich entsprechend größere Anteile sichern konnten. Während die erste Liefervereinbarung mit Moderna-Präparaten aus der Schweiz noch gar nicht abgeschlossen ist, drängen jetzt schon die Folgebestellungen direkt aus den USA nach Europa, vor allem nach Deutschland und Dänemark. Aus Osteuropa ist nur Kroatien dabei.

          Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) bestätigte am Wochenende, dass demnächst deutlich mehr Moderna-Vakzin in die Bundesrepublik komme. Im Mai waren es noch rund 551. 000 Dosen in der Woche, im Juni 590 .000. Für den Juli lautete die Prognose bisher 733. 000, doch hat sie Spahn jetzt auf 1,33 Millionen fast verdoppelt. Nur von BioNTech kommen mehr, nämlich 3,2 Millionen. Aber Moderna holt auf. Im August will man fast 2,6 Millionen Einheiten je Woche liefern, im September dann annähernd 3 Millionen. Aus den zwei sich überlappenden Moderna-Verträgen bezieht Deutschland im Juli insgesamt 5,3 Millionen Impfdosen, im August 10,3 und im September dann 14,5 Millionen.

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          Spahns Angaben zufolge liefern in der kommenden Woche auch andere Hersteller mehr aus. Von AstraZeneca sollen fünf Millionen zusätzliche Dosen kommen. Von Johnson & Johnson, das wie Moderna in Amerika ansässig ist, ist eine weitere Million geplant. Die Impfzentren erhielten in der ersten Juliwoche von allen Anbietern fast fünf Millionen Dosen, sagte Spahn. „Die Größenordnung gab es noch nie.“

          Bis Ende Juli werde jeder impfwillige Erwachsene eine Erstinjektion erhalten können: „Wenn die Lieferungen so weitergehen, vielleicht noch ein Stück früher.“ Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) fanden am Freitag rund 853 .000 Impfungen statt. Fast 29 Millionen Personen, 35 Prozent der Bevölkerung, seien inzwischen vollständig geimpft. 44,45 Millionen oder 53 Prozent hätten mindestens eine Impf­dosis erhalten. RKI-Chef Lothar Wieler sagte, die Impfbereitschaft dürfe nicht nachlassen. 80 Prozent der Einwohner müssten sich immunisieren lassen.

          Erstmals Großbritannien überholt

          Wie es hieß, hat Deutschland bei der absoluten Zahl der Erstgeimpften erstmals Großbritannien überholt, das allerdings 16 Millionen weniger Einwohner hat. Nach Angaben des Deutschen Hausärzteverbands ist unter den Patienten bisher keine Impfmüdigkeit festzustellen. Es gebe aber mehr Absagen und Fälle, wo Impfkandidaten nicht auftauchten.

          Der Wirtschaftsstaatssekretär Thomas Bareiß (CDU) machte derweil der Veranstaltungsbranche Mut, dass sie im Spätherbst wieder öffnen könnte. „Wenn jeder ein Impfangebot bekommen hat, gibt es keinen Grund mehr, warum nicht auch Veranstaltungen mit 10. 000 Besuchern oder mehr wieder möglich sein sollten“, sagte er der Zeitung Welt am Sonntag.

          Impfverweigerer müssten womöglich draußen bleiben: „Wer für sich die Freiheit in Anspruch nimmt, sich nicht impfen oder testen zu lassen, der muss auch die unternehmerische Freiheit des Veranstalters akzeptieren, ihn nicht hineinzulassen“, sagte Bareiß.

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