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In strategischen Bereichen : Franzosen sollen bis zu 60 Stunden pro Woche arbeiten

Auch Logistik und Verkehr gehören zu den strategisch wichtigen Bereichen: Am 14. März stauten sich Lkw auf der A16 nahe dem Eurotunnel in Frankreich. Bild: AFP

Die französische Regierung erlaubt in der Corona-Krise Ausnahmen von der 35-Stunden-Woche. Überstunden müssen während der Ausgangssperre abgefeiert werden.

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          Das Coronavirus bringt in Frankreich ein Tabu nach dem anderen zum Fall - sogar die 35-Stunden-Woche: Nach den Verordnungen im Rahmen des am Wochenende erlassenen Gesetzes über die Reaktion auf die Virenwelle dürfen etliche Unternehmen ihre Arbeitnehmer bis zu 60 Stunden in der Woche arbeiten lassen. Das kündigte das französische Arbeitsministerium an.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Es handele sich um Betriebe in strategisch wichtigen Bereichen; dazu zähle Energie, Telekommunikation, Logistik, Verkehr, die Nahrungsmittelproduktion und die Landwirtschaft. Wenn die hohe Überstundenzahl über kürzere Zeiträume „wie ein oder zwei Wochen“ gelten solle, dann müssten sich die Unternehmen nicht die Zustimmung der Arbeitnehmer einholen, heißt es im Arbeitsministerium. Die entsprechenden Verordnungen sollen in Kürze veröffentlicht werden.

          Auch bisher konnte man in Frankreich schon mehr als 35 Stunden arbeiten lassen. Die Grenze lag aber nur bei 48 Stunden oder 44 Stunden, wenn es um den Durchschnitt von 12 Wochen ging. Die Obergrenze für Überstunden über drei Monate hebt die Regierung jetzt auf 46 Stunden an. Auch die Möglichkeiten zur Sonntagsarbeit werden ausgedehnt;  die vorgeschriebene Ruhepause zwischen zwei Arbeitsschichten wird von 11 auf 9 Stunden verringert. Überstundenzuschläge bleiben erhalten.

          Arbeitnehmer müssen Frei-Tage nehmen

          Manche Unternehmen müssten jetzt sieben Tage in der Woche arbeiten, erläutert das Ministerium. Die Regelung soll „für eine begrenzte Zeit und nur in bestimmten Sektoren gelten“. Die Regierung hat sich allerdings geweigert, im Gesetz ein Verfallsdatum der Lockerung festzulegen. Besondere Probleme erwartet sie etwa in der Landwirtschaft, wo die Erntehelfer fehlen werden. Sie rechnet nur mit einem Zehntel des üblichen Personalaufkommens.

          Die linken Oppositionsparteien erzürnen sich über die wachsenden Ungleichgewichte: „Einerseits verlängert und verschärft man die Ausgangssperre, auf der anderen Seite verlängert man die Arbeitszeiten für die Beschäftigten, ohne sie ausreichend zu schützen. Damit steigen die Ansteckungsrisiken“, schrieb der Abgeordnete der französischen Linkspartei,  Eric Coquerel, auf Twitter.

          Was die Arbeitnehmer angeht, die wegen Schließung der Unternehmen zuhause bleiben, so können die Unternehmen ihnen jetzt vorschreiben, dafür ihre Frei-Tage („RTT“) im Zusammenhang mit der 35-Stunden-Woche zu nehmen. Viele französische Beschäftigte erhalten jährlich eine bestimmte Zahl solcher Frei-Tage, wenn sie mehr als 35 Stunden pro Woche arbeiten. Etliche französische Unternehmen dürften nun die Ausgangssperre für die Verwendung der RTT nutzen. Denn sie können nicht akzeptieren, dass sich die Beschäftigten nach Beendigung der Ausgangssperre, wenn der Betrieb hoffentlich wieder hochläuft, gleich wieder freinehmen.

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