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Coronavirus : Das Impfdilemma

Amerikas Präsident Donald Trump besuchte Ende Juli den Hersteller Fujifilm Diosynth Biotechnologies, der Komponenten eines möglichen Impfstoffs herstellt. Bild: AFP

Präsident Trump will schnell einen Impfstoff gegen das Coronavirus bekommen. Doch Schnelligkeit allein reicht nicht. Die Menschen müssen auch mitmachen.

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          Nur weil Präsident Donald Trump das Ziel verfolgt, schnell ein Impfmittel gegen das Coronavirus zu bekommen, muss das nicht falsch sein. Jeder gewonnene Tag kann Leben retten. Tatsächlich können gerade die Massentests der dritten klinischen Phase langwierig sein. Um herauszufinden, ob ein Impfstoff wirkt, müssen Geimpfte und Nichtgeimpfte infiziert werden, damit sie verglichen werden können. Die meisten Menschen stecken sich aber gar nicht mit Corona an.

          Paradoxerweise erschweren die klassischen Schutzmaßnahmen wie die Nutzung von Atemschutzmasken die Wirksamkeitsprüfung für einen Impfstoff. So kann sich die Testphase über viele Monate hinziehen. Der Preis des Wartens ist hoch. Es geht nicht nur um die Krankheit selbst. Viele Menschen sind in einer verzweifelten Lage, weil sie ihr Geschäft oder ihre Stelle verloren haben oder weil sie abgeschnitten von Verwandten und Freunden vereinsamen.

          Ein Impfstoff, den keiner will, hilft am wenigsten

          Allerdings gilt es, einen anderen Faktor zu berücksichtigen. Die Wirksamkeit von Impfungen hängt davon ab, dass große Teile der Bevölkerung mitmachen. Dafür müssen sie Vertrauen in den Entwicklungsprozess haben und in die Institutionen, die ihn beaufsichtigen.

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          Die notorischen Impfgegner machen längst mobil, ihre Zustimmung in der Bevölkerung scheint noch zu wachsen. Wenn der Eindruck entsteht, dass der Genehmigungsprozess, der dem Schutz der Bevölkerung dienen sollte, politisiert wird, zerstört das Vertrauen.

          Das ist umso gefährlicher, weil mit der Globalisierung das häufigere Auftreten von Pandemien zur Realität wird. Man muss nicht Verschwörungstheorien anhängen, um sensibel für Impfrisiken zu sein. Als in den Fünfzigerjahren unter politischem Druck der Polio-Impfstoff eingeführt wurde, hat eine schlechte Charge zu Erkrankungen von vielen tausend Kindern geführt.

          Jüngste Gallup-Umfragen in der amerikanischen Bevölkerung zeigen, dass sich ein Drittel nicht gegen Covid-19 impfen lassen würde. Unter Nichtweißen beträgt der Anteil 40 Prozent, unter Republikanern 47 Prozent. Das sind schlechte Vorzeichen für eine Impfkampagne.

          Das Dilemma ist nicht leicht zu lösen. Eine übers Knie gebrochene Freigabe eines Impfstoffes, den keiner nehmen will, hilft aber am wenigsten.

          Winand von Petersdorff-Campen
          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

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