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Corona in Amerika : Trump sucht Beatmungsgeräte

Der amerikanische Präsident Donald Trump am Freitag im Weißen Haus in Washington Bild: EPA

100.000 Geräte in 100 Tagen ist das Ziel. Das sei vermutlich mehr als genug, vermutet der amerikanische Präsident. Dabei verzeichnet kein Land mehr infizierte Personen als die Vereinigten Staaten.

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          Der amerikanische Präsident Donald Trump versucht nach eigenen Angaben, binnen der nächsten 100 Tage 100.000 zusätzliche Beatmungsgeräte zu beschaffen, entweder durch Zukauf aus anderen Ländern oder durch zusätzliche Produktion. „Wir werden viele Beatmungsgeräte produzieren“, sagte Trump am Freitag im Weißen Haus. Details für den ambitionierten Plan blieb er allerdings schuldig. 

          Winand von Petersdorff-Campen
          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          100.000 Geräte entsprechen Trump zufolge dem dreifachen der amerikanischen Jahresproduktion. Es sei gut möglich, dass die Vereinigten Staaten die Geräte gar nicht brauchen würden, sie könnten dann nach Italien oder Großbritannien verkauft werden.

          Mit der Ankündigung reagiert der Präsident auf zum Teil verzweifelte Hilferufe von Bürgermeistern und Gouverneuren aus dem ganzen Land, die einen Mangel bei allen wichtigen Materialien beklagen: Gesichtsmasken, Schutzkleidung und Beatmungsgeräte. Selbst Tests sind immer noch knapp: Der Gouverneur von Nevada sagte am Freitag, sein Bundesstaat habe noch keine Testkits von den Bundesbehörden bekommen.  

          Gesetz aus Krisenzeiten aktiviert

          Trump steht wegen seines Krisenmanagements und relativierenden Äußerungen zur Corona-Pandemie in der Kritik. Noch am Vorabend hatte er im Sender Fox News Zweifel an dem von den Bundesstaaten beklagten Versorgungsmangel angebracht. „Ich glaube nicht, dass man 40.000 oder 30.000 Beatmungsgeräte braucht“, sagte er in einer Talkshow.

          Der Präsident warf speziell dem New Yorker Gouverneur Andrew Cuomo vor, den Bedarf zu übertreiben, weil der Bundesstaat die Beatmungsgeräte lagere. Cuomo sagte, dies zeige Trumps Unverständnis. New York rechne damit, dass die Pandemie ihren Höhepunkt in drei Wochen erreiche und dann die Hospitäler überfordere. Bis dahin würden allein in New York 30.000 zusätzliche Beatmungsgeräte benötigt. Einige davon halte er jetzt in Reserve.

          Kein Land verzeichnet mehr Coronavirusfälle als die Vereinigten Staaten. Die Pandemie breitet sich schnell im ganzen Land aus, mit neuen Krisenherden in Detroit und New Orleans. Trump fliegt an diesem Samstag nach Virginia, um der Abfahrt eines Hospitalschiffs der Marine in Richtung New York beizuwohnen.

          Am Freitag hatte Trump den Autokonzern General Motors mit der Ankündigung auf Twitter überrascht, das Unternehmen solle eines seiner stillgelegten Fabriken dazu nutzen, Beatmungsgeräte herzustellen. Er aktivierte nach eigenen Angaben ein für Krisenzeiten vorgesehenes Gesetz, das dem Präsident das Recht gibt, Unternehmen die Produktion bestimmter vitaler Güter zu befehlen. Er habe den Autokonzern angewiesen, die Beatmungsgeräte zu produzieren. Das Unternehmen habe sein Versprechen, bis zu 45.000 Geräte zu liefern, nicht schnell genug umgesetzt und  zudem viel Geld verlangt.

          General Motors hatte am Freitag eine Kooperation mit einem Medizintechnik-Unternehmen konkretisiert, das das Ziel verfolgt, im nächsten Monat erste Geräte in Indiana produzieren zu können. Später soll eine Monatsproduktion von 10.000 erreicht werden.

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