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Neuer Ärger um Corona-Schutz : Kassenärzte glauben nicht mehr an Impfstart im April

Im Landkreis Hof werden im Rahmen eines Pilotprojektes Corona-Impfungen durch Hausarztpraxen erprobt. Bild: dpa

Eigentlich wollten Gesundheitsminister Spahn und seine Länderkollegen die niedergelassenen Mediziner möglichst schnell einbinden. Doch daraus wird wohl nichts, wenn die Impfzentren bevorzugt beliefert werden.

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          Anders als von der Politik geplant, glauben die niedergelassenen Ärzte nicht daran, dass sie im April mit dem flächendeckenden Impfen gegen Covid-19 beginnen können. Damit stehe die dringend benötigte Beschleunigung der Immunisierungskampagne auf der Kippe, warnen sie.

          Christian Geinitz
          Wirtschaftskorrespondent in Berlin

          Die von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und seinen Länderkollegen beschlossene Änderung der Impfstrategie konzentriere sich in der Finanzierung und in der Bereitstellung der Impfstoffe auf die Impfzentren, kritisierte die Kassenärztliche Bundesvereinigung KBV am Donnerstag. „Erst danach folgen die Praxen mit den übrig gebliebenen Resten, das ist ein Unding“, sagte der stellvertretende KBV-Vorsitzende Stephan Hofmeister. Der Vorstandsvorsitzende Andreas Gassen stellte klar: „Wir befürchten, dass mit diesem Beschluss das wohnortnahe, flächendeckende und schnelle Impfen in den Praxen im April nicht mehr stattfinden wird.“

          „Es geht darum, maximale Geschwindigkeit zu erreichen“

          Die Massenimpfungen müssten „schnell und konsequent“ erfolgen. Das gehe nur mit den Praxen der Haus- und Fachärzte, „je eher, desto besser“, sagte Gassen: „Wenn wir eines nicht haben, dann ist es Zeit.“ Hofmeister zeigte sich empört über „solche politischen Beschlüsse, die Patienten und Ärzte gleichermaßen frustrieren“. Die Entscheidung mache es unmöglich, den Bürgern kurzfristig und umfangreich in ihrer Nähe ein Impfangebot zu unterbreiten. Statt dass die Kampagne Fahrt aufnehme, gehe sie im April so schleppend weiter wie zuvor, kritisieren die Vertragsärzte. „Den Impfturbo können wir so noch nicht auf Straße bringen“, befürchtet Gassen. Die Länder hätten ihm zufolge das Verfahren unnötig verkompliziert.

          Nach Angaben der KBV stehen die niedergelassenen Ärzte zum Impfen bereit, „jetzt und sofort – doch man lässt uns im Unklaren“. In den Praxen seien fünf Millionen Impfungen in der Woche machbar. „Es geht darum, maximale Geschwindigkeit bei den Impfungen zu erreichen. Es gibt aber offensichtlich noch einige, die das nicht verstanden haben“, so Gassen. Selbst wenn die Kapazitäten der Impfzentren aufgestockt würden, sei „ein schnelles Durchimpfen der Bevölkerung nicht zu erreichen“.

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          Der Virchowbund, der Verband der niedergelassenen Ärzte, forderte dazu auf, alle Fachrichtungen einzubeziehen, neben Hausärzten zum Beispiel auch Gynäkologen, HNO-Ärzte oder Augenärzte. „Das Vorhaben, bis zum Sommer jedem in Deutschland ein Impfangebot zu machen, kann nur gelingen, wenn alle, die impfen dürfen, auch impfen werden“, sagte der Bundesvorsitzende Dirk Heinrich. Die niedergelassenen Haus- und Fachärzte könnten zum „,Game changer‘ in der Pandemie-Bewältigung werden“. Die jährliche Grippeimpfung beweise, dass sie in der Lage seien, innerhalb weniger Wochen mehr als 20 Millionen Menschen zu impfen, so Heinrich.

          Er schränkte allerdings ein, dass man im Covid-19-Schutz die Ärzte von der bisher gültigen Impfreihenfolge entbinden müsse: „Die Liefermengen der Impfstoffe müssen so hoch sein, dass in den Praxen faktisch nicht mehr priorisiert werden muss.“ Engpässe in der Bereitstellung der Dosen sowie übertriebene Dokumentationspflichten könnten das Tempo hingegen drosseln: „Die Regierenden haben es in der Hand, ob in den Praxen mit voller Kapazität geimpft werden kann – oder ob wir uns in bürokratischen Details verlieren.“

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