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In Indien : Pfizer zieht Antrag auf Notfallzulassung zurück

Eine Frau erhält in einem Krankenhaus in Mumbai eine Impfung gegen Corona. Bild: EPA

Der Konzern hat einen schnellen Zulassungsweg gesucht, die indischen Behörden verlangen aber zusätzliche Tests. Im Land wird der Impfstoff dringend benötigt – denn schon die Hälfte der Bevölkerung könnte sich mit Corona infiziert haben.

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          Der amerikanische Pharma-Konzern Pfizer hat den Antrag auf Notfall-Zulassung seines mit der deutschen Biontech gemeinsam entwickelten Corona-Impfstoffes in Indien zurückgezogen. Neu Delhi hatte zuvor zwei deutlich preiswerteren Impfstoffen unter diesem Schema grünes Licht erteilt. 

          Christoph Hein
          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Indien braucht dringend Impfstoffe und bleibt bislang hinter dem geplanten Tempo der Impfkampagne zurück. Mehrere Untersuchungen haben in diesen Tagen ergeben, dass sich bis zu gut der Hälfte der fast 1,4 Milliarden Inder an Corona infiziert haben könnte.  

          Nach einer Untersuchung des Indian Council of Medical Research (ICMR) der Regierung haben sich 21,5 Prozent der Inder an dem Virus angesteckt – das entspräche rund 300 Millionen Menschen. Andere Untersuchungen kommen zu wesentlich dramatischeren Werten: Die Stadtregierung von Delhi erklärte, dass sich mehr als die Hälfte der gut 20 Millionen Einwohner der Hauptstadt infiziert hätte. Eine Erhebung der privaten Analysefirma Thyrocare Technologies an mehr als 700.000 Menschen ergab sogar, dass die Ansteckungsrate bei 55 Prozent läge – auf das Land hochgerechnet ergäbe dies eine Corona-Infektion von rund 750 Millionen Menschen.

          Bis August 300 Millionen Geimpfte

          Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, es brauche eine Ansteckung von 60 bis 70 Prozent der Menschen, um eine „Herdenimmunität“ zu schaffen. Offiziell liegt die Zahl der Infizierten in Indien bei 10,8 Millionen. Schon dies ist die zweithöchste Zahl weltweit. Der Zuwachs aber sinkt deutlich. Ihr Impfprogramm allerdings muss die größte Demokratie der Erde deutlich beschleunigen, will sie die von der Regierung gesetzten Ziele erreichen: Demnach sollen bis August 300 Millionen Inder gegen Corona geimpft sein. Mit einem Impftempo, dass zu bislang fast 5 Millionen Impfungen seit Beginn der Kampagne führt, dürfte das Ziel aus heutiger Sicht erst im Oktober erreicht werden. 

          Hohe Verschuldung

          Auch der Kampf gegen Corona, vor allem aber die schon zuvor grassierende Wirtschaftskrise, treibt Indien zu einer immer höheren Verschuldung: die als Wirtschaftsreformer angetretene Regierung unter Ministerpräsident Narendra Modi wird das Haushaltsdefizit von geplanten 3,5 Prozent der Wirtschaftsleistung im nächsten Fiskaljahr (31. März) auf 9,5 Prozent hochtreiben. Im folgenden Jahr soll es sich auf 6,8 Prozent verringern. Die Notenbank rechnete am Freitag mit einer Wachstumsrate von 10,5 Prozent in diesem Fiskaljahr (31. März). 

          Weil Indiens Regierung tief in die Steuerkasse greift, stiegen die Aktienkurse sofort um 5 Prozent, nachdem Finanzministerin Nirmala Sitharaman am Montag ihren Haushaltsentwurf mit einem Volumen von umgerechnet 480 Milliarden Dollar vorgelegt hatte. Seitdem eilen die Kurse von Rekord zu Rekord. Am Freitag beließ die Notenbank den Leitzins mit 4 Prozent zudem auf dem Rekordtief, das sie im Mai vergangenen Jahres gewählt hatte.

          Die deutlich hinter anderen Ländern zurückbleibenden Gesamtausgaben für den Gesundheitssektor will die Regierung im Jahresvergleich nun um 137 Prozent auf 30,1 Milliarden Dollar anheben. 350 Milliarden Rupien (3,9 Milliarden Euro) werden für den Kauf von Impfstoffen bereitgestellt. 

          Bombay BSE

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          Seinen Antrag auf Notfallzulassung eines solchen Impfstoffes hatte Pfizer im vergangenen Jahr als erster Hersteller weltweit gestellt. Indien hatte dann aber mit den deutlich preiswerteren Impfstoffen Covishield von Pfizer-Konkurrent Astra-Zeneca und der Universität Oxford sowie Covaxin von Bharta Biotech gemeinsam mit dem Indian Council of Medical Research zwei anderen Herstellern den Vorzug gegeben, obwohl sie ihre Notfall-Zulassungen später beantragt hatten.

          Behörde verlangt mehr Informationen

          „Aufgrund der Auskünfte bei einem Treffen und der Erkenntnis, dass die Regulierungsbehörde zusätzliche Informationen benötigen dürfte, hat das Unternehmen beschlossen, seinen Zulassungsantrag zu diesem Zeitpunkt zurückzuziehen“, heißt es nun in einer Erklärung der Amerikaner. 

          Dem Vernehmen nach hatte Pfizer einen besonders schnellen Zulassungsweg gesucht und sich dabei auf Genehmigungen in anderen Länder berufen, statt noch mal eigene, kurze Tests in Indien durchzuführen. Diese „bridging trials“ verlangen die Beamten, können freilich auch einzelne Ausnahmen dafür zulassen. Die Zulassungsbehörde erklärte, sie habe dem Antrag der Amerikaner aufgrund von Nebeneffekten in anderen Ländern nicht zugestimmt – diese müssten noch geprüft werden. Auch hätten Pfizer und Biontech keinen Versuch unternommen, eigene Daten in Indien selber zu erheben. 

          Werden dadurch Kapazitäten frei?

          Derzeit ist offen, ob durch diese Entscheidung Kapazitäten für andere Länder frei werden. Großbritannien hatte den deutsch-amerikanischen Impfstoff als erstes Land der Welt am 2. Dezember zugelassen. Pfizer will weltweit in diesem Jahr zwei Milliarden Impfdosen gegen Corona herstellen und erwartet einen Umsatz von mehr als 15 Milliarden Dollar damit. Mit der extrem tiefen Kühltemperatur, die der Impfstoff der Amerikaner und Deutschen verlangt, dürfte er es auf dem indischen Markt mit seinen schwachen Kühlketten sowieso sehr schwer gehabt haben.

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