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IfW-Chef Felbermayr : „Es ist zu befürchten, dass die Corona-Krise als Vorwand verwendet wird“

Gabriel Felbermayr, Präsident des Instituts für Weltwirtschaft (IfW) Kiel Bild: Frank Röth

Gabriel Felbermayr ist Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft und glaubt, dass Unternehmen wie die Lufthansa massive Staatshilfen benötigen werden. Im F.A.Z.-Interview erklärt er zudem, warum er „ein Revival der Inflation“ befürchtet.

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          Herr Felbermayr, Donald Trump macht wegen Corona die Grenzen für EU-Bürger dicht. Wie sehr werden solche Reisebeschränkungen, die es ja auch schon anderswo gibt, das Wirtschaftswachstum in Deutschland zusätzlich bremsen?

          Johannes Pennekamp
          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaftsberichterstattung, zuständig für „Die Lounge“.

          Reisebeschränkungen wirken vor allem auf den Tourismus, der in manchen Ländern ganz erhebliche Bedeutung hat. In kleinen Inselstaaten wie den Seychellen macht er zwei Drittel des Bruttoinlandsproduktes aus, in Kroatien immer noch ein Viertel, 15 Prozent in Österreich, 13 Prozent in Italien, und 9 Prozent in Deutschland. Wenn in Italien der Tourismus über ein Vierteljahr still steht, fehlen 3 Prozent im BIP.

          Gibt es dann auch Folgen für den noch viel wichtigeren Warenhandel?

          Ja, Reisebeschränkungen wirken direkt auf den Warenhandel, denn dieser erfordert ja oft die Mobilität von Personen, zum Beispiel von Lastwagenfahrern, oder Monteuren. Aus Studien zur Wirkung des Schengen-Abkommens wissen wir, dass ausgedehnte Personenkontrollen den Handel um circa 3 Prozent schrumpfen lassen. Im Gesundheitssektor existieren bereits jetzt erhebliche Zollbarrieren und nicht-tarifäre Hemmnisse. Eine Reihe von Ländern, darunter Deutschland, haben Exportbeschränkungen erlassen, die dazu führen, dass medizinische Güter nicht dort eingesetzt werden können, wo sie am nötigsten sind. Außerdem werden Anreize für Produktionsausweitungen bei diesen kritischen Gütern reduziert.

          Welche Gefahren entstehen daraus?

          Es ist zu befürchten, dass die Corona-Krise als Vorwand für eine weitere Ausdehnung auf andere Güter verwendet wird, und nationalistische Instinkte gestärkt werden – nach dem Motto: Die Chinesen sind schuld, die Europäer kriegen es nicht in den Griff, jetzt hilft in den Vereinigten Staaten nur mehr die Abschottung. Dann wird aus einer temporären medizinischen Krise eine Krise der Globalisierung, und damit verbunden ganz erhebliche wirtschaftliche Einbußen, vielleicht sogar ein Ende der billigen Güter und ein Revival der Inflation.

          Werden Reiseunternehmen wie die Lufthansa ohne Staatshilfen auskommen können?

          Sie werden massiv Staatshilfen brauchen, zunächst in Form des Kurzarbeitergeldes, was aus den Überschüssen der Bundesagentur für Arbeit bezahlt werden kann. Sie werden, wenn die Krise andauert, auch Liquiditätshilfen der KfW in Anspruch nehmen müssen. Wichtig ist, dass diese Hilfen über Banken laufen, die auch Teile des Risikos übernehmen. Sonst kann es passieren, dass Unternehmen gerettet werden, die auch ohne Corona-Krise keine Überlebenschance hätten.

          Auch die Geldpolitik ist gefragt. Ist bald Zeit für Helicopter-Money, also für Geld für alle von der EZB?

          Das wäre ein sehr wenig zielgerichtetes Instrument, das, wenn überhaupt, nur in einer sehr schweren Krise eingesetzt werden sollte, und im Kompetenzbereich der EZB angesiedelt wäre.

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