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Corona-Beschlüsse : Homeoffice-Verordnung gilt von kommendem Mittwoch an

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Das zunächst geplante härtere Vorgehen in Sachen Homeoffice hatte die Wirtschaftsvertreter auch deshalb verärgert, weil sich erst am Freitag Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier mit den Spitzen der Sozialpartner getroffen und mit ihnen einen gemeinsamen Aufruf zu mehr Homeoffice verbreitet hatte. Dass das Arbeitsministerium den Unternehmen dennoch kurz darauf mit Sanktionen drohen wollte, kam bei ihnen gar nicht gut an.

Wie Heil am Mittwoch ausführte, könne auch kein Arbeitnehmer zur Arbeit von zu Hause aus gezwungen werden, dafür fehle die rechtliche Grundlage. Fehlten etwa die technischen Voraussetzungen wie ein digitaler Anschluss oder sei die Arbeit im Homeoffice aus anderen Gründen nicht zumutbar, könnten Arbeitnehmer weiterhin ins Büro kommen. Eine nicht vorhandene technische Ausrüstung am heimischen Arbeitsplatz sei auch ein valider betrieblicher Grund, warum Homeoffice nicht vom Arbeitgeber ermöglicht werden könne. „Es wäre aber vernünftig für Unternehmen, in diesem Jahr die Chance zu nutzen, digital aufzurüsten“, sagte Heil. Dafür gebe es, wie am Dienstag von Finanzminister Olaf Scholz (SPD) angekündigt, auch neue steuerliche Abschreibungsmöglichkeiten.

Öffentliche Verwaltung muss sich „an die eigene Nase fassen“

Durch mehr Arbeiten von zu Hause aus erhoffen sich Bund und Länder eine Verringerung der Kontakte auf dem Arbeitsweg und am Arbeitsplatz. Dies soll dazu beitragen, die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen. Eine stärkere Verlagerung der Büroarbeit nach Hause könnte die Zahl der Infektionen nach Berechnungen von Wirtschaftswissenschaftlern deutlich verringern. Forscher um den Bonner Ökonomieprofessor Hans-Martin von Gaudecker haben in einem Rechenmodell eine Erhöhung der Homeoffice-Quote (die derzeit auf 25 Prozent geschätzt werde) auf 35 Prozent simuliert. Die Zahl der Neuinfektionen könne dadurch Ende Februar um gut ein Viertel geringer sein.

Der Digitalverband Bitkom sieht bei der verschärften Homeoffice-Regelung vor allem die öffentliche Verwaltung in der Pflicht. Dort gebe es den größten Handlungsbedarf. „Die meisten der fünf Millionen Beschäftigten der Öffentlichen Hand könnten
von ihrer Tätigkeit her auch zu Hause arbeiten, den wenigsten wird es bislang ermöglicht“, erklärte Bitkom-Präsident Achim Berg am Mittwoch. 

Die Verpflichtung gegenüber den Unternehmen solle ebenso auf die öffentliche Verwaltung angewandt werden, forderte er. Hier müsse sich die Politik in Bund, Ländern, Städten und Gemeinden „an die eigene Nase fassen“. Laut einer Bitkom-Studie, für die im Oktober und November rund 1500 Erwerbstätige von 16 Jahren an telefonisch befragt wurden, lassen sich nach Angaben Bergs 55 Prozent aller Jobs zumindest teilweise auch von zu Hause aus erledigen. „Allerdings nehmen dies nur 45 Prozent der Erwerbstätigen wahr. Dabei arbeiten lediglich 25 Prozent der Homeoffice-Berechtigten vollständig zu Hause, 20 Prozent zumindest teilweise.“

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