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Corona-Krise : Der Handel sucht die Rettung auf Online-Plattformen

Tristesse statt buntem Treiben: Nur wenige Passanten sind noch in den Einkaufsstraßen wie hier in Hamburg unterwegs. Bild: dpa

Vor allem die Einzelhändler leiden unter dem Lockdown. Ihre Hoffnungen setzen sie jetzt unter anderem auf den Verkauf von Gutscheinen im Internet. Doch Handelsexperten warnen.

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          Kleine Einzelhändler sind in großer Not. Was bei ihnen jetzt aber gerade überläuft, ist der Briefkasten, der reale und der virtuelle. Schier unendlich sind die Angebote von Plattformanbietern, die selbständige Einzelhändler auffordern, doch über sie ihre Internetpräsenz zu erhöhen.

          Georg Giersberg

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Der Betriebswirt“.

          Zwei Berliner haben unter der Adresse supportyourlocal eine Plattform ins Leben gerufen, auf der kleine Geschäfte und Restaurants Gutscheine anbieten, die jetzt bezahlt und nach der Corona-Krise eingelöst werden. Diese Plattform zeigt schon, wie schwer es ist, genug Masse zusammen zu bekommen.

          Wenn man dort nach Händlern und Gastronomen aus Frankfurt sucht, erhält man als Suchergebnis einen Geschenkartikelhändler in mittelhessischen Limburg, einen Handyladen in Ober-Ramstadt im Odenwald und eine Gutsschänke Dietz in Oppenheim in Rheinhessen. Der Plattformanbieter behauptet, bisher seien 1540 Gutscheine über 55.708 Euro verkauft worden. Das wären im Durchschnitt 10 Gutscheine zu je 36 Euro für die 147 teilnehmenden Handels- und Gaststättenbetriebe.

          Buchhändler steigern Online-Umsatz deutlich

          Das scheint Gerrit Heinemann zu bestätigen. Der Handelsexperte von der Hochschule Niederrhein hält lokale Internetplattformen für keine gute Idee. Bisher gebe es kein einziges erfolgreiches Beispiel. Selbst die erfolgreichsten hätten es in ihrer besten Zeit nur auf zwei Aussendungen je Woche „für die gesamte Plattform“ gebracht. Es gebe in Deutschland keinen Mangel an Plattformen, über die der Einzelhandel sein Onlinegeschäft abwickeln könnte.

          Nach einer Umfrage der IHK Bonn fehlen den meisten Einzelhändlern die Voraussetzung für aktiven Onlinehandel, nämlich ein funktionierendes Warenwirtschaftssystem. Wer für das Onlinegeschäft gut aufgestellt ist, schließt sich häufig den großen Plattformen Amazon und Ebay an, deren Marktanteil von 95 Prozent zumindest eine gewisse Aufmerksamkeit der Kunden garantiere.

          Dennoch ist am 30. März eine deutsche branchenübergreifende Handelsplattform unter dem Namen shopdaheim.de an den Start gegangen. Diese Plattform, die zunächst vor allem von den Buchhandelsketten Thalia, Mayersche und Osiander getragen wird, hat schon vom Start weg auch andere Ketten dabei, darunter die mehr als 150 Blumenläden von Blume2000, aber auch Globus-Märkte (mit ihrem Buchangebot), den Bahnhofsbuchhändler Schmitt & Hahn oder die norddeutsche Kette schreib-fit Schmidt.

          Schon in den ersten Tagen haben sich aber auch einige Einzelbuchhändler angeschlossen, die ihr Angebot auch online vermarkten. „Es ist jetzt notwendig, die Vertriebskanäle online und stationär so miteinander zu vernetzen, dass der Handel in unserer Gegend, der mit attraktiven Läden unsere Innenstädte bereichert, eine erfolgreiche Zukunft hat. Deshalb sollen die Menschen die Buchhandlungen und Läden, in denen sie bisher gerne gekauft haben, auch online erreichen können“, beschreibt Thalia das Ziel der neuen deutschen Einzelhandelsplattform. Thalia selbst berichtet davon, dass der Onlineumsatz seit Beginn der Corona-Krise um 200 Prozent zugelegt, sich also verdreifacht habe.

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