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Corona-Krise : Frankreich verdoppelt Soforthilfen für Unternehmen

Ein Mann joggt auf einer fast menschenleeren Straße am Seineufer in Paris entlang. Bild: dpa

Die Regierung stellt 100 Milliarden Euro bereit – und das ist vielleicht nicht das Ende. „Ganze Teile der Wirtschaft können von der Krise vernichtet werden“, sagt Finanzminister Bruno Le Maire.

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          Die Schleusen für die Staatsausgaben sind nicht nur weit geöffnet, sie scheinen vom Strom der Corona-Krise förmlich weggerissen zu werden. Dieses Phänomen kann man derzeit unter anderem in Frankreich beobachten: Innerhalb von drei Wochen hat die Regierung der zweitgrößten Volkswirtschaft Europas die Soforthilfen für die Unternehmen mehr als verdoppelt. Von 45 Milliarden Euro werden sie auf 100 Milliarden Euro erhöht, wie der Finanz- und Wirtschaftsminister Bruno Le Maire bekanntgab. „Wir tun alles, um die Unternehmen zu retten“, sagte er in einem Interview mit der französischen Wirtschaftszeitung Les Echos und deutete schon an, dass die Summe weiter steigen könnte.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Der Staat muss immer mehr Geld aufwenden, weil die Ausgangssperre und damit der teilweise Stillstand der Wirtschaft immer länger andauert. Präsident Emmanuel Macron hat schon ankündigen lassen, dass die Ausgangsbeschränkungen über die bisher geltende Frist vom 15. April hinaus verlängert werden. Ein erheblicher Teil der Staatshilfen betrifft das Kurzarbeitergeld, das nach dem Selbstlob der Regierung „das großzügigste System Europas“ ist.

          Am 17. März hatte die Regierung dafür noch 8,5 Milliarden Euro budgetiert. Inzwischen sind dafür mehr als 20 Milliarden Euro vorgesehen, wie die Arbeitsminister Muriel Pénicaud bekanntgab. Zudem sind nun Mittel von 4 Milliarden Euro für den Kauf von Schutzmaterial des Gesundheitspersonal enthalten. Die Zuschüsse für kleine Unternehmen, vor allem Ladenbesitzer, verdreifachen sich auf 6 Milliarden Euro.

          Unternehmen sollen notfalls verstaatlicht werden

          Die staatliche Neuverschuldung wird nach Berechnung des Haushaltsminister Gérald Darmanin damit 2020 auf 7,6 Prozent des Bruttoinlandproduktes (BIP) steigen – knapp oberhalb der 7,5 Prozent während der Finanzkrise 2009 und damit der höchste Wert der Nachkriegsgeschichte. Die staatliche Gesamtverschuldung klettere von rund 98 Prozent bis Ende des Jahres auf 112 Prozent des BIP.

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          Finanzminister Le Maire unterstrich, dass die Regierung besonders rund 20 großen Unternehmen helfen wolle, zur Not auch durch Verstaatlichungen. Die niedrigen Börsenbewertungen dürften sie nicht zum Opfer von unerwünschten feindlichen Übernahmen machen, hatte er zuvor gesagt.

          An vorderster Front steht die Fluggesellschaft Air France-KLM, für die ein Notkredit von mehreren Milliarden Euro im Gespräch ist. Die französische Regierung erwartet nach dem Ende der Krise keine rasche Erholung. Die Touristen würden etwa nicht sofort zurückkommen, sagte Le Maire. Auch in der Industrie mit ihren weitverzweigten Lieferketten könnte der Neustart seine Zeit brauchen, wenn man bedenke, dass etwa in einem Airbus-Passagierflugzeug 500.000 Einzelteile enthalten seien.

          Inflationserwartungen im Angesicht der Geldflut sind derzeit die geringsten Sorgen der französischen Regierung. „Wir rechnen mit einer Preissteigerung von 0,5 Prozent in diesem Jahr, die vor allem mit dem Absturz des Ölpreises zu tun hat. Mich beunruhigt mehr, dass  ganze Teile der Wirtschaft von der Krise vernichtet werden können“, sagte Le Maire.

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