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Folgen der Pandemie : Autoabsatz in der EU sinkt um 76 Prozent

  • Aktualisiert am

Mitarbeiter in einem Volkswagen-Werk in Portugal. Bild: dpa

Die Corona-Krise wirkt sich verheerend auf die Autobranche aus. Deutschland ergeht es dabei noch besser als anderen europäischen Staaten.

          3 Min.

          In der Coronakrise ist der Automarkt in der Europäischen Union fast zum Erliegen gekommen. Im April kamen lediglich rund 271.000 Neuwagen auf die Straßen, 76 Prozent weniger als vor einem Jahr. Das gab der europäische Herstellerverband ACEA am Dienstag in Brüssel bekannt. Dies sei der schärfste monatliche Rückgang seit Beginn seiner Aufzeichnungen, so der Verband. Grund war der fast vollständige Stillstand sowohl der Autoproduktion als auch des Autohandels zur Eindämmung der Pandemie.

          Am stärksten sank der Absatz in Italien und Spanien mit ungefähr 97 Prozent. Beide Länder sind besonders stark von der Pandemie betroffen. In Frankreich fielen die Neuzulassungen um 88,8 Prozent und in Deutschland um 61 Prozent.

          Alle in der ACEA-Statistik geführten Marken verbuchten prozentual hohe zweistellige Verkaufsrückgänge. In Großbritannien, das nicht mehr zur EU gehört, fielen die Pkw-Verkäufe ebenfalls um 97 Prozent. Seit Jahresbeginn gab die Pkw-Nachfrage in der EU um fast 40 Prozent auf 2,75 Millionen Fahrzeuge nach. Im März hatten sich die Neuzulassungen bereits mehr als halbiert, weil in der Krise kaum Autos verkauft werden.

          „Jeder vierte Arbeitsplatz hängt vom Export ab“

          Die Fachleute des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) rechnen für dieses Jahr nun mit einem historischen Rückgang der deutschen Wirtschaftsleistung, und sie sind noch pessimistischer als die Bundesregierung. „Auf Basis unserer Umfrage-Ergebnisse müssen wir aktuell von einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts im zweistelligen Prozentbereich ausgehen“, sagte DIHK-Präsident Eric Schweitzer. Die Regierung geht von einem Minus von 6,3 Prozent aus. Schon das wäre der größte Rückgang der Nachkriegszeit.

          Der DIHK hat gerade Tausende Mitgliedsunternehmen befragt und macht vor allem in der Industrie düstere Perspektiven aus. Drei Viertel der dortigen Betriebe berichten von einer sinkenden Nachfrage, 80 Prozent rechnen mit teils erheblichen  Umsatzrückgängen. „Wenn wir uns in der Welt umsehen, spüren wir mittlerweile alle Anzeichen einer Weltwirtschaftskrise“, sagte Schweitzer. „Bei uns hängt jeder vierte Arbeitsplatz direkt vom Export ab, in der Industrie sogar jeder zweite.“

          Um die Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen, plant die Bundesregierung ein Konjunkturpaket. Schweitzer forderte aber schon kurzfristig weitere Hilfen. Besonders für kleinere und mittlere Betriebe gebe es steuerliche Entlastungen. „Das reicht aber für viele Unternehmen bis zum Jahresende nicht aus. Sie müssen alles, was sie in diesem Jahr an Verlusten realisieren, auch sofort mit Gewinnen aus den Vorjahren verrechnen können. Das bringt schnell Geld in die Kasse.“ Das Geld über eine verbesserte Verlustverrechnung vorzeitig vom Finanzamt zurückzubekommen, sei besser, als es sich selbst leihen zu müssen.

          Das könnte laut DIHK vielen Betrieben helfen. Denn die Liquiditätssorgen nehmen zu. Mehr als jedes zweite Industrieunternehmen meldet einen Rückgang des Eigenkapitals, etwa vier von zehn berichten von Liquiditätsengpässen. In der Not werden geplante Investitionen auf Eis gelegt oder die entsprechenden Budgets zusammengestrichen. Das gilt für zwei von drei großen Industriekonzernen. Arbeitsplätze werden immer öfter abgebaut.

          Die deutschen Industriebetriebe haben unterdessen zumindest zu Beginn der Pandemie noch keine Stornierungs-Welle erlitten. Der Auftragsbestand sank im März um 0,9 Prozent zum Vormonat, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte. Dabei schmolz der Bestand aus dem Inland um 1,3 Prozent, der aus dem Ausland um 0,6 Prozent.

          „Die Corona-Pandemie hatte im März 2020 damit noch keine deutlichen Effekte auf den Auftragsbestand im Verarbeitenden Gewerbe in Deutschland“, lautet das Fazit des Statistikamtes. „Insbesondere zeigen die Daten an, dass die Industriebetriebe insgesamt keine außergewöhnlich umfangreichen Auftragsstornierungen registriert haben.“ Die Reichweite des Auftragsbestandes betrug unverändert 5,8 Monate. Diese Zahl gibt an, wie lange die Betriebe bei gleichbleibendem Umsatz ohne neue Bestellungen theoretisch produzieren müssten, um die vorhandene Nachfrage abzuarbeiten.

          Fachleute rechnen allerdings damit, dass die weltweite Rezession zu einem Kollaps der Bestellungen und zu massiven Stornierungen führen wird. Bereits im März sammelte die deutsche Industrie 15,6 Prozent weniger Aufträge ein als im Vormonat – einen so starken Einbruch hat es bislang noch nicht gegeben.

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