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Ringen um die Exit-Strategie : Das rettende Ufer

Auf Abstand: Bundeskanzlerin Merkel will sich noch nicht auf eine Exit-Strategie festlegen. Bild: AFP

Das Kabinett segnet neue Kredithilfen für den Mittelstand ab. Das bringt Zeit – um diese zu nutzen, muss Merkels Regierung dem Beispiel Österreichs folgen.

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          Beratungsresistenz kann man der deutschen Politik im Kampf gegen das Coronavirus wahrlich nicht vorwerfen. Am Montag reagierte das Kabinett auf die Kritik an seinem Rettungsschirm für Unternehmen und beschloss, zeitlich begrenzt für Kredite bis zur Höhe von 800.000 Euro komplett zu haften.

          Indem die Hausbanken somit aus der Verantwortung genommen werden, soll die Vergabe überlebenswichtiger Darlehen gerade für kleinere und mittlere Unternehmen beschleunigt werden. Dass die Privatbanken umgehend darauf verwiesen, dass sie die Kredite dennoch pflichtgemäß prüfen müssten, wenn nicht auch dafür die Vorgaben geändert würden, zeigt die strukturelle Herausforderung dieser Rettungspolitik: Eine „gute Tat“ zieht oftmals gleich die nächste nach sich.

          Dennoch lassen sich auch die neuerlichen Kredithilfen auf Kosten der Allgemeinheit rechtfertigen. Wie die ausgeweitete Kurzarbeit und bisherige Finanzhilfen dienen sie dazu, Arbeitgebern wie Arbeitnehmern eine solide Brücke zu bauen, die sie über den Stillstand großer Teile des Wirtschaftslebens hinwegführt. Doch an welches Ufer? Endete die Brücke im Nichts, würde der Fall tief und umso teurer.

          Fahrplan zur Normalität

          Wirtschaftliches Handeln fußt zu einem Gutteil auf Psychologie. Deshalb werden die Rufe nach einem Ausweg aus dem Stillstand immer lauter. Denn ein Rettungskredit mag zwar akute Sorgen eines beschäftigungslosen Handwerkers oder Geschäftsinhabers wegen seiner Fixkosten lindern. Geld verdienen wird er aber erst wieder, wenn potentielle Kunden ihre Konsumzurückhaltung aufgeben, weil sie nicht mehr fürchten, sich auf Dauer mit Gehaltsabstrichen durch Kurzarbeit arrangieren zu müssen oder gar ihren Arbeitsplatz zu verlieren.

          Deshalb braucht Deutschland ähnlich wie Österreich rasch einen Fahrplan auf dem Weg zurück zur Normalität. Es wird eine Fahrt mit vielen Haltestellen, das ist klar. Auch ein gelegentlicher Wechsel der Fahrtrichtung ist nicht ausgeschlossen. Denn über allem steht das Primat der Gesundheit. Doch ohne diese Perspektive droht ein Großteil der gigantischen Rettungsmaßnahmen ins Leere zu laufen.

          Sven Astheimer
          Verantwortlicher Redakteur für die Unternehmensberichterstattung.

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