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Deutsche Corona-Politik : Weltmeister im Rechtfertigen

Ein Foto von Anfang Februar: Helfer warten im vierten Impfzentrum in Berlin auf Patienten. Bild: dpa

Immer mehr Menschen beschleicht das Gefühl, dass Deutschland auf all seinen politischen und administrativen Ebenen überfordert ist. Dieser Vertrauensverlust ist ein Posten auf der Rechnung, die am Ende der Corona-Krise stehen wird.

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          Der frühere Exportweltmeister Deutschland schickt sich in der Corona-Krise an, zum Weltmeister der Rechtfertigungen zu werden: Die späte Impfstoffbestellung und -zulassung, die erfolglose Corona-App, die nicht genutzten Impfdosen und jetzt der verspätete Start der Massentests, die Jens Spahn noch immer als „Erfolgsrezept“ verteidigt – für alles gibt es irgendeine vermeintlich gute Erklärung. Es ist angesichts der vielen Anschauungsbeispiele aus dem Ausland und der heranrollenden dritten Welle nur leider der Punkt überschritten, an dem noch irgendjemand für all das Verständnis hätte. Warum braucht es für Impfungen in Arztpraxen erst Pilotprojekte? Und warum muss erst immer etwas schiefgehen, bevor sich etwas ändert?

          Es ist müßig, darüber zu streiten, ob die Versäumnisse in Summe nun ein „Staatsversagen“ sind. Fakt ist: Immer mehr Menschen beschleicht das Gefühl, dass Deutschland auf all seinen politischen und administrativen Ebenen überfordert ist und längst nicht so gut funktioniert wie geglaubt. Dieser Verlust ist einer der schmerzhaften Posten auf der Rechnung, die am Ende der Corona-Krise stehen wird.

          Umso wichtiger ist es, den Schaden jetzt mit allen Mitteln zu begrenzen. Der – leider auch verspätet vorgelegte – stufenweise Öffnungsplan bietet dafür die Grundlage. Auf einem einzigen Blatt Papier kann nun jeder nachlesen, unter welchen Bedingungen er wann wieder zum Shopping und in den Biergarten darf. In zwei Wochen mit Test und Termin im Außenbereich von Restaurants einkehren zu dürfen ist endlich mal eine positive Aussicht, die motivieren statt frustrieren kann.

          Der Öffnungsplan ist nicht das Problem

          Händlern und Gastronomen geht das alles zu langsam. Das ist verständlich, kann aber nicht der Maßstab für die politischen Entscheidungen sein. Nicht der Öffnungsplan ist das Problem, sondern die langsamen Impfungen und Tests, die jeden menschlichen Kontakt noch immer zu einer potentiell tödlichen Gefahr machen.

          Pragmatismus und Eigenverantwortung müssen endlich über Verordnungen und Bedenken die Oberhand gewinnen. Tübingens Oberbürgermeister, der längst Schnelltests ermöglicht, und manch andere zupackende Kommunalpolitiker machen seit Wochen vor, wie das geht: mit Mut und ohne Perfektionismus – für die ist keine Zeit mehr.

          Johannes Pennekamp
          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaftsberichterstattung.

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