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Medienkonzern : Corona beschleunigt die Digitalisierung von Bertelsmann

Sitz von Bertelsmann in Gütersloh. Bild: dpa

Die hohen Zugriffs- und Zuschauerzahlen zeigen es: In diesen Zeiten haben die Menschen ein hohes Bedürfnis nach Unterhaltung und Information. Trotzdem erwartet Bertelsmann wegen des Virus ein schweres zweites Quartal.

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          Es war eine gespaltene Botschaft, die Bertelsmann-Chef Thomas Rabe anlässlich der Vorstellung der Konzernbilanz für 2019 verbreitete. Dem Blick zurück auf das vergangene Jahr mit neuen Bestwerten für das operative Ergebnis folgte die Unsicherheit darüber, wie stark die Corona-Krise in diesem Jahr die Geschäfte des Medien- und Dienstleistungsunternehmens eintrüben wird. „Wir stehen ganz am Anfang der wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise“, sagte Rabe am Dienstag in einer Telefonkonferenz mit Journalisten.

          Carsten Germis
          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Im ersten Quartal seien die Werbemärkte für die Mediengruppe noch „im Rahmen der Erwartungen“ geblieben. „Das zweite Quartal wird wegen Corona schwieriger.“ Der Bertelsmann-Chef kündigte an, dass auch der Gütersloher Konzern in seinen Unternehmen das Instrument der Kurzarbeit einsetzen werde, um Entlassungen zu vermeiden. Bislang gebe es Kurzarbeit aber nur „vereinzelt“ bei der Dienstleistungstochter Arvato.

          Nach dem guten Geschäftsjahr 2019 sieht Rabe den Bertelsmann-Konzern insgesamt aber trotz der Corona-Krise gut gerüstet für das laufende Jahr. Bertelsmann sei sehr liquide und habe eine gute Bonität. „Mit der breiten Aufstellung unserer Geschäfte sind wir weniger anfällig für konjunkturelle Schwankungen und können weiter in unsere Zukunft investieren, ohne an die Substanz zu gehen.“ Das Coronavirus hat für den Konzern trotz der wirtschaftlichen Risiken auch positive Effekte.

          Bedürfnis nach Unterhaltung 

          Die Menschen hätten ein erhöhtes Bedürfnis nach Information und auch nach Unterhaltung, sagte Rabe. Die Sendergruppe RTL registriere eine längere Fernsehnutzung der Kunden, aber auch der Zeitschriftenverlag Gruner + Jahr, der etwa die Magazine „Stern“ und „Brigitte“ in seinem Portfolio hat, verzeichne eine steigende Nachfrage im Verkauf und nach Abos. Der Digitalisierungsstrategie der Mediengruppe könnten die von der Politik verhängten Ausgangsbeschränkungen sogar einen Schub geben.

          Die ganze Online-Welt habe in Corona-Zeiten klare Vorteile, sagte Rabe. Die Verlagsgruppe Penguin Random House verzeichne eine erhöhte Nachfrage nach digitalen Büchern, und bei dem Musikunternehmen BMG boome das Musikstreaming. Schon im Jahr 2019 lag der Anteil der Digitalgeschäfte am Konzernumsatz mit 51 Prozent erstmals über der Zielmarke von 50 Prozent.

          Die Kehrseite: Im März gab es im Werbemarkt erste Corona-Effekte, die sich Rabe zufolge im zweiten Quartal verstärken werden. Wenn Läden geschlossen haben und Reisen ausfallen, muss für deren Produkte auch nicht geworben werden. Auch die Buchlogistik ist von den Ausgangsbeschränkungen betroffen. Viele Buchläden sind geschlossen, E-Books und Onlinehandel können diese Lücke nur teilweise schließen.

          Appell an die Verantwortung

          Die Medienunternehmen haben nach Ansicht des Bertelsmann-Chefs auch eine besondere gesellschaftliche Verantwortung. „Wir informieren seriös und unterhalten Millionen von Menschen, die sich zur Eindämmung der Coronavirus-Ausbreitung nie dagewesenen Einschnitten in ihr Privat- und Berufsleben ausgesetzt sehen“. Wie lange können Wirtschaft und Gesellschaft diesen Stillstand aushalten? Der Bertelsmann-Chef rechnet mit vier bis sechs Wochen, das entspreche in etwa dem, was in China passiert sei. Dort ziehen nach seinen Angaben auch die Geschäfte von Bertelsmann wieder an.

          „Die Strategie von Bertelsmann bleibt unverändert“, sagte Rabe. Die Medien- und Dienstleistungsgruppe sehe sich in einer neuen Dimension des Wettbewerbs mit den Tech-Plattformen aus Amerika. „Unser Anspruch ist es, das technologisch führende Medien- und Dienstleistungs- und Bildungsunternehmen zu werden.“ Im Jahr 2019 erhöhten sich auch dank wachsender Digitalgeschäfte die Erlöse im Konzern. Der Gesamtumsatz betrug 18 Milliarden Euro und lag damit um 2 Prozent über dem Vorjahreswert von 17,7 Milliarden Euro. Organisch, also ohne Sondereffekte, lag der Anstieg bei 1,2 Prozent. Der Gewinn lag mit 1,09 Milliarden Euro leicht unter dem Ergebnis von 2018 mit 1,1 Milliarden Euro – aber zum fünften Mal bei mehr als einer Milliarden Euro.

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