https://www.faz.net/-gqe-9xqr6

Coronakrise : Australien nimmt die nächsten Milliarden in die Hand

Auch der bekannte Bondi Beach wurde abgesperrt. Bild: AFP

Bondi-Beach ist geräumt, Bundesstaaten schließen ihre Grenzen: Australien pumpt nun ein Zehntel seiner Wirtschaftsleistung in den Kampf gegen das Coronavirus.

          2 Min.

          Die australische Regierung stützt die heimische Wirtschaft mit der nächsten Dollar-Tranche: Am Sonntag stellte sie 66 Milliarden Australische Dollar (35,8 Milliarden Euro) bereit, um dem Mittelstand zu helfen. Vergangene Woche hatte sie ein erstes Paket im Wert von 17,6 Milliarden Australischen Dollar bewilligt, die Notenbank mehr als 90 Milliarden Australische Dollar unter anderem für den Verkauf von Staatsanleihen freigegeben. Insgesamt hat Australien nun im Kampf gegen Corona finanzielle Unterstützung im Wert von rund 10 Prozent seiner jährlich Wirtschaftsleistung zugesagt. Dank seiner Bodenschätze hat das Land 29 Jahre keine Rezession durchlitten und selbst die Weltfinanzkrise abgewettert, nun aber dürfte es im ersten und zweiten Quartal schrumpfen.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Die Regierung sichert jetzt Kredite an den Mittelstand und stärkt Arbeitslose. Sozialhilfeempfänger bekommen für 14 Tage zusätzliche 550 Australische Dollar. Zugleich erhalten sie und Veteranen zum zweiten Mal eine Extra-Zahlung von 750 Dollar, um die Nachfrage anzukurbeln. Die Regierung erlaubt ihren Bürgern, bis zu 10.000 Dollar steuerfrei aus ihrer Rentenrücklage abzuziehen, wenn ihr Geld knapp wird. Eine zweite Tranche gleicher Höhe könne sie ab Juli ziehen. Die Steuerzahler garantieren Bankkredite an Kleinunternehmer in Höhe von insgesamt 40 Milliarden Dollar.

          Was wird aus den Minenarbeitern?

          Mittelständler bekommen bis zu 100.000 Dollar, um Löhne zahlen zu können. Die Arbeitslosenrate dürfte rasch steigen: Mit der Fluggesellschaft Qantas sieht sich eines der größten Unternehmen des Landes gezwungen, rund 20.000 Menschen in den unbezahlten Zwangsurlaub zu schicken. Zugleich sind zahlreiche Australier noch durch die Dürren, Brände und Fluten der vergangenen Monate finanziell belastet. Ministerpräsident Scott Morrison kündigte an, weitere Rettungspakete in den nächsten Tagen ausarbeiten zu lassen. Seit dem ersten Paket vor gut einer Woche habe sich die Lage verschärft: „Wir erwarten jetzt, dass der wirtschaftliche Schock tiefer, breiter und länger dauern wird“, warnte Schatzkanzler Josh Frydenberg am Sonntag.

          Nach Tasmanien schlossen am Sonntag auch die Bundesstaaten Südaustralien und Westaustralien ihre Grenzen für den inneraustralischen Verkehr: Wer künftig einreisen will, muss zwei Wochen in Selbstquarantäne – so, wie etwa der Stadtstaat Singapur mit allen Einreisenden schon in den vergangenen Tagen verfährt.

          Ab Montagabend schließt Singapur seine Grenze für alle Einreisenden, die keine Aufenthaltsgenehmigung haben, vollständig. Für Australien wird der Umgang mit seinen Minenarbeitern unter diesen Bedingungen schwierig: Nicht wenige fliegen über Grenzen von Bundesstaaten ein („fly in – fly out“), um auf Bohrinseln oder in entlegenen Minen Bodenschätzen zu fördern. Noch ist unklar, wie mit ihnen umgegangen werden soll. Dafür zeichnet sich ab, dass die meisten Schulen entlang der Ostküste ab Dienstag schließen werden. Auch weltbekannte Strände wie Bondi Beach in Sydney, wo bei den Olympischen Spielen 2000 das Beach-Volley-Ball-Turnier ausgetragen wurde, sind inzwischen wegen der Ansteckungsmuster unter Rucksackreisenden gesperrt.

          Weitere Themen

          Lob für Merkel, Kritik an Kurz

          Österreichischer Bankchef : Lob für Merkel, Kritik an Kurz

          „Einen wirklich großartigen Plan“ nennt der Chef der größten österreichischen Bank den Vorschlag, die EU solle gemeinsame Schulden machen und das Geld als Zuschüsse an Krisenstaaten vergeben. Bernhard Spalt geht damit auf Konfrontation zu Kanzler Kurz.

          Konsumklima erholt sich langsam Video-Seite öffnen

          Nach ersten Lockerungen : Konsumklima erholt sich langsam

          Maskenpflicht und Abstandsgebot drücken auf die Konsumlaune der Deutschen und machten Einkaufen zuletzt eher zur lästigen Pflichtübung als zum Shopping-Erlebnis. Mit den ersten Lockerungen in der Coronakrise allerdings hat sich die Verbraucherlaune wieder etwas aufgehellt.

          Topmeldungen

          „Ich soll innerhalb von einer Stunde Stellung nehmen. Ich habe Besseres zu tun“, schrieb Drosten über die Anfrage der „Bild“

          „Bild“ gegen Drosten : Die versuchte Vernichtung

          Die Kampagne der „Bild“-Zeitung gegen den Virologen Christian Drosten legt vor allem eines offen: Das Desinteresse vieler an den Fakten für eine angemessene Pandemie-Politik.
          Haben verschiedene Vorstellungen vom „Wiederaufbau“: Angela Merkel und Sebastian Kurz

          Österreichischer Bankchef : Lob für Merkel, Kritik an Kurz

          „Einen wirklich großartigen Plan“ nennt der Chef der größten österreichischen Bank den Vorschlag, die EU solle gemeinsame Schulden machen und das Geld als Zuschüsse an Krisenstaaten vergeben. Bernhard Spalt geht damit auf Konfrontation zu Kanzler Kurz.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.