https://www.faz.net/-gqe-9yn6m

Corona-Ausbruch : Australien fordert unabhängige Untersuchung in China

Die australische (l) und die chinesische Flagge vor dem australischen Parlament in Canberra Bild: EPA

Präsident Xi Jinping sei „arrogant“ und müsse sich einer internationalen Untersuchung stellen. Zudem sollte der Westen die Lieferketten neu ausrichten, mahnt der langjährige australische Außenminister Alexander Downer – eigentlich ein Peking-Freund.

          2 Min.

          Einer der Architekten der engen Beziehung Australiens zu seinem mit Abstand wichtigsten Handelspartner China geht mit Peking hart ins Gericht. Der langjährige australische Außenminister Alexander Downer greift die Führung unter President Xi Jinping frontal an: „Sie haben versucht, die Verbreitung des Virus in andere Teile Chinas aufzuhalten, aber sie haben sich nicht darum geschert, dass sich das Virus in andere Teile der Welt verbreiten könnte.“

          Christoph Hein
          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Zugleich weist Downer darauf hin, er sei niemals ein Gegner des kommunistischen Chinas gewesen – zumal er über einen Zeitraum sogar im Verwaltungsrat des umstrittenen Telekommunikationsausrüsters Huawei in Australien saß. Aber: „Kein Land kann ernsthaft eine globale Katastrophe einer solchen Dimensionen verursachen, ohne von der internationalen Gemeinschaft zur Rechenschaft gezogen zu werden.“

          Downer, der am längsten amtierende Außenminister Australiens, wurde sehr deutlich: „Xi Jinping sollte den Anstand besitzen zu erklären, wie diese Pandemie in seinem Land zum Ausbruch kam.“ Der Mann, der unzählige Verträge mit Peking unterzeichnete, mahnte nun: „Die Führung der Kommunistischen Partei ist arrogant geworden, anders als die Führungen, mit denen ich als Außenminister zu tun hatte: Jiang Zemin und Hu Jintao. Xi Jinping sollte darüber nachdenken, welche Auswirkungen seine Politik in China auf die globale Gemeinschaft hat – auf Menschenleben, auf Arbeitsplätze insbesondere für Menschen mit niedrigeren Einkommen, und auf die Struktur von Gesellschaften.“

          Unabhängig werden von China

          Allerdings sieht der Realist Downer durchaus Risiken durch die Verweigerungshaltung der Kommunisten, die um die Führung ihres eigenen Landes bangen: „Chinas Einflussnahme (soft power) wird durch die Corona-Krise ganz sicher leiden. Der beste Weg für die Führung der Kommunistischen Partei ist es doch zu demonstrieren, dass China wirklich ein Land ist, das sich integrieren und beitragen will zu einem breitgefächerten internationalen System, statt nur selbstsüchtig seine eigenen Interessen auf Kosten anderer durchzusetzen“, legt der Diplomat Peking die Daumenschrauben an. „Weigert sich China, dann sollte es sich nicht täuschen: Das würde Chinas Einfluss und Stellung in der Welt massiv beschädigen.“

          Downer drängt besonders auf eine Neustrukturierung von Lieferketten, die die chinesische Parteidiktatur schmerzen dürfte: „Wir sollten weniger abhängig von den Lieferketten Chinas werden. Zwar wollen wir unter dem Strich nicht noch mehr verarmen, als wir es sowieso schon tun, indem wir Freihandel durch Protektionismus ersetzen. Aber wir wollen, dass ähnlich denkende Länder eine kohärente Strategie entwickeln, um sensible Themen der Lieferketten anzugehen. Wir sollten beispielsweise daran arbeiten, bei medizinischer Ausrüstung und Medikamenten weniger abhängig von China zu werden. Und in einer Ära der Hochtechnologie, der elektrischen Automobile und der sauberen Energie sollten wir unsere Abhängigkeit bei Seltenen Erde von China überdenken.“

          Australische Politiker drängen immer lauter auf eine faire, offene Untersuchung des Ausbruchs. „China wird eine zentrale Rolle in ihr spielen, aber die Untersuchung muss auch Epidemiologen und  Wissenschaftler aus einer Reihe von Ländern einschließen, und könnte sogar von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) geführt werden – aber deren Ansichten dürfen nicht von China zensiert werden. Eine Weg wäre es, eine solche Untersuchung vom Sicherheitsrat der Vereinten Nationen führen zu lassen“, empfiehlt Downer.

          Der australische Ministerpräsident Scott Morrison hatte schon erklärt, seine Regierung beobachte nun „China mit sehr offenen Augen.“ Seine Außenministerin Marise Payne fügte an, es sei wichtig eine „unabhängige Untersuchung“ über das Virus einzuleiten: „Australien wird darauf bestehen.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.