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In der Corona-Pandemie : Auf dem Flughafen steht längst nicht alles still

Menschen in Schutzanzügen passieren am Frankfurter Flughafen eine Sicherheitsschleuse. Bild: AP

Fast alle Deutschen sind mittlerweile zurückgeholt aus dem Ausland. Die meisten Passagierflieger bleiben am Boden. Doch nicht überall auf dem Frankfurter Airport herrscht Stillstand.

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          Es dauert einige Minuten, bis man bemerkt, was anders ist. Denn die äußere Kulisse ist wie sonst auf dem Vorfeld des Frankfurter Flughafens: Flugzeuge parken, Fahrzeuge huschen über die Fahrbahnen. Doch allmählich fällt auf, dass bis auf diese kleinen Bewegungen alles still steht. Die Flugzeuge auf dem Rollfeld werden nicht für den Anschlussflug vorbereitet, sondern bleiben zu Dutzenden am Boden.

          Timo Kotowski

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Philipp Krohn

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          Am Himmel Schäfchenwolken, klare Sicht. Die einzigen Flugbewegungen über Stunden sind einige Cargo-Flugzeuge und noch weniger Passagierjets. Auf dem verdorrten Gras zwischen den Rollbahnen sind zwei Raubvögel zu sehen. Einer führt gleich dreimal hintereinander ein Kamikaze-Kunststück vor. Ein Balz-Gebaren? Man hört die Autobahn rauschen, wo sonst mit bis zu 140 Dezibel die Flugzeuge starten.

          Kaum Menschen sind zu sehen

          In der vergangenen Woche bis zum Ostersonntag zählte Fraport nach Angaben vom Mittwoch 1435 Starts und Landungen, das sind rund 200 am Tag. Zu Spitzenzeiten wurde dieser Wert in gut zwei Stunden erreicht. Die Passagierzahlen sind eingebrochen – seitdem die große Rückholaktion für Deutsche aus dem Ausland weitgehend abgeschlossen ist, ist man der Nulllinie näher gekommen. Genau 46.338 Passagiere stiegen in der vergangenen Woche in Frankfurt ein und aus, das waren 96,8 Prozent weniger gegenüber der gleichen Kalenderwoche des Vorjahres. Zu Hochlastzeiten, als sich Reisende vor Sicherheitskontrollen stauten, waren es 240.000 – am Tag.

          Kaum noch Betrieb: gespenstische Leere am Frankfurter Flughafen

          Nun sind im Terminal eins kaum Menschen zu sehen. Eine ältere Frau mit Mundschutz schiebt einen Turm von Gepäck mit einem Wagen vor sich her. Auch andere tragen die Gesichtsmasken in unterschiedlichen Modellen. An den Anzeigetafeln ist häufig das Wort „cancelled“ zu lesen, hinter den Schaltern der Lufthansa stehen nur vereinzelt Servicekräfte. Dabei ist in den Gebäudeabschnitten B und C des ersten Terminals der gesamte Verkehr konzentriert worden. Terminal 2 ist seit Anfang der vergangenen Woche komplett gesperrt.

          Die wenigen verbliebenen Flüge der dort ansässigen Gesellschaften sind in das größere Terminal 1 verlegt worden. Wer von dort in einen Flieger steigen will, muss sich dennoch wie ein Exot vorkommen. Beschränkungen für den Handel gelten auch am Flughafen. Die meisten Läden sind geschlossen, nur mit Zeitschriften und Lebensmitteln können sich Reisende noch gut versorgen.

          Die am Mittwoch vorgelegten Verkehrszahlen für das erste Quartal zeichnen nach, wie die Coronakrise über den Frankfurter Flughafen hereinbrach. Für die ersten drei Monate des Jahres zusammen ergibt sich ein Passagierrückgang von knapp 25 Prozent, für den Monat März allein sind es minus 62 Prozent, nun sind es fast minus 97 Prozent.

          In München, Deutschland zweitgrößtem Flughafen, ist der Rückgang noch größer. Das Fluggastaufkommen dort habe in der ersten Aprilwoche bei nur noch einem Prozent des Vorjahreswerts gelegen. Lufthansa hat die wenigen täglichen Interkontinentalflüge auf Frankfurt konzentriert.

          Parkplatz Nordwest-Landebahn: Zwei Männer laufen an den abgestellten Maschinen vorbei

          „Mit der wachsenden Verunsicherung der Bevölkerung und zunehmenden Reisebeschränkungen aufgrund von Einreiseverboten ging ein Meer von Annullierungen einher“, erklärt Fraport zu den März-Zahlen. „Der extreme Nachfrageeinbruch konnte zum Monatsende lediglich durch Sonderflüge im Rahmen von Rückholaktionen leicht abgemildert werden.“ In Frankfurt kamen im März mehr als 200.000 Passagiere, die Heimkehrer, mehr an als von dort losflogen.

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