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Der Stratege hinter Corbyn : Mit Marx und iPad in die Downing Street

Corbyns Schattenkanzler – falls die Labour-Partei die Neuwahlen an 12. Dezember gewinnt: John McDonnell während einer Rede in London am 13. November 2019. Bild: EPA

John McDonnell ist der Stratege hinter dem Aufstieg von Labour-Chef Corbyn. Der Sozialist will bei einem Wahlsieg Finanzminister Großbritanniens werden.

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          „Eine andere Welt ist möglich“, heißt die 64-Seiten-Broschüre, die John McDonnell vor zwölf Jahren veröffentlicht hat. Untertitel: „Ein Manifest für den Sozialismus des 21. Jahrhunderts“. Damals war McDonnell ein Hinterbänkler der Labour-Partei. Zweimal scheiterte er kläglich als Bewerber um den Parteivorsitz. McDonnell galt als viel zu links, war nicht mehrheitsfähig in der damals noch von Tony Blair und Gordon Brown geprägten Partei. Seitdem hat sich viel geändert. New Labour ist Geschichte, die Partei ist seit 2015 unter dem Vorsitzenden Jeremy Corbyn weit nach links gerückt. Der heute 68 Jahre alte McDonnell ist inzwischen einer der mächtigsten Männer der Labour-Partei. Er ist der Stratege hinter dem Aufstieg Corbyns.

          Philip Plickert

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Der Schatten-Schatzkanzler (finanzpolitischer Sprecher) der Partei, der als „Hobby“ den „Umsturz des Kapitalismus“ angibt, ist Architekt des wirtschafts- und fiskalpolitischen Programms, das Labour in dieser Woche vorlegen will und das einen tiefen Einschnitt für das Land bedeuten würde. So wirbt seine Partei nicht nur für die Wiederverstaatlichung von Eisenbahnen, Post, Strom-, Gas- und Wasserwerken – das ist bei vielen Wählern durchaus populär. Labour will zudem schrittweise 10 Prozent des Kapitals von Konzernen in Mitarbeiterfonds transferieren; das könnte bis zu 300 Milliarden Pfund kosten. Der Mindestlohn soll nach dem Willen von Labour deutlich steigen, die Arbeitszeit auf 32 Stunden pro Woche verkürzt werden.

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