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Nervige Banner : Wann hört der Ärger mit den Cookies endlich auf?

Kekse mögen im echten Leben appetitlich sein, im Netz schmecken ­Cookies nicht jedem. Bild: Picture Alliance

Cookiebanner sollten mal den Datenschutz verbessern. Geklappt hat das nicht. Jetzt gibt es einen neuen Anlauf.

          3 Min.

          An Cookiebannern scheiden sich die Geister. Für manchen sind sie ein essentieller, aber noch nicht perfekter Schritt zu einem bewussteren Umgang mit Daten im Internet. Für viele andere machen sie die Webnutzung schlicht nerviger. Vorbei kommt an ihnen heute so leicht kein Internetnutzer mehr.

          Alexander Wulfers
          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Umso ärgerlicher ist für die Nutzer, dass die Banner, die den Nutzer nach seiner Einwilligung zum Setzen von Cookies fragen, oft noch nicht einmal den Zweck der Transparenz erfüllen, für den sie gedacht sind. Die deutschen Verbraucherzentralen stellten 2021 fest, dass „knapp zehn Prozent der Banner eindeutig unzulässig“ waren. Das Gesetz sieht eigentlich vor, dass das Akzeptieren und Ablehnen von Cookies gleich einfach sein sollen. Datenschützer kritisieren aber, dass oft der Nutzer zum Akzeptieren der Cookies verleitet werde, zum Beispiel durch die Farbwahl der Buttons oder eine prominentere Platzierung. Das Fachmagazin „Wired“ nannte die Cookiebanner deshalb vor einigen Jahren das „größte Versagen der Datenschutzgrundverordnung“.

          Doch auch die Webseitenbetreiber selbst stellt die Cookiebannerpflicht vor ein Problem. Sie müssen sicherstellen, dass sie die Nutzer rechtskonform über die Verwendung ihrer Daten informiert haben. Sonst drohen Ab­mahnungen. Das sei gar nicht so einfach, sagt Rebekka Weiß vom Branchenverband Bitkom.

          Wirklich zufrieden ist mit dem Status quo also keiner der Beteiligten, höchstens vielleicht die Anwaltskanz­leien. Im vergangenen Jahr hat sich deshalb eine Gruppe aus Verbraucherschützern, Datenschutzexperten und Unternehmensvertretern zu einer „Good-Prac­tice-Initiative“ zusammengefunden. Gemeinsam wollen sie Cookiebanner besser machen. Am Donnerstag stellen sie das Ergebnis in einer virtuellen Konferenz vor. Gastgeber ist das Verbraucherschutzministerium, das die Initiative gefördert hat.

          Bisher haben noch nicht viele Unternehmen unterschrieben

          „Einwilligungsbanner sind oft kompliziert und irreführend, teilweise sogar manipulativ gestaltet“, begründet Staatssekretärin Christiane Rohleder ihre Unterstützung für die Initiative. Die Banner führten oft zu „regel­rechten Klickmarathons“, um die ge­wünschten Einstellungen zu finden. „Mit fairen und übersichtlichen Einwilligungsabfragen können Unternehmen demgegenüber ein starkes Signal für Verbraucherfreundlichkeit setzen, das schon beim ersten Klick auf die Webseite wirkt.“ Die Initiative soll deshalb „mit Design-Guidelines ein praktisches Werkzeug für verbraucherfreundliche Einwilligungsbanner schaffen“.

          Ob die neuen Leitlinien den Ruf der Banner retten können, hängt auch davon ab, wie viele Webseitenbetreiber sich am Ende damit anfreunden können. Die Zahl der Unternehmen, die sie bisher unterschrieben haben, ist überschaubar. Eines davon ist der Mobilfunk- und Internetanbieter Telefonica, dessen Interessen als Netzbetreiber freilich anders gelagert sind als die der Webseitenbetreiber. Der Bitkom-Verband selbst wird trotz Beteiligung an der Ausarbeitung das Dokument nicht unterschreiben, weil er nicht für all seine Mitarbeiter sprechen kann. Bitkom-Vertreterin Weiß hofft aber, dass bald weitere Unternehmen dazu kommen. Zwar könnten auch die Leitlinien keine Rechtssicherheit herstellen, aber sie gäben zumindest Orientierung gerade für kleinere Unternehmen, die sich mit dem Thema noch nie beschäftigt haben.

          Cookies ohnehin bald verbannt?

          Cookies sind seit Jahrzehnten ein grundlegender Baustein des World Wide Web. Die kleinen Dateien werden auf dem Computer des Nutzers gespeichert und ermöglichen dessen Wiedererkennung bei wiederholten Besuchen. Datenschützer stören sich vor allem an sogenannten Drittanbieter-Cookies, die Nutzer über verschiedene Webseiten hinweg verfolgen. Die Pflicht zum Setzen von Cookiebannern entstand als Folge der Datenschutzgrundverordnung.

          Das Ende der Banner werden auch die neuen Leitlinien nicht herbeiführen. Mittelfristig geht es den Cookies selbst aber aus einer anderen Richtung an den Kragen. Die großen Tech-Konzerne verabschieden sich der Reihe nach von der Technologie. Die Browser von Apple (Safari) und Mozilla (Firefox) blocken schon automatisch Cookies von Drittanbietern. Der Marktführer, Googles Chrome-Browser, soll im zweiten Halbjahr 2024 folgen. In einem Netz ohne Cookies könnten dann früher oder später auch die Banner obsolet werden.

          Korrektur: In einer früheren Version dieses Artikels hieß es, Google werde noch in diesem Jahr die Drittanbieter-Cookies im Chrome-Browser blockieren. Dies ist nicht richtig. Google hatte ursprünglich eine Abschaffung der Drittanbieter-Cookies bis Ende 2023 angepeilt, diese Frist aber zwischenzeitlich auf das zweite Halbjahr 2024 verlängert. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.

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