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Contra Tempolimit : Ein generelles Tempolimit bringt nichts

Auf der Autobahn 81 dürfen Autofahrer auf einem Abschnitt in der Nähe von Herrenberg ohne Geschwindigkeitsbegrenzung fahren. Bild: dpa

Die Argumente für ein starres Tempolimit sind so schwach wie eh und je. Wahlweise heißt es, man müsse langsam fahren, um das Klima zu schützen oder Unfälle zu vermeiden. Bisweilen helfen Fakten. Ein Kommentar.

          Kaum schmelzen die Scheinargumente der Dieseljäger wie Schnee in der Frühjahrssonne, wird wieder ein generelles Tempolimit auf Deutschlands Autobahnen hervorgekramt. Das wird seit Jahrzehnten immer mal wieder aufgebracht, die Argumente dafür sind so schwach wie eh und je. Wahlweise heißt es, man müsse langsam fahren, um das Klima zu schützen. Oder wegen der Unfälle. Oder weil es das Ausland auch so macht. Bisweilen helfen Fakten.

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Autobahnen sind die sichersten Straßen in Deutschland. Frontalzusammenstöße wie auf Landstraßen sind, von Geisterfahrern abgesehen, ausgeschlossen. Je eine Milliarde Fahrzeugkilometer sind 1,6 Unfalltote zu beklagen, auf den durchgehend tempolimitierten Land-, Orts- und Bundesstraßen sind es 5,3 Tote. Der Eindruck mag täuschen, weil von aufsehenerregenden Unfällen auf Autobahnen gern in den Medien berichtet wird, Fernsehsender zeigen lieber spektakuläre Bilder. Doch mit der wahren Sicherheit hat das nichts zu tun.

          Es gibt auch keine zunehmende Sicherheit mit starrem Tempolimit. Deutschlands Autobahnen sind sicherer als die in Frankreich, Italien oder Nordamerika. Dort sind, um den oben genannten Vergleich noch einmal zu bemühen, trotz durchgängigen Tempolimits 1,9 bis 3,8 Tote zu beklagen. Und Frankreich sieht sich sogar genötigt, neben der Autobahn bunte Installationen aufzubauen, damit die Menschen am Steuer vor Eintönigkeit nicht einschlafen.

          Auch dem Klima ist kaum oder gar nicht gedient

          Keine Frage, die Verkehrsregeln sind einzuhalten, Drängeln ist eine gefährliche Unsitte, die viele zu recht erregt. Auf der Mittelspur herumkriechen aber ist auch eine Zumutung mit Gefahrenpotential.

          Auch dem Klima ist mit einem starren Limit nicht gedient. Nach einer Untersuchung der Bundesanstalt für Straßenwesen würden die gesamten CO2-Emissionen in Deutschland durch ein generelles Tempolimit von 120 km/h nur um 0,27 Prozent sinken. Tempo 130 km/h hätte gar keinen Effekt. 

          Nein, mit festem Limit wäre nichts gewonnen, nur ein weiteres Stück Freiheit beschnitten. Was spricht dagegen, morgens um 4 Uhr bei trockener Straße auf einer leeren dreispurigen Autobahn 180 km/h fahren zu dürfen? Viel sinnvoller ist eine flexible Steuerung, die auf Verkehrslage und Wetter Rücksicht nimmt und die Höchstgeschwindigkeit situationsabhängig anpasst.  Starre Limits, die für alle Verhältnisse immer dieselbe Höchstgeschwindigkeit vorgeben, passen eben gerade nicht in ein modernes Verkehrssystem. Und der Freude an Verboten, nur um der Verbote willen, sollten wir uns sowieso entgegenstellen.

          Zu einem anderen Schluss kommt F.A.Z.-Redakteur Stefan Tomik. Seine Argumente für ein generelles Tempolimit können Sie hier lesen.

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