https://www.faz.net/-gqe-138sf

Aufsichtsratssitzung : Streit zwischen Conti und Schaeffler eskaliert

Spekulationen um Rücktritt des Conti-Vorstandsvorsitzenden Karl-Thomas Neumann Bild: ddp

Vertreter des Großaktionärs Schaeffler versuchen, den Continental-Vorstandsvorsitzenden Karl-Thomas Neumann abzusetzen. Erst mit großer Verspätung begann die Aufsichtsratssitzung. Gerüchte um Neumanns Rücktritt machen die Runde.

          2 Min.

          Der seit Wochen andauernde Machtkampf zwischen dem Automobilzulieferer Continental und seinem Großaktionär Schaeffler ist am Donnerstag eskaliert. Die für 14 Uhr angesetzte Aufsichtsratssitzung begann erst mit drei Stunden Verspätung, weil die Schaeffler-Seite zuvor die Ablösung von Conti-Vorstandschef Karl-Thomas Neumann betrieben hatte. Neumann hatte in den vergangenen Tagen den Großaktionär in öffentlich gewordenen Briefen massiv angegriffen. Am frühen Abend sorgte dann die Nachricht für Aufregung, Neumann sei zurückgetreten. Bis zum späten Abend hieß es aber von Conti-Seite, Neumann sei im Amt und halte eine Präsentation.

          Hendrik Ankenbrand

          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          Klar ist, dass Schaeffler Neumann stürzen will, den die Herzogenauracher einst selbst als Nachfolger von Manfred Wennemer bestimmt hatten. Dieser war im Zuge des Übernahmekampfs im vergangenen Jahr zurückgetreten. Schon am Donnerstagmorgen sollen die fünf Vertreter des Wälzlagerherstellers Schaeffler in der getrennten Vorbesprechung des Arbeitgeberlagers die Ablösung von Neumann gefordert haben. In der folgenden Sitzung des Aufsichtsrats-Präsidiums soll die Arbeitgeberseite mit ihrem Vorstoß aber auf die Ablehnung der Arbeitnehmervertreter gestoßen sein. Diese stellen die Hälfte des zwanzigköpfigen Aufsichtsrats. Weil für die Abwahl des Vorstandsvorsitzenden eine Zwei-Drittel-Mehrheit nötig ist, sei klar gewesen, dass Schaeffler seinen Antrag nicht durchbekommen und mit seinem Putschversuch vorerst scheitern würde.

          Rosenfeld soll für Posten des Finanzvorstandes bereitstehen

          Ungeachtet dessen sollen die Vertreter des Großaktionärs, angeführt von Schaeffler-Geschäftsführer Jürgen Geißinger, im Verlauf des Tages weiter versucht haben, die Arbeitnehmer auf ihre Seite zu ziehen. Aufsichtsratskreisen zufolge hat Schaeffler schon einen Nachfolger für Neumann vorgeschlagen haben. Demnach soll Elmar Degenhart, Geschäftsleiter der Schaeffler-Sparte Automotive, den in Ungnade gefallenen Neumann ablösen.

          Schaeffler-Geschäftsführer Geißinger hat angeblich schon einen Nachfolger für Neumann

          Für den Posten des Finanzvorstandes soll den Informationen zufolge der bisherige Schaeffler-Finanzvorstand Klaus Rosenfeld bereit stehen, der einer der Schaeffler-Vertreter im Aufsichtsrat ist. Ob Neumann angesichts des Putschversuches seines neunzigprozentigen Großaktionärs Schaeffler doch noch von sich aus zurücktritt, war bis zum Redaktionsschluss nicht abzusehen. Ebenso unklar blieb, ob Neumann im Aufsichtsrat die zuvor von ihm vehement geforderte Kapitalerhöhung zur Abstimmung stellen wird. Diese wird von Schaeffler abgelehnt, weil sie die Anteile der Gruppe an Conti von 90 auf bis zu 60 Prozent verwässern würden.

          Schulden stammen aus der Übernahme von VDO

          Neumann hat in den vergangenen Tagen heftige Angriffe gegen Schaeffler gefahren und eine Kapitalerhöhung von mindestens 1 Milliarde Euro gefordert. Diese soll dem Autozulieferer Luft verschaffen und ihn in die Lage versetzen, mit den Banken über die Neustrukturierung eines Kredits in Höhe von 3,5 Milliarden Euro zu verhandeln. Der Kredit wird im nächsten Jahr fällig.

          Die Schulden stammen aus der Übernahme des Autozulieferers VDO im vergangenen Jahr. Noch am Donnerstagmorgen hatte Neumann das Ziel ausgegeben, die Kapitalstruktur zu verbessern, wenngleich auch die Nettofinanzschulden des Konzerns erstmals seit der VDO-Übernahme unter 10 Milliarden Euro gesunken sind. Schon vor Beginn des Krisentreffens war über einen Rücktritt Neumanns und des gesamten dreiköpfigen Konzernvorstandes spekuliert worden, falls der Aufsichtsrat der Conti-Führung keine Rückendeckung geben würde.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Öffnung der Gastronomie : Als das Krisengefühl verschwand

          Früher galten die Deutschen als Stubenhocker. Doch in der Krise zeigt sich, was sonst nicht ins Bewusstsein dringt: Die Gastronomie ist systemrelevant. Seit wann ist das eigentlich so? Über die erstaunliche Bedeutung einer Leitbranche.

          Trump will G7 zu G11 erweitern : Eine neue Allianz gegen China?

          Russland reagiert zurückhaltend auf Trumps Vorstoß, die G7 zu erweitern. Australien, Indien und Südkorea zeigen sich offener – ohne Amerika wären sie Vasallenstaaten Chinas, warnt ein früherer Außenminister.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.