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F.A.Z. exklusiv : Conti nimmt die Reifenproduktion in Russland wieder auf

Der Reifenhersteller Continental ist schon lange auch in Russland engagiert. Bild: dpa

Viele Konzerne haben sich aus Russland infolge des Angriffs auf die Ukraine zurückgezogen. Conti wählt nun einen anderen Weg – mit einer heiklen Begründung.

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          Ausländische Unternehmen in Russland haben in den vergangenen Wochen unterschiedlich auf den Angriffskrieg reagiert, den das Land auf die Ukraine gestartet hat. Einige haben Russland verlassen oder ihre Geschäfte eingeschränkt. Andere bleiben am Ort. Der Autozulieferer und Reifenhersteller Continental zeigt nun eine neue Vorgehensweise. Nachdem zunächst die Produktion beendet wurde, nimmt der Dax-Konzern aus Hannover seine Fertigung nach Informationen der F.A.Z. teilweise wieder auf.

          Christian Müßgens
          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.
          Katharina Wagner
          Wirtschaftskorrespondentin für Russland und die GUS mit Sitz in Moskau.

          Es geht um das Reifenwerk in Kaluga rund 190 Kilometer südwestlich von Moskau, wo Conti die Arbeit Anfang März ausgesetzt hatte. Außerdem sei das komplette Im- und Exportgeschäft mit der Russischen Föderation vorerst eingestellt worden, hieß es damals. Seit vergangener Woche läuft die Produktion wieder, wie Conti auf Anfrage bestätigt. Der Konzern begründet dies mit „harten strafrechtlichen Konsequenzen“, die Mitarbeitern und Führungskräften vor Ort drohten, wenn sie die lokale Nachfrage nicht bedienen. „Grundlage für diesen Schritt ist die Fürsorgepflicht für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Russland.“ Die Rede ist von einer temporären Produktion „im Bedarfsfall“, die deutlich unter früheren Auslastungen des Werks liege. Conti verfolge „keinerlei Gewinnerzielungsabsicht“.

          1300 Beschäftigte in Russland

          Auch andere Reifenhersteller hatten zuletzt ihre Arbeit in Russland fortgesetzt, etwa Nokian aus Finnland. Man wolle die Kontrolle über die dortigen Produktionsanlagen behalten, werde aber nicht weiter investieren, hieß es. Hintergrund der Diskussion ist, dass die Kremlpartei „Einiges Russland“ Anfang März eine Gesetzesinitiative vorgestellt hatte, die eine Verstaatlichung ausländischer Unternehmen vorsieht, wenn diese den russischen Markt verlassen oder den Betrieb unterbrechen.

          Das Gesetzesprojekt und wohl auch Drohungen mit möglichen Gefängnisstrafen für örtliche Geschäftsführer hatten bei westlichen Unternehmen große Unruhe ausgelöst. Die Baumarktkette Obi hatte erst kürzlich 27 Filialen in Russland an einen russischen Investor verschenkt, unter anderem um der Enteignung zu entgehen. Auch der Konsumgüterkonzern Henkel verabschiedet sich nach anfänglichem Zögern aus dem Land.

          Der kremltreuen Zeitung „Iswestija“ zufolge ist das Gesetzprojekt zur Enteignung allerdings vorerst auf Eis gelegt und bisher nicht einmal der Regierung vorgelegt worden. Viele der Firmen wollten den russischen Markt gar nicht für immer verlassen, sondern demnächst ihre Tätigkeit wieder aufnehmen, hieß es unter Berufung auf Regierungskreise. Diesen Unternehmen wolle die Regierung entgegenkommen, sie behalte sich das Gesetz daher für den „Extremfall“ vor.

          Der russische Absatzmarkt ist für Conti vergleichsweise klein. Trotzdem trifft der Ukrainekrieg den Konzern mit Wucht, vor allem wegen steigender Preise für Rohstoffe aus dem Land, die für die Reifenproduktion benötigt werden. Rund 1300 Beschäftigte arbeiten für Conti in Russland, die meisten davon am Standort Kaluga. Diese Mitarbeiter wolle man „vor einer Strafverfolgung schützen“, heißt es aus der Zentrale in Hannover. Den Angriff auf die Ukraine verurteile das Management scharf. „Continental unterstützt und befolgt alle geltenden Sanktionen sowie rechtliche Vorschriften, die infolge des Krieges in der Ukraine verhängt worden sind.“

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