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Conti-Aufsichtsratschef Koerfer : Der Erfüllungsgehilfe

Unklar ist, ob Aufsichtsratvorsitzender Rolf Koerfer der Kapitalerhöhung zustimmen wird Bild: dpa

Hans Rolf Koerfer ist nicht der Mann für die erste Reihe. Der juristische Berater der Schaeffler-Gruppe agiert gern im Hintergrund, bahnt Kontakte an, zieht die Fäden. Im Übernahmekampf um Continental tritt Koerfer nun endgültig aus dem Schatten.

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          Hans Rolf Koerfer ist nicht der Mann für die erste Reihe. Der juristische Berater der Schaeffler-Gruppe agiert gern im Hintergrund, bahnt Kontakte an, zieht die Fäden. Im Rampenlicht stehen die anderen, Maria-Elisabeth Schaeffler, die „listige Witwe“, die mal im Pelzmantel durch Kitzbühel flaniert, mal mit rotem Schal die Verbrüderung mit der IG Metall probiert, und auch ihr Vorstandschef Jürgen Geißinger, der knallhart die eigenen Interessen durchsetzt.

          Henning Peitsmeier

          Wirtschaftskorrespondent in München.

          Für beide hat Koerfer im vergangenen Jahrzehnt so manchen Deal eingefädelt. Doch keiner war so spektakulär wie die angestrebte Übernahme von Continental, die Koerfer noch dazu aus dem Schatten seiner Mandanten treten ließ. Während Schaeffler und Geißinger einfache Aufsichtsratsmandate beanspruchten, schickten sie ihren 51 Jahre alten M&A- Fachmann auf den Aufsichtsratsvorsitz von Conti. Koerfer leitete bereits eine turbulente Hauptversammlung im April und nun eine nicht weniger turbulente Aufsichtsratssitzung am Donnerstagabend, von der Teilnehmer anschließend sagten, so etwas Desaströses selten miterlebt zu haben.

          Zahlreiche Opfer

          Am Ende lässt Hobbyjäger Koerfer Opfer zurück: Erst verdrängte er an der Aufsichtsratsspitze Hubertus von Grünberg, einen der schärfsten Schaeffler-Widersacher, dann trat Conti-Finanzvorstand Alan Hippe zurück und als Nächstes wird es den Conti-Vorstandsvorsitzende Thomas Neumann treffen.

          Die Absetzung von Neumann, so heißt es in Aufsichtsratskreisen, sei von Anfang an Koerfers Auftrag gewesen, als sich die Aufseher zu ihrer Sitzung in Hannover versammelten. Geißingers Intimus soll einigen Mitgliedern des Gremiums sogar schon Neumanns Nachfolger, den Schaeffler-Automotive Manager Elmar Degenhart, genannt haben. Das allerdings hinderte die Nachrichtenagentur dpa am Freitag nicht, Koerfer selbst als neuen Conti-Vorstandsvorsitzenden herauszuposaunen - um Stunden später kleinlaut eine Korrekturmeldung hinterherzuschicken.

          Wirtschaftsanwalt statt Automanager

          Nein, für die Führung des börsennotierten Automobilzulieferers dürfte Koerfer sicherlich noch ungeeigneter sein, denn ein Automanager ist er gewiss nicht. Koerfer gehört zu den führenden Wirtschaftsanwälten in Deutschland, arbeitete bei erstklassigen Kanzleien, erst für Shearman & Sterling dann für die Allen & Overy-Sozietät. Er gilt als ausgewiesener Fachmann für das deutsche Aktienrecht und ist für den Mittelständler Schaeffler das Scharnier zur Welt der Kapitalmärkte. Der gebürtige Kölner mit dem markanten Schnauzbart ist gewiss eine auffällige Erscheinung: An heißen Sommertagen, wenn seine Anwaltskollegen bestenfalls den Windsorknoten ihrer Krawatten lockern, trägt Koerfer gerne Kurzarmhemden; doch auffallen will er eigentlich nicht.

          „Ich stamme aus der alten Zeit, in der Anwälte über ihre Mandanten noch nicht öffentlich gesprochen haben“, sagte Koerfer, als er im Januar an die Aufsichtsratsspitze wechselte. Dafür redeten andere, und zwar über ihn: Obwohl Partner der Kanzlei Allen & Overy, handelt Koerfer sicherlich im Sinne von Schaeffler. Christian Strenger, Mitglied der Corporate-Governance-Kommission und Aufsichtsrat der Investmentgesellschaft DWS, witterte bei Koerfers Ernennung einen Interessenkonflikt und Verstoß gegen das Aktienrecht und reichte Klage beim Landgericht Hannover ein. Strengers Argument: Koerfer sei als Anwalt wirtschaftlich abhängig von Schaeffler und könne deshalb nicht unvoreingenommen die Interessen Contis wahrnehmen.

          Koerfer hat immer die Interessen von Schaeffler wahrgenommen. Und vieles erinnert in diesen Tagen an die feindliche Übernahme des Konkurrenten FAG Kugelfischer. Auch damals verhalf Koerfer im Hinterzimmer den Schaefflers an die Macht. Nur das Hinterzimmer musste Koerfer jetzt verlassen.

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