https://www.faz.net/-gqe-71bs1

Computerspiele : „World of Warcraft“-Hersteller steht zum Verkauf

Activision Blizzard ist Herausgeber von erfolgreichen Spielen wie „World of War“ und „Diablo“ Bild: ddp

Die Muttergesellschaft Vivendi hat erstmals bestätigt, dass der Computerspiele-Hersteller Activision Blizzard nicht mehr zum Kerngeschäft zählt. Der Anbieter von „Call of Duty“ und „World of Warcraft“ könnte bald unter ein neues Dach kommen.

          2 Min.

          Der Hersteller von Computerspielen, Activision Blizzard, steht zum Verkauf. Der Aufsichtsratsvorsitzende der französischen Muttergesellschaft Vivendi, Jean-René Fourtou, hat erstmals in der Öffentlichkeit bestätigt, dass die Abspaltung geprüft werde. Activision Blizzard ist Herausgeber von erfolgreichen Spielen wie „World of Warcraft“, „Call of Duty“ „Spider-Man“, „X-Men“, „Diablo“ und „Guitar Hero“. Der Verkauf sei „eine Möglichkeit“, sagte Fourtou der Nachrichtenagentur Bloomberg auf einer Medienkonferenz in den Vereinigten Staaten. „Wir sind immer auf der Suche nach guten Gelegenheiten für unsere Geschäftsbereiche“. Die vorsichtigen Worte bedeuten nach Angaben aus Fourtous Umfeld, dass Vivendi Activision Blizzard nicht mehr zu seinem Kerngeschäft zählt.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Als mögliche Kaufinteressenten gelten Konzerne wie Microsoft und Time Warner aus den Vereinigten Staaten, die chinesische Holding Tencent oder die Nexon-Gruppe aus Japan. Doch noch halte sich das Interesse in Grenzen, hieß es auf der Industriekonferenz in Sun Valley Idaho. Vivendi suche einen Käufer, der bar zahlen wolle. Zudem befindet sich die Computerspiele-Branche im Umbruch, weil das Wachstum heute weniger auf den Spielekonsolen stattfinde, sondern stärker in sozialen Netzwerken wie Facebook. Daher warten etliche Akteure ab. Wenn kein Paketkäufer gefunden werde, sei die Verkauf über die Börse auch eine Möglichkeit, hieß es in Vivendi-Kreisen.

          Der französische Konzern besitzt 61 Prozent an Activision Blizzard, die zuletzt gut 8 Milliarden Dollar wert waren, der Rest ist an der Nasdaq notiert. Das Unternehmen mit Sitz im kalifornischen Santa Monica ist einer der größten Computerspiele-Hersteller der Welt. Im vergangenen Jahr erzielte das Unternehmen mit seinen rund 7700 Mitarbeitern einen Umsatz von 3,4 Milliarden Euro und einen Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebita) von gut 1 Milliarde Euro. Im ersten Quartal 2012 sank das Ebita gegenüber dem gleichen Vorjahrszeitraum allerdings um mehr als 21 Prozent auf 395 Millionen Euro. „Call of Duty“ hat nach Angaben des Unternehmens mehr als 20 Millionen Kunden. „Skylanders Spyro’s Adventure“ sei im ersten Quartal 2012 das beliebteste Kinder-Computerspiel in Europa und Nordamerika gewesen, berichtete Vivendi.

          Vivendi hat die Mehrheit an Activision Ende 2007 erworben und damals insgesamt 9,8 Milliarden Dollar bezahlt. Davon bestanden 1,7 Milliarden Dollar aus Barmitteln, der Rest aus dem eigenen Computerspiele-Bereich Blizzard.

          Das französische Konglomerat, das sich im April von seinem Vorstandsvorsitzenden Jean-Bernard Lévy getrennt hat, steckt in einer Identitätskrise. An der Pariser Börse hat der Vivendi-Konzern, zu dem ein umfangreiches Telekomgeschäft, der weltgrößte Musikkonzern Universal sowie der Fernsehsender Canal Plus gehören, in den vergangenen zwölf Monaten rund 30 Prozent an Wert verloren. Die Anleger werfen dem Konzern seit langem vor, als Konglomerat sich auf zu unterschiedliche Geschäftsbereiche ohne Synergien zu konzentrieren. Mit einem Schuldenberg von 12,5 Milliarden Euro, der nicht zuletzt durch den teuren Kauf der Vodafone-Anteile auf dem französischen Mobilfunkmarkt zustande kam, steht die Bilanz des Unternehmens zudem unter Druck. Mit einem neuen Großaktionär im Rücken – dem französischen Unternehmer Vincent Bolloré, der seine Anteile Gerüchten zufolge demnächst auf fast 10 Prozent verdoppeln könnte - prüft Vivendi jetzt die Zerschlagung und die Neuausrichtung auf mehr gleichgerichtete Geschäftsbereiche. Die Vivendi-Aktie notierte am Freitag in Paris mit 2,7 Prozent im Plus.

          Weitere Themen

          Ericsson macht knapp 7 Milliarden Kronen Verlust

          5G : Ericsson macht knapp 7 Milliarden Kronen Verlust

          Der schwedische Netzwerkausrüster hat im dritten Quartal wegen eines Korruptionsverfahrens im dritten Quartal rote Zahlen geschrieben. Operativ läuft es hingegen gut – vor allem wegen der 5G-Technik.

          Topmeldungen

          Lässt die Muskeln spielen: der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan.

          Türkische Syrien-Offensive : „Erdogan will unsere Allianz brechen“

          Ünal Ceviköz, der Vize-Vorsitzende der größten türkischen Oppositionspartei CHP, erklärt im Interview die innenpolitischen Motive des Nordsyrien-Feldzugs – und warum er die Ansiedlung von zwei Millionen Flüchtlingen in der „Sicherheitszone“ für utopisch hält.

          Trump beleidigt Pelosi : „Sie ist sehr krank“

          Die Demokraten haben ein Treffen mit dem amerikanischen Präsidenten abgebrochen, weil Donald Trump die „Sprecherin“ des Repräsentantenhauses Nancy Pelosi beleidigt haben soll. Der Präsident legte auf Twitter noch nach.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.