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Computerspiele : Playstation: Wochen der Wahrheit

Andrang in Japan: Der Verkauf der Playstation3 hat begonnen Bild: AP

Sony hat in Japan die neue Playstation auf den Markt gebracht. Nach einer Serie von Pannen und Fehlern braucht der Konzern dringend einen Erfolg. Mehrere Milliarden Euro sind in die Entwicklung der Konsole geflossen - und sollen sich nun tunlichst lohnen.

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          In Tokio hat die Markteinführung der neuen Spielekonsole von Sony einen wahren Ansturm der Fans ausgelöst. Tausende Menschen standen Schlange vor den Elektronikgeschäften, in denen die Playstation-3 erstmals verkauft wurde. Der japanische Elektronikkonzern steht nun vor den Wochen der Wahrheit: Nicht nur soll sich eine milliardenteure und jahrelange Entwicklungsarbeit bezahlt machen. Das Unternehmen will nach den Rück- und Tiefschlägen der vergangenen Monate auch eine ordentliche Portion Hoffnung auf bessere Zeiten demonstrieren. Denn mit dem Modell einer integrierten Spiel- und Multimediabox soll endlich der alte Erfolg wieder Einzug in das traditionsreiche Haus halten.

          Stephan Finsterbusch
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Sony schwang sich mit der Playstation in den vergangenen zehn Jahren zum tonangebenden Unternehmen der Industrie auf. Es hatte Wettbewerber wie Sega und Bandai erst an die Wand und dann aus dem Konsolenmarkt gedrückt; hatte Heerscharen von Programmierern beschäftigt und technisch hochentwickelte, finanziell aber minderbemittelte Softwarefirmen wie Square-Enix an sich gebunden. Es schien den Kampf um die Wohn- und Kinderzimmer schon für sich zu entscheiden, als eine Staffel konzerninterner Pannen und Peinlichkeiten den Erzkonkurrenten kräftig Auftrieb gab. Microsoft besitzt mit seiner neuen X-Box einen Verkaufsvorsprung von einem Jahr. Nintendo sorgt mit seiner ab Dezember in die Regale kommenden Billigkonsole mit dem Namen Wii für einen harten Preiskampf.

          Das Zittern zahlte sich aus

          So versucht Sony nun, mit seiner neuen Konsole in die Offensive zu gehen. Dafür senkte es den Preis für das Einsteigermodell und vergrößerte die Zahl der neuen Spiele. Das Unternehmen will seinen Anteil von zwei Drittel am 20 Milliarden Euro großen Videospielmarkt sichern. Als Ken Kutaragi Anfang der neunziger Jahre in einem Hinterzimmer der Musiksparte des Konzerns die erste Playstation entwarf, hatten seinem Chef Teruo Tokunaka noch die Finger gezittert, als er einen 40 Millionen Euro schweren Auftrag für den hausinternen Kauf von 1,3 Millionen Computerchips unterschrieb. Das Zittern zahlte sich aus. Seit der Markteinführung der Playstation vor zwölf Jahren setzte Sony mehr als 220 Millionen Geräte ab. Mit der PS-3 könnte die Marke von 300 Millionen überschritten werden.

          Hoffnungsträger Playstation-3
          Hoffnungsträger Playstation-3 : Bild: AP

          Die mit den ersten beiden Konsolen-Generationen eingefahrenen Erlöse belaufen sich auf einen Betrag jenseits der 50-Milliarden-Euro-Grenze. Für Sony ist die Playstation das, was für Bayer das Aspirin und für Daimler-Chrysler der Mercedes ist. Unter Federführung von Altmeister Ken Kutaragi stellten die Japaner ihre Wundermaschine jetzt auf eine neue Stufe. Fast sechs Jahre lang arbeiteten sie an der dritten Generation. Dafür entwarfen sie gemeinsam mit IBM und Toshiba einen Hochleistungschip, der auch als Supercomputer für den Hausgebrauch bezeichnet wird. Darüber hinaus ist die Konsole mit einer Laufwerks- und Speichertechnik bestückt, die fünfmal leistungsfähiger ist als bisherige Trägermedien.

          Fehler- und Pannenquote erreicht Höhepunkt

          Die Entwicklungskosten für das Gerät gehen umgerechnet in die Milliarden von Euro. Entsprechend groß ist der Erfolgsdruck. Um alle Möglichkeiten des Modells auszureizen, rückt Sonys die PS-3 eng an seine Film- und Musiksparten. Auf dem Weg zur Multimediamaschine sammelten die Japaner mit der vor drei Jahren eingeführten PSX erste Erfahrungen. Sie sollen sich nun bezahlt machen. Wird die neue Playstation ein Erfolg, kurbelt sie die Konzerngeschäfte mit Filmen, Videos und Musik an. Das scheint auch nötig. Denn zwei der vier großen Haussparten arbeiten mit Verlust. Nach den ersten sechs Monaten des laufenden Geschäftsjahres hatte CEO Howard Stringer die Gewinnprognose für das Gesamtjahr nach unten korrigiert.

          Darüber hinaus erreichte die Fehler- und Pannenquote im Konzern einen neuen Höhepunkt. Im vergangenen Herbst bestückte Sony Zehntausende von Compact Discs mit einem fehlerhaft programmierten Kopierschutz, der die Computer vieler Kunden zum Absturz brachte. Im Winter gab es bei Testläufen der Speichertechnik Blu-Ray große Schwierigkeiten. Wenig später erwiesen sich Laptops mit Batterien „made by Sony“ als brandgefährlich. Ein kleiner Fehler der Qualitätskontrolle hatte große Folgen.

          Mit der Playstation werden sich die Japaner solche Pannen nicht leisten können. Denn floppt das Gerät, könnte das die Existenz des Konzerns in seiner heutigen Struktur aufs Spiel setzen. Daher ging der Tokioter Vorstand keine Risiken ein. Nach ersten Problemen in der Produktion verschob er die weltweite Markteinführung der PS-3 vom Frühjahr auf den November. In Europa verlegte er sie gar auf März 2007. Dann aber geht es auch hier los.

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