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Computerhersteller : Michael Dell kann sein Unternehmen zurückkaufen

Michael Dell versucht seit Jahresbeginn, die Übernahme durchzusetzen, war dabei aber auf Widerstand von Großaktionären gestoßen. Bild: dpa

Nach langem Kampf um die Übernahme des einst größten Computerherstellers der Welt stimmen die Aktionäre dem Verkauf nun zu. Damit sieht sich der Gründer am Ziel seiner Wünsche. Dell gehört wieder Dell - für knapp 25 Milliarden Dollar.

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          Dem Verkauf des amerikanischen Computerkonzerns Dell an den Gründer Michael Dell und die Beteiligungsgesellschaft Silver Lake steht nichts mehr im Wege. Am Donnerstag segneten die Aktionäre bei einer außerordentlichen Hauptversammlung am Firmensitz im texanischen Round Rock die Transaktion ab. Das teilte Dell nach vorläufiger Auszählung der Stimmen mit. Das genaue Ergebnis wurde zunächst nicht genannt.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Mit diesem Votum geht ein erbitterter Kampf um das Schicksal von Dell zu Ende, der sich mehr als ein halbes Jahr lang hingezogen hat. Die schon im Februar verkündete Transaktion mit dem Gründer stieß auf Widerstand von mehreren Großaktionären, die meinten, das Unternehmen verkaufe sich zu billig. Der Investor Carl Icahn setzte sich an die Spitze der Gegenkampagne und legte sogar ein rivalisierendes Angebot vor. Angesichts der Opposition wurde die zunächst für den Juli angesetzte Abstimmung der Aktionäre insgesamt drei Mal verschoben.

          Dell musste sie Offerte nachbessern

          Michael Dell und Silver Lake sahen sich schließlich gezwungen, ihre Offerte nachzubessern. Sie stockten den Preis von 13,65 auf 13,75 Dollar je Aktie auf und versprachen zusätzlich eine einmalige Dividende von 13 Cent je Aktie. Im Gegenzug für das höhere Angebot rangen sie dem Verwaltungsrat von Dell ein wichtiges Zugeständnis ab, das den Weg für das Zustandekommen der Übernahme ebnete. Die Regeln für die Hauptversammlung wurden so geändert, dass Enthaltungen nicht mehr als Nein-Stimmen gewertet werden. Carl Icahn gab vor wenigen Tagen seinen Widerstand gegen den Verkauf an Michael Dell mit der Begründung auf, er halte es nun für fast unmöglich, den Kampf zu gewinnen. Icahn griff dabei den Verwaltungsrat wegen der Änderung der Abstimmungsregeln scharf an. Die Transaktion mit Michael Dell und Silver Lake hat ein Volumen von 24,9 Milliarden Dollar. Es ist die größte Übernahme durch Finanzinvestoren seit der Wirtschaftskrise vor fünf Jahren. Michael Dell wird seinen eigenen 14-Prozent-Anteil am Unternehmen einbringen, und er wird Vorstandsvorsitzender bleiben. Zur Finanzierung der Akquisition will der Softwarekonzern Microsoft einen Kredit von 2 Milliarden Dollar beisteuern. Dell rechnet damit, dass der Verkauf bis Anfang November vollzogen wird. Das Unternehmen, das vor 25 Jahren an die Börse ging, soll dann vom Kurszettel verschwinden.

          Es wird eine Zäsur in der Glanzkarriere von Michael Dell, der das Unternehmen 1984 mit einem Startkapital von 1000 Dollar in seinem Studentenwohnheim gründete. Dell mischte die Branche einst mit einem revolutionären Geschäftsmodell auf. Er baute Personalcomputer nach den Vorgaben von Kunden und lieferte sie direkt und ohne Beteiligung von Händlern aus. Dell stieg damit zum größten Computerhersteller der Welt auf. Mittlerweile kämpft das Unternehmen aber schon seit Jahren mit Schwierigkeiten. Seine Spitzenposition im PC-Markt hat Dell verloren. Das PC-Geschäft leidet zudem allgemein unter der Konkurrenz mobiler Geräte wie Tabletcomputer und Smartphones. Das trifft Dell besonders hart, denn weit mehr als die Hälfte des Umsatzes entfällt auf PCs, und in den mobilen Wachstumsmärkten ist das Unternehmen bisher schwach aufgestellt. In seinem jüngsten Quartalsbericht im August wies Dell einen drastischen Gewinnrückgang aus und unterstrich damit seine Schwierigkeiten. Dell konnte zwar seinen Umsatz stabil halten, erkaufte sich dies aber mit aggressiven Preissenkungen bei PCs und Netzwerkrechnern (Server).

          Der 48 Jahre alte Michael Dell will sein Unternehmen nun neu ausrichten und meint, fernab der Börse habe er mit diesem Vorhaben bessere Chancen. Dem Vorbild von Unternehmen wie IBM folgend, will er sich künftig stärker auf die Geschäfte mit Dienstleistungen und Software konzentrieren und Wachstumsmärkte wie „Big Data“ besetzen.

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