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Computerhersteller : Fujitsu Europa gelingt der Befreiungsschlag

Das Gebäude der FTS in München Bild: Fujitsu Technology Sloutions

Zehn Jahre war die Zusammenarbeit im Computergeschäft zwischen Fujitsu und Siemens erfolglos verlaufen. Nachdem die Japaner die Alleinregie 2009 übernommen hatten, scheint dem Informationstechnikkonzern in Europa nun ein Neustart zu gelingen.

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          Nach zwei Jahren Umbau hat die Fujitsu Technology Solutions (FTS) mit ehrgeizigen Wachstumszielen eine neue Ära eingeleitet. Die europäische Tochtergesellschaft des japanischen Computer- und Informationstechnikkonzerns Fujitsu, die mit einem Werk in Augsburg als Einziger noch Computer in Westeuropa fertigt, strebt bis 2015 einen Umsatzsprung von 40 Prozent auf mehr als 6 Milliarden Euro an. Die Umsatzrendite bezogen auf das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) von zuletzt 1,2 Prozent soll auf mehr als 5 Prozent steigen.
          „Da müssen wir noch zulegen, wollen wir uns mit den Wettbewerbern messen“. sagte Vorstandsvorsitzender Rolf Schwirz am Dienstag in München. Er spielte auf die großen amerikanischen Konkurrenten Hewlett Packard, IBM und Dell an, aber auch auf Wettbewerber wie Lenovo aus China und Acer aus Südkorea.

          Rüdiger Köhn
          (kön.), Wirtschaft

          FTS bietet vom Großrechner, Server und Speichersysteme für Unternehmen über Personal Computer mit Standgeräten (Desk Top) und Notebooks bis hin zu mobilen Endgeräten ein breites Spektrum an.

          Glücklose Zusammenarbeit beendet

          Einst war das Unternehmen zu Beginn einer Zusammenarbeit mit dem deutschen Siemens-Konzern gar Marktführer im reinen PC-Geschäft. Doch erlebte das 1999 begründete Gemeinschaftsunternehmen Fujitsu Siemens einen stetigen Niedergang, verlor unaufhaltsam Marktanteile in einem zunehmend erbittert um kämpften Computergeschäft besonders im Konsumsegment - und endete mit hohen Verlusten.

          Nach der Trennung vom Partner Siemens scheint dem japanischen Computerbauer in Europa nun ein Befreiungsschlag zu gelingen. Im April 2009 hatte er den Anteil von 50 Prozent der Deutschen an Fujitsu Siemens für 410 Millionen Euro gekauft. Eine glücklose, zehn Jahre währende Kooperation war beendet. Zu unterschiedlich waren die Interessen der Eigner, weshalb eine klare Strategie und Organisation fehlten. Für Siemens war – obwohl stets bestritten - die Kooperation gewissermaßen ein Einstieg in den Ausstieg, während sich die Japaner einen stärkeren Auftritt im damals unterrepräsentierten europäischen Markt erhofften. Fehler in der Produktentwicklung, organisatorische Mängel, unklare Zuständig- und Verantwortlichkeiten und nicht zuletzt die unterschiedlichen Motivationen der beiden Partner behinderten den eigentlich beabsichtigten Aufstieg.

          FTS reift zum Vorbild für andere Gemeinschaftsunternehmen, die mit Problemen kämpfen. Gerade erst hat Sony es Fujitsu gleich getan: Der japanische Elektronikkonzern kündigte Ende Oktober die Übernahme der 50 Prozent am Handy-Hersteller Sony Ericsson vom schwedischen Partner an. Er zahlt dafür 1,05 Milliarden Euro. Beide Partner behinderten sich am Ende in einem Markt, der zunehmend von Apple mit seinem iPhone oder von anderen Smartphones von Samsung oder HTC bestimmt wurde. Ericsson wollte sich auf sein ohnehin schwieriges Netzwerkgeschäft konzentrieren. Sony will die mobilen Geräte allein produzieren, um sie enger mit den Computern, Fernsehern, Tablets, der Spielekonsole Playstation und digitalen Inhalten zu verknüpfen.

          Anschauungsunterricht für Nokia Siemens Networks

          Und FTS bietet Anschauungsunterricht für das defizitäre Gemeinschaftsprojekt Nokia Siemens Networks (NSN). Wie schon im Computergeschäft hat der Münchener Konzern mit dieser Zusammenarbeit auf einen Ausstieg aus dem problematischen Netzwerkgeschäft gehofft. Seit Jahren ist NSN, die operativ von den angeschlagenen Finnen gesteuert werden, wegen unterschiedlichen Interessenlagen und Auffassungen im Management ein Sorgenkind für die Partner Siemens und Nokia. Ihnen will ein Ausstieg mit einem angedachten Börsengang oder einem Teilverkauf an Finanzinvestoren nicht mehr gelingen, nachdem sich das Gemeinschaftsunternehmen in einem schwierigen Marktumfeld mit einer erfolgreichen Positionierung schwer tut. NSN schreibt hohe Verluste, die die Kapitalbedürftigkeit erhöhen. Jeweils 500 Millionen Euro haben die beiden Partner gerade erst neu an liquiden Mitteln zugeführt.

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